Fruktoseunverträglichkeit

Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

Fruktoseunverträglichkeit: Fruktosequellen, Ursachen, Symptome, H2-Test & Tipps

Könnte es sein, dass dieser vermehrte Einsatz von Fruktose in den Fertigprodukten ein Grund dafür ist, dass die Fruktoseunverträglichkeit zunimmt?

Natürlich. Wenn die Aufnahmekapazität des Fruktosetransporters im Darm überschritten ist, dann kommt es zu Symptomen im Sinne einer Fruktoseunverträglichkeit. Da wir heute deutlich mehr Fruktose zu uns nehmen als früher, kommt es häufiger zu Symptomen. Das heißt aber nicht, dass heutzutage mehr Menschen Fruktose schlechter aufnehmen als früher. Sie nehmen lediglich zu viel zu sich, was Beschwerden verursacht.

Auch ist das Wissen zu diesem Thema heute größer als früher, so dass sich mehr Menschen einer Testung unterziehen.

In Bezug auf die Unverträglichkeit von Fruktose ist manchmal von Fruktoseintoleranz die Rede und dann wieder von Fruktosemalabsorption - was ist der Unterschied?

Der Begriff "Fruktoseintoleranz" bezieht sich auf den erblich-bedingten Fruktose-1-Phosphat-Aldolase-Defekt bei Kindern. Das bedeutet, die Unverträglichkeit von Fruktose ist angeboren und Symptome können lebensgefährlich sein. Dahingegen spricht man bei erwachsenen Patienten mit auffälligem H2-Atemtest und typischen Beschwerden von "symptomatischer Fruktosemalabsorption".

Wie häufig ist die angeborene Fruktoseintoleranz und wie oft kommt es zu Fruktosemalabsorption? In welchem Alter kommt es zu ersten Symptomen?

Die angeborene Fruktoseintoleranz findet man bei 1:20.000 Neugeborenen, Die Angaben schwanken jedoch zwischen 1:10.000 und 1:100.000. Säuglinge, die voll gestillt werden oder nur Flaschennahrung erhalten, haben keine Symptome, da Muttermilch und Säuglingsnahrung keinen Fruchtzucker enthalten (nur Milchzucker). Die Kinder weisen die ersten Symptome auf, sobald sie Beikost erhalten. Dann verweigern sie oft die Nahrung, es kommt zu Erbrechen und Gedeihstörungen sowie schweren Unterzuckerungen (Unruhe, Agitiertheit, Schweißausbrüche). Werden die Symptome verkannt und weiterhin Fruktose zugeführt, kann dies Leber- und Nierenschäden nach sich ziehen, die irreversibel sein und auch zum Tod führen können.

Aus der Literatur geht hervor, dass (je nach Studie) 44 bis 86 Prozent der Patienten mit abdominellen Beschwerden unter einer Fruktosemalabsorption litten. In unserer aktuellen Studie konnten wir sehen, dass in einem Kollektiv von 2.390 Patienten mit unklaren abdominellen Beschwerden 65 Prozent eine symptomatische Fruktosemalabsorption aufwiesen.1)

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