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Fruktoseunverträglichkeit

Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

Fruktoseunverträglichkeit: Fruktosequellen, Ursachen, Symptome, H2-Test & Tipps

Bauchbeschwerden können viele Ursachen haben und die Fruktoseunverträglichkeit ist eine davon. Allerdings steigt die Anzahl derer, die Fruktose nicht vertragen und dies zeigt sich auch nicht immer nur durch Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin über Ursachen und Symptome der Fruktoseunverträglichkeit, wo Fruktose sich versteckt und was beim H2-Test gemessen wird.

Frau Dr. Stengel, was verbirgt sich hinter dem Begriff Fruktose und wo findet man Fruktose?

Fruktose gehört zu den Monosacchariden, auch "Einfachzucker" genannt. Andere Monosaccharide sind Glukose und Galaktose. Man findet Fruktose in unterschiedlichen Mengen in erster Linie in Obst. Zu den Lebensmitteln, die viel Fruktose enthalten, gehören Äpfel, Birnen, Mango, Pfirsiche, Wassermelonen, Dosenfrüchte, getrocknete Früchte und Honig. Sehr viel Fruktose enthalten z.B. auch Weintrauben, so entsprechen 750 g Weintrauben etwa 50 g Fruktose.

 Fruktosereiche Obstsorten

Fruktose kommt jedoch nicht allein in Obst, sondern auch in vielen Gemüsesorten vor. Auch beim Gemüse ist der Fruktosegehalt, je nach Gemüsesorte, sehr unterschiedlich.

 Fruktosereiches Gemüse

Darüber hinaus findet sich Fruktose zunehmend auch in industriell gefertigten Lebensmitteln, z.B. auch in Diät- und Lightprodukten. Die tägliche Aufnahme von Fruktose als Süßungsmittel hat sich aufgrund dieser Entwicklung zwischen 1970 und 1990 um 1000 Prozent erhöht und kann 60 bis 100 g täglich erreichen! 


Könnte es sein, dass dieser vermehrte Einsatz von Fruktose in den Fertigprodukten ein Grund dafür ist, dass die Fruktoseunverträglichkeit zunimmt?

Natürlich. Wenn die Aufnahmekapazität des Fruktosetransporters im Darm überschritten ist, dann kommt es zu Symptomen im Sinne einer Fruktoseunverträglichkeit. Da wir heute deutlich mehr Fruktose zu uns nehmen als früher, kommt es häufiger zu Symptomen. Das heißt aber nicht, dass heutzutage mehr Menschen Fruktose schlechter aufnehmen als früher. Sie nehmen lediglich zu viel zu sich, was Beschwerden verursacht.

Auch ist das Wissen zu diesem Thema heute größer als früher, so dass sich mehr Menschen einer Testung unterziehen.

In Bezug auf die Unverträglichkeit von Fruktose ist manchmal von Fruktoseintoleranz die Rede und dann wieder von Fruktosemalabsorption - was ist der Unterschied?

Der Begriff "Fruktoseintoleranz" bezieht sich auf den erblich-bedingten Fruktose-1-Phosphat-Aldolase-Defekt bei Kindern. Das bedeutet, die Unverträglichkeit von Fruktose ist angeboren und Symptome können lebensgefährlich sein. Dahingegen spricht man bei erwachsenen Patienten mit auffälligem H2-Atemtest und typischen Beschwerden von "symptomatischer Fruktosemalabsorption".

Wie häufig ist die angeborene Fruktoseintoleranz und wie oft kommt es zu Fruktosemalabsorption? In welchem Alter kommt es zu ersten Symptomen?

Die angeborene Fruktoseintoleranz findet man bei 1:20.000 Neugeborenen, Die Angaben schwanken jedoch zwischen 1:10.000 und 1:100.000. Säuglinge, die voll gestillt werden oder nur Flaschennahrung erhalten, haben keine Symptome, da Muttermilch und Säuglingsnahrung keinen Fruchtzucker enthalten (nur Milchzucker). Die Kinder weisen die ersten Symptome auf, sobald sie Beikost erhalten. Dann verweigern sie oft die Nahrung, es kommt zu Erbrechen und Gedeihstörungen sowie schweren Unterzuckerungen (Unruhe, Agitiertheit, Schweißausbrüche). Werden die Symptome verkannt und weiterhin Fruktose zugeführt, kann dies Leber- und Nierenschäden nach sich ziehen, die irreversibel sein und auch zum Tod führen können.

