Fruktosemalabsorption

Dipl. Oecotrophologin Eva Wisniowski, Studio für Ernährungsberatung und Therapie in Remscheid

Fruktosemalabsorption: Was passiert im Körper? Symptome richtig deuten!

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es bei Fruktosemalabsorption?

Zur Diagnose der Fruktosemalabsorption gibt es den H2-Atemtest. Damit misst man den Wasserstoffanteil der Atemluft, d.h. den Anteil eines der Gase, die im Dickdarm entstehen. Für den Test wird zunächst der Basalwert, d.h. der Grundwert, ermittelt, bei dem der Wasserstoffanteil des Atems unter 20 ppm (parts per million) liegen sollte. Dann werden 25 g Fruchtzucker in einem Glas Wasser aufgelöst - das entspricht einer Trinkmenge von 200 bis 250 ml – und der Patient trinkt diese Mischung. Im Anschluss wird über zwei Stunden hinweg, ca. alle 20 Minuten, der Wasserstoffanteil im Atem gemessen. Dafür pustet der Patient in ein entsprechendes Testgerät und wenn der H2-Wert über 20 ppm beträgt, ist das der Nachweis für eine Fruktosemalabsorption. Unabhängig vom Testergebnis merkt man allerdings auch unmittelbar durch die Symptome, wie z.B. Bauchgeräusche bzw. später dann an Blähungen, Durchfällen, etc.., dass die Fruktose nicht vertragen wurde.

Der H2-Atemtest führt jedoch nicht bei allen Patienten zu einer klaren Diagnose. Bei ca. 10 bis 20 Prozent der Patienten kommt es beim H2-Atemtest trotz bestehender Fruktosemalabsorption zu keinerlei messbaren Ergebnissen. Das hat folgende Ursache: Es gibt Menschen, die Wasserstoff nicht produzieren können, weil ihnen aufgrund einer Fehlbesiedelung des Darmes die entsprechenden Bakterien in der Darmflora fehlen. Dementsprechend findet man im Atem keinerlei Wasserstoff, es kommt aber dennoch zu den für eine Fruktosemalabsorption typischen Symptomen, die von den anderen erwähnten Gasen verursacht werden. 

Wie sieht die Therapie aus bei der Fruktosemalabsorption?

Die Therapie besteht in einer fruktosearmen Diät, denn dann kann man mit einer Fruktosemalabsorption wunderbar leben. Sobald man eine fruktosearme Kost eingeführt hat, verbessern sich die Symptome schlagartig.

Die Ernährungsumstellung erfolgt in drei Stufen. Man beginnt mit einer streng fruktosearmen Basiskost. Je nachdem, wie schnell der Patient symptomfrei ist, kann diese erste Phase zwischen einer und vier Wochen dauern. In dieser Zeit wird so gut wie kein Obst und nur fructosearme und wenig blähende Gemüsesorten gegessen.

Zu den Ausnahmen muss man folgendes wissen: Obst und Gemüse besteht immer aus Fruktose und Glukose. Die Glukose verbessert die Aufnahme der Fruktose. Je mehr Glukose in einer Obst- oder Gemüsesorte enthalten ist und je weniger Fruktose, desto besser ist die Verträglichkeit für Menschen mit Fruktosemalabsorption. Man sucht deshalb für die erste Stufe der Ernährungsumstellung Obst und Gemüse aus, dessen Anteil an Glukose höher ist als der Fruktoseanteil. Beim Obst sind z.B. Bananen, Honigmelone und Rhabarber sehr gut verträglich, während die Birne sehr schlecht verträglich ist, denn diese enthält sehr viel Fruktose und nur wenig Glukose.

Es gibt aber einen Trick: Man kann mit Hilfe der Glukose die Fruktoseresorption positiv beeinflussen. Ich greife wieder auf das "Zugmodell" zurück: Zur Verstoffwechslung der Glukose gibt es einen Glut2-Transporter – das ist die Lokomotive – der dafür verantwortlich ist, ein Glukosemolekül durch die Darmwand ins Blut zu transportieren. In diesem Fall ist es aber möglich, beim Transport auch einen weiteren "Waggon" anzuhängen, d.h. ein Fruktosemolekül kann mit durch die Darmwand transportiert werden. Deshalb kann man die Fruktoseresorption durch die Zugabe von Glukose, d.h., Traubenzucker oder auch Dextrose – das sind Synonyme - verbessern.

