Fructosemalabsorption Fructopia

Deniz Ficicioglu, FRUCTOPIA

FRUCTOPIA eine Fundgrube für kreative, fructosearme Rezepte!

Wie finden Sie „Ersatzprodukte“ für fruktosereiche Nahrungsmittel?

Es gibt unheimlich viele natürliche Lebensmittel die trotz Fructosemalabsorption verträglich sind und ich liebe es, diese zu entdecken und neu zu kombinieren. Auf Buchweizen, Brennnessel und Blütenpollen wäre ich sonst nie so schnell gestoßen. Deshalb halte ich auch von den meisten fructosearmen Ersatzprodukten nicht viel. Außer Reissirup benutze ich davon kaum eines. Fertigprodukte, egal ob fructosearme oder nicht, sind immer mit gewaltigen Abstrichen in Bezug auf Nährwerte und Geschmack verbunden. Da koche ich dann doch lieber selbst! :)

Seit einiger Zeit ernähren Sie sich FODMAP-arm. Was waren die größten Herausforderungen bei der Anpassung der Rezepte?

Allgemein muss man sich nach der Ernährungsumstellung ganz neu organisieren. Wenn man nicht gerade in Berlin wohnt, wo auch ungewöhnliche Zutaten gut erhältlich sind, muss man sich seinen Vorratsschrank oft mühsam zusammen suchen. Da greifen einem Online-Versandportale wie Topfruits oder Schafschoki gut unter die Arme.

Die größte Herausforderung aber war es, der Gewohnheit ein Schnippchen zu schlagen und sich auf Neues einzulassen. Zu sehr war ich es gewohnt, zwischendurch ein paar Kekse zu naschen oder beim Kochen einfach etwas Knoblauch oder gekörnte Brühe dazu zugeben, um für die nötige Würze zu sorgen. Ohne diese beiden Zutaten hat vieles erstmal ziemlich fade geschmeckt. Der markante Geschmack bestimmter Gerichte hatte sich einfach zu fest eingebrannt. Daher musste ich mir ein ganz neues Repertoire an Rezepten aufbauen.

Statt Gerichte anzupassen, hab ich sie von Grund auf neu entwickelt. Da konnte auch niemand mehr sagen: „Lecker, aber mir schmeckt das Original besser“. Und mittlerweile mache ich meine gekörnte Brühe sogar selbst!

Sie leben zurzeit in Istanbul. Ist Fruktoseintoleranz auch dort zunehmend ein Thema? Die türkische Küche ist ja bekannt für frische Zutaten, d.h. weniger Fertigprodukte, was Restaurantbesuche erleichtern müsste…  

Das Problem Fructoseintoleranz ist in der Türkei kaum bekannt. Dafür ist Diabetes ein großes Problem. Auch sind viele Türken von einer Laktoseintoleranz betroffen. Aber Fructose oder Gluten sind quasi Fremdwörter.

Die türkische Küche ist tatsächlich berühmt für frische Zutaten und das genieße ich hier sehr! Es ist wirklich ein Fest, über die Wochenmärkte zu schlendern und den Korb mit knackig grünem Gemüse zu füllen.

Allerdings wird in alltäglichen Restaurants zu fast jedem Gerichte eine Zwiebel oder Weizen in Form von Mehl, z.B. in Suppen, oder in den Brotkrummen der „Köfte“ genannten Frikadellen, Bulgur oder Nudeln - für eine schönere Optik werden Orzo Nudeln unter den Reis gemischt - gereicht. Zucker ist ein beliebter Begleiter in Vorspeisen und eingelegtem Gemüse. Auch der Türkische Kaffee wird bei der Zubereitung direkt mit Zucker aufgekocht, wenn man nicht dazu sagt, dass man ihn gerne „sade“, also „pur“, sprich „ohne Zucker“ haben möchte.

Da muss man bei der Essensbestellung schon ein bisschen Geduld nd Hartnäckigkeit mitbringen. Da das Bewusstsein für Allergien und Unverträglichkeiten fehlt, sind Kellner und Köche oft überfordert, wenn man genau wissen möchte, welches Gericht Zwiebeln, Mehl oder Zucker enthält. Ein paar Worte Türkisch sind zur Verständigung natürlich auch von Nöten. ;)

Sie haben gerade ein Kochbuch mit wunderschönen Rezepten und tollen Bildern geschrieben. Erzählen Sie uns etwas darüber?  

Danke für das Kompliment! Tatsächlich ist vor kurzem mein erstes Kochbuch mit über 90 fructosearmen Rezepten erschienen. Das Ziel ist es, mit ausgefallen und bekannten Zutaten mehr Spaß, Genuss und Abwechslung in die fructosefreie Küche zu bringen. Da ich weder Ernährungsberaterin noch Ärztin bin, habe ich getan, was ich am besten kann und auch schon auf meinem Blog verfolge: Offen von meinen eigenen Erfahrungen berichten und zeigen, dass so eine Fructoseintoleranz durchaus positive Seiten haben kann! Ich wollte quasi das „Darm mit Charme mit Rezepten“ schreiben.

Welches Rezept hat Ihnen am meisten Kopfzerbrechen bereitet? Verraten Sie uns eines?

Ein wenig Kopfzerbrechen haben mir die Dinkel-Hamburgerbrötchen oder die Dinkel-Quiche aus meinem Buch bereitet. Dinkel hat ganz andere Backeigenschaften als herkömmlicher Weizen, und ich habe da so einige missglückte Backversuche hinter mir, aber ich hab auch wahnsinnig viel im Kochbuch-Prozess gelernt und vor allem Dinkel neu für mich entdeckt!

Am liebsten sind mir jedoch die schnellen Gerichte, wie mein warmer Quinoa-Salat mit gegrilltem Halloumi und Kräutern.

Frau Ficicioglu, herzlichen Dank für dieses Interview und das tolle Rezept!

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