Aus der Literatur geht hervor, dass (je nach Studie) 44 bis 86 Prozent der Patienten mit abdominellen Beschwerden unter einer Fruktosemalabsorption litten. In unserer aktuellen Studie konnten wir sehen, dass in einem Kollektiv von 2.390 Patienten mit unklaren abdominellen Beschwerden 65 Prozent eine symptomatische Fruktosemalabsorption aufwiesen.1)


Die Fruktoseunverträglichkeit verursacht überwiegend Bauchbeschwerden, sind das die einzigen Symptome?

Die häufigsten Symptome der Fruktoseunverträglichkeit finden sich in der Tat im Magen-Darm-Trakt. Viele Patienten klagen über Blähungen, Durchfall und Schmerzen. Es kann aber auch mal zu Verstopfung kommen.

Die Symptome der Fruktoseunverträglichkeit sind jedoch nicht immer nur auf der Ebene des Gastrointestinaltrakts zu finden. So konnte gezeigt werden, dass junge Frauen mit nachgewiesener Fruktosemalabsorption häufiger depressive Symptome aufwiesen, welche sich nach einer Umstellung auf eine vierwöchige fruktosereduzierte Diät besserten. Aus klinischer Erfahrung, d.h. aus der täglichen Praxis, kann ich sagen, dass sich die Patienten oft abgeschlagen fühlen.

Es kann aber auch nur passager, d.h. vorübergehend, zu einer Fruktoseunverträglichkeit kommen. So kann eine sekundäre Fruktosemalabsorption passager bei Dünndarmerkrankungen wie z.B. einer MagenDarm-Grippe oder Zöliakie auftreten.

Mit dem H2-Atmentest lässt sich die Fruktoseunverträglichkeit nachweisen, was misst man mit diesem Test?

Mit dem Wasserstoff H2-Atemtest kann festgestellt werden, ob der Patient Fruktose komplett absorbieren kann. Dahinter steckt der folgende Mechanismus: Bei Gesunden wird Fruktose über die GLUT5 und GLUT2 Transporter im Dünndarm aufgenommen. Funktioniert der GLUT5-Transporter nicht, oder sind nicht genügend GLUT5-Transporter vorhanden, wird weniger bis keine Fruktose im Dünndarm absorbiert. Die Fruktose gelangt so in den Dickdarm, wo sie von Bakterien fermentiert wird. Dadurch können die Gase Kohlendioxid, Methan, Schwefelwasserstoff und Wasserstoff (H2) entstehen. Der Wasserstoff wird zum größten Teil über die Lungen abgeatmet. Diese Wasserstoffausscheidung wird beim H2- Atemtest gemessen.

Im Zuge des H2-Atemtestes muss der Patient Fruktose zu sich nehmen, in welcher Menge?

Laut den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) sowie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zu Atemtests in der Gastroenterologie, soll der Fruktoseatemtest mit 50 g Fruktose und zur Steigerung der Spezifität mit 25 g Fruktose durchgeführt werden.

Wie geht man als Patient um mit der Diagnose Fruktoseunverträglichkeit um?

Zunächst sollten Patienten mit Fruktoseunverträglichkeit fruktosehaltige Lebensmittel für einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen meiden. Ausführliche Listen fruktosearmer Nahrungsmittel hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zusammengestellt.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass der GLUT5-Transporter durch das völlige Meiden von Fruktose weiter herunterreguliert wird, und somit die Aufnahmekapazität von Fruktose noch weiter sinkt. Deshalb sollte nach der strengen 4 bis 6-wöchigen Fruktosekarenz diese wieder langsam in die Nahrung aufgenommen werden, um sie nicht komplett zu eliminieren.

Ein weiterer Faktor, den Menschen mit Fruktoseunverträglichkeit beachten sollten, ist die Glukose, die, wie die Fruktose, zu den Monosacchariden gehört. Die Anwesenheit von Glukose führt zu einem schnellen Einbau von GLUT2 in die Dünndarmzellen, was die Kapazität zur Aufnahme von Glukose, Galaktose und Fruktose steigert. Dies erklärt, weshalb Patienten den Haushaltszucker Saccharose, den wichtigsten Rohr- und Rübenzucker, der ein Disaccharid aus Glukose und Fruktose ist, häufig gut vertragen. Zur besseren Verträglichkeit von Fruktose wird deshalb empfohlen, bei der Aufnahme von Zucker auf eine Glukose:Fruktose Ratio von 1:1 zu achten. Reine Glukose findet sich in Traubenzucker.

Frau Dr. Stengel, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) Unclear Abdominal Discomfort: Pivotal Role of Carbohydrate Malabsorption, Miriam Goebel-Stengel, Andreas Stengel, Marco Schmidtmann, Ivo van der Voort, Peter Kobelt and Hubert Mönnikes, JNM Journal of Neurogastroenterology and Motility, Vol. 20 No. 2 April, 2014 

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