Wie geht es weiter bei der Ernährungsumstellung bei Fruktosemalabsorption?

In der zweiten Phase vermeidet man immer noch schwer verdauliche Nahrungsmittel, wie z.B. grobes Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Zwiebeln etc. und dann erfolgt über mehrere Wochen ein Kostaufbau.

In dieser Phase werden fruktosehaltige Speisen getestet, denn jeder Patient hat eine individuelle Toleranzgrenze. Es gibt Patienten, die deutlich mehr Fruktose vertragen als andere, deshalb muss man die persönliche Toleranzgrenze individuell ermitteln.

Man beginnt mit ein bis zwei kleineren Fruktoseportionen, d.h. Gemüse und Obst über den Tag verteilt und man kann auch Süßigkeiten mit einbauen. Dabei ist es günstig, die zu testenden Nahrungsmittel als Dessert zu sich zu nehmen. Wenn man z.B. gerne Äpfel isst – und Äpfel gehören bei Fruktosemalabsorption nicht zu den verträglichen Obstsorten - ist es oft besser, einen halben Apfel nach dem Mittagessen zu essen. Oft ist der Apfel dann wesentlich besser verträglich, als wenn man ihn als Zwischenmahlzeit zu sich nehmen würde.

Je mehr Nahrungsmittel gleichzeitig verzehrt werden, desto langsamer erfolgt der Transport in den Darm und umso besser können die noch vorhandenen Transporter die Verstoffwechslung bewältigen, weil der Darm dann nicht "überflutet" wird.

In der dritten Phase der Ernährungsumstellung hat man dann eine fruktosearme Dauerernährung, unter Berücksichtigung der persönlichen Toleranzgrenze, gefunden. Was meist für immer tabu bleibt sind die sehr fruktosehaltigen Nahrungsmittel, wie z.B. Trockenfrüchte, Fruchtsäfte, Birnen, Äpfel, Weintrauben und ganz besonders zuckerfreie Süßigkeiten wie Kaugummis und Bonbons mit Isomalt, Xylit, Sorbit.

Sie hatten erwähnt, dass eine Fruktosemalabsorption in manchen Fällen erst spät erkannt wird. Was würde passieren, wenn eine Fruktosemalabsorption unbehandelt bliebe?

Wenn eine Fruktosemalabsorption nicht behandelt wird, verbrauchen sich die Transporter, d.h. das Glut5 immer mehr und irgendwann ist der Körper dann überhaupt nicht mehr in der Lage, Fruktose zu verstoffwechseln. Zwar kommt es nicht zu Entzündungen oder Geschwüren, aber der Darm ist dann natürlich stark überlastet, wird sehr empfindlich und irgendwann hat man dann einen Reizdarm. Die Diagnose "Reizdarm" wird häufig als Erstdiagnose gestellt, aber oft gibt es dafür eine organische Ursache, z.B. eine Fruktosemalabsorption, eine Histaminunverträglichkeit oder eine Laktoseintoleranz.

Ein anderer Aspekt bei der "Nichtbehandlung" einer Fruktosemalabsorption ist die Mangelernährung, denn alle Nährstoffe aus der Nahrung werden durch die ständigen Durchfälle aus dem Körper ausgeschieden. Bei der Fruktosemalabsorption kommt es deshalb häufig zu Zinkmangel, Folsäuremangel und Vitamin B-Mangel, wie bei allen Erkrankungen, die über einen längeren Zeitraum mit Durchfällen einhergehen.

Wie gesagt kann es letztendlich sogar zu Depressionen kommen, wenn man bei Fruktosemalabsorption weiterhin Fruktose zu sich nimmt.

Frau Wisniowski, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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