Fruktoseunverträglichkeit

Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

Fruktoseunverträglichkeit: Fruktosequellen, Ursachen, Symptome, H2-Test & Tipps

Die Fruktoseunverträglichkeit verursacht überwiegend Bauchbeschwerden, sind das die einzigen Symptome?

Die häufigsten Symptome der Fruktoseunverträglichkeit finden sich in der Tat im Magen-Darm-Trakt. Viele Patienten klagen über Blähungen, Durchfall und Schmerzen. Es kann aber auch mal zu Verstopfung kommen.

Die Symptome der Fruktoseunverträglichkeit sind jedoch nicht immer nur auf der Ebene des Gastrointestinaltrakts zu finden. So konnte gezeigt werden, dass junge Frauen mit nachgewiesener Fruktosemalabsorption häufiger depressive Symptome aufwiesen, welche sich nach einer Umstellung auf eine vierwöchige fruktosereduzierte Diät besserten. Aus klinischer Erfahrung, d.h. aus der täglichen Praxis, kann ich sagen, dass sich die Patienten oft abgeschlagen fühlen.

Es kann aber auch nur passager, d.h. vorübergehend, zu einer Fruktoseunverträglichkeit kommen. So kann eine sekundäre Fruktosemalabsorption passager bei Dünndarmerkrankungen wie z.B. einer MagenDarm-Grippe oder Zöliakie auftreten.

Mit dem H2-Atmentest lässt sich die Fruktoseunverträglichkeit nachweisen, was misst man mit diesem Test?

Mit dem Wasserstoff H2-Atemtest kann festgestellt werden, ob der Patient Fruktose komplett absorbieren kann. Dahinter steckt der folgende Mechanismus: Bei Gesunden wird Fruktose über die GLUT5 und GLUT2 Transporter im Dünndarm aufgenommen. Funktioniert der GLUT5-Transporter nicht, oder sind nicht genügend GLUT5-Transporter vorhanden, wird weniger bis keine Fruktose im Dünndarm absorbiert. Die Fruktose gelangt so in den Dickdarm, wo sie von Bakterien fermentiert wird. Dadurch können die Gase Kohlendioxid, Methan, Schwefelwasserstoff und Wasserstoff (H2) entstehen. Der Wasserstoff wird zum größten Teil über die Lungen abgeatmet. Diese Wasserstoffausscheidung wird beim H2- Atemtest gemessen.

Im Zuge des H2-Atemtestes muss der Patient Fruktose zu sich nehmen, in welcher Menge?

Laut den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) sowie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zu Atemtests in der Gastroenterologie, soll der Fruktoseatemtest mit 50 g Fruktose und zur Steigerung der Spezifität mit 25 g Fruktose durchgeführt werden.

Wie geht man als Patient um mit der Diagnose Fruktoseunverträglichkeit um?

Zunächst sollten Patienten mit Fruktoseunverträglichkeit fruktosehaltige Lebensmittel für einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen meiden. Ausführliche Listen fruktosearmer Nahrungsmittel hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zusammengestellt.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass der GLUT5-Transporter durch das völlige Meiden von Fruktose weiter herunterreguliert wird, und somit die Aufnahmekapazität von Fruktose noch weiter sinkt. Deshalb sollte nach der strengen 4 bis 6-wöchigen Fruktosekarenz diese wieder langsam in die Nahrung aufgenommen werden, um sie nicht komplett zu eliminieren.

Ein weiterer Faktor, den Menschen mit Fruktoseunverträglichkeit beachten sollten, ist die Glukose, die, wie die Fruktose, zu den Monosacchariden gehört. Die Anwesenheit von Glukose führt zu einem schnellen Einbau von GLUT2 in die Dünndarmzellen, was die Kapazität zur Aufnahme von Glukose, Galaktose und Fruktose steigert. Dies erklärt, weshalb Patienten den Haushaltszucker Saccharose, den wichtigsten Rohr- und Rübenzucker, der ein Disaccharid aus Glukose und Fruktose ist, häufig gut vertragen. Zur besseren Verträglichkeit von Fruktose wird deshalb empfohlen, bei der Aufnahme von Zucker auf eine Glukose:Fruktose Ratio von 1:1 zu achten. Reine Glukose findet sich in Traubenzucker.

Frau Dr. Stengel, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) Unclear Abdominal Discomfort: Pivotal Role of Carbohydrate Malabsorption, Miriam Goebel-Stengel, Andreas Stengel, Marco Schmidtmann, Ivo van der Voort, Peter Kobelt and Hubert Mönnikes, JNM Journal of Neurogastroenterology and Motility, Vol. 20 No. 2 April, 2014 

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