Fruktosemalabsorption

Dipl. Oecotrophologin Eva Wisniowski, Studio für Ernährungsberatung und Therapie in Remscheid

Fruktosemalabsorption: Was passiert im Körper? Symptome richtig deuten!

Wie kann sich eine Fruktosemalabsorption äußern? Welche Symptome sind häufig und welche eher selten?

Die Symptome einer Fruktosemalabsorption können Bauchgeräusche, Blähungen, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, ein Druckgefühl im Bauch, ein Völlegefühl, Übelkeit oder Durchfälle sein – oft berichten die Patienten über eine Kombination aus mehreren Symptomen. Es gibt aber auch Patienten, die ausschließlich Durchfälle haben und keine weiteren Symptome. Andere leiden nur unter Bauchschmerzen und Blähungen und haben selten Durchfall.

Wichtig ist, dass die Symptome bei der Fruktosemalabsorption sehr verzögert auftreten. Oft bekommen die Betroffenen unmittelbar nach einer Mahlzeit Bauchschmerzen und glauben dann, dass sie das, was sie gerade gegessen haben, nicht vertragen. Bei den Intoleranzen - und dazu gehört die Fruktosemalabsorption - muss die Fruktose jedoch erst im Dickdarm angekommen sein, um Beschwerden verursachen zu können. Zwischen der Nahrungsaufnahme und der Symptomatik liegen deshalb immer mehrere Stunden. Das heißt: Die Bauchschmerzen, oder die anderen Symptome, die unmittelbar nach einer Mahlzeit auftreten, haben einen anderen Grund!

Tatsächlich spielt sich Folgendes ab: Die erwähnten Gase, die durch die unverdaute Fruktose im Dickdarm entstehen, gehen nicht nur in Form von Blähungen ab, sondern steigen auch nach oben in den Magen. Solange der Magen leer ist, haben die Gase Platz und man bemerkt sie nur leicht oder gar nicht. Sobald man etwas isst, entsteht ein Druck und es kommt zu Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, oder zu explosionsartigen Durchfällen. Schuld daran ist aber die Mahlzeit von gestern oder das Frühstück am Morgen und nicht das, was man gerade eben erst gegessen hat. Darüber, welche Mahlzeit konkret für die Beschwerden verantwortlich ist, lässt sich keine generalisierte Aussage machen. Ausschlaggebend hierfür ist die individuelle Verdauungsgeschwindigkeit, denn es gibt Menschen, die ein träges Verdauungssystem haben und andere mit einer schnellen Frequenz.

Jetzt zu den seltenen Symptomen: Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme wie Schwindel und Hitzewallungen. Es gibt auch einige wenige Patienten mit Fruktosemalabsorption, die abwechselnd an Durchfällen und Verstopfungen leiden, ein unerklärliches Phänomen.

Eine relativ neue Erkenntnis ist, dass die Fruktosemalabsorption depressive Verstimmungen begünstigen kann. Die Resorption der Aminosäure Tryptophan, das ist einer der Bausteine von Serotonin, dem Glückshormon, erfolgt normalerweise auch mit Hilfe des Glut5-Transporters. Bei einer Fruktosemalabsorption liegt ein Mangel an Glut5 vor und somit auch ein Tryptophanmangel. Der Mangel an Tryptophan führt zu einem Serotoninmangel und der Serotoninmangel verursacht auf Dauer Depressionen und außerdem - ausgerechnet - noch einen Heißhunger auf Süßes. Dies wiederum verstärkt die Symptome der Fruktosemalabsorption und ein fataler Kreislauf beginnt!

Ich habe in meiner Praxis den Fall erlebt, dass beim Patienten die Angst vor spontanen Durchfällen dazu führte, dass das Haus nicht mehr verlassen wurde und letztlich führte dies zu Depressionen. Aufgrund der Depressionen kam es zu einer Jahre dauernden psychiatrischen Behandlung. Die auslösende Grunderkrankung war eine Fruktosemalabsorption und unter einer fruktosearmen Diät verschwanden die Depressionen umgehend.

Von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind tendenziell eher Frauen betroffen. Weiß man, warum das so ist?

In meine Praxis kommen definitiv mehr Frauen mit einer Fruktosemalabsorption als Männer. Männer gehen aber generell seltener zum Arzt und "ertragen" solche Beschwerden eher. Es könnte daher sein, dass es hier zu einer etwas verzerrten Statistik kommt. Es gibt aber auch Theorien, die besagen, dass Frauen im Darm kleinere Kapazitäten für Fruktose haben als Männer und dass es deshalb bei Frauen häufiger zu einer Fruktosemalabsorption kommt.

Gibt es weitere Faktoren, die das Entstehen einer Fruktosemalabsorption begünstigen?

Es gibt bestimmte entzündliche Darmerkrankungen, wie z.B. die Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn, bei denen die Verträglichkeit von Fruktose und Laktose häufig stark eingeschränkt ist. Sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt wurde, verlieren sich diese Unverträglichkeiten wieder.

Begünstigend auf die Entstehung einer Fruktosemalabsorption wirkt aber auch, wie bereits erwähnt, der übermäßige Konsum von Fruktose und Sorbit und beides wird in der Lebensmittelindustrie zunehmend eingesetzt. Fruktose und Sorbit verstecken sich in z.T. großen Mengen in der Nahrung. Vielen Menschen ist nicht klar, wie viel sie davon täglich essen. Wer aber gerne und häufig Süßes isst, ist auch in Gefahr, mehr Sorbit und Fruktose zu konsumieren, als dies verträglich ist.

In meiner Praxis habe ich festgestellt, dass Menschen mit Adipositas, also starkem Übergewicht, häufig an einer Fruktosemalabsorption leiden. Oft stellt sich dann heraus, dass diese Menschen sehr viele Süßigkeiten und vor allem auch sehr viele süße Getränke zu sich nehmen. Natürlich besteht auch für schlanke Menschen die Gefahr, an Fruktosemalabsorption zu erkranken, wenn sie sehr viele Süße Produkte konsumieren.

Übrigens: Wer unter einer Fruktosemalabsorption leidet, leidet auch fast immer, unter einer Sorbitunverträglichkeit. Eine Sorbitunverträglichkeit kann jedoch auch separat vorkommen, ohne dass eine Fruktosemalabsorption besteht.

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