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Fruktosemalabsorption Fruktoseüberhang Ernährung

Anne Kamp zum Thema: Fruktosemalabsorption oder Fruktoseüberhang durch falsche Ernährung?

Fruktosemalabsorption oder Fruktoseüberhang durch falsche Ernährung?

Die Anzahl der Menschen, die Fruktose bzw. Fruchtzucker nicht vertragen, scheint permanent anzusteigen. Allerdings leidet wohl nicht jeder, der auf Fruktose mit Beschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen reagiert, auch unter einer Fruktosemalabsorption. In vielen Fällen könnte es sich schlicht um einen Fruktoseüberhang handeln. MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. oec. troph. Anne Kamp, Praxis für Ernährungstherapie in Neuenkirchen über die Rolle einer falschen Ernährung.

Frau Kamp, kann eine falsche Ernährung eine Fruktosemalabsorption auslösen?

Viele Menschen nehmen viel zu viel Fruktose zu sich! Das liegt zum einen an, im Vergleich zu früher, anderen Ernährungsgewohnheiten und zum anderen daran, dass die Lebensmitteindustrie im Vergleich zu früher deutlich mehr Fruktose einsetzt.

Wie genau haben sich denn die Ernährungsgewohnheiten in Bezug auf den Konsum von Fruktose verändert?

Bei vielen Menschen enthält der Speiseplan zu viel Obst, zu viel Saft, zu viel Zucker und zu viele Süßigkeiten. Süße Speisen gab es früher nur gelegentlich. Heute isst man Süßigkeiten jeden Tag in jedwelcher Form und oft sogar mehrfach täglich.

Eine weitere Ursache für eine Fruktosemalabsorption ist jedoch ein relativ häufig auftretender diagnostischer Fehler.

Wie kann es durch einen diagnostischen Fehler zu einer Fruktosemalabsorption kommen?

Ein diagnostischer Fehler kann dann zu einer Fruktosemalabsorption führen, wenn der H2-Atemtest zur Diagnose einer Fruktosemalabsorption mit 50 Gramm Fruktose durchgeführt wurde. Das ist eine zu große Menge, denn eigentlich sind für diesen Test nur 25 Gramm Fruktose vorgesehen. Ist die Fruktosemenge beim H2-Atemtest zu hoch, kann es zu falsch positiven Ergebnissen kommen, denn es ist „normal“ dass viele Menschen 50 g Fruktose auf einmal nicht vertragen.

Wenn die Patienten dann mit dem Hinweis, dass sie unter einer Fruktosemalabsorption leiden, nach Hause geschickt werden und sich fälschlicherweise über einen längeren Zeitraum sehr fruktosearm ernähren, vertragen sie nach einigen Wochen bzw. Monaten Fruktose tatsächlich noch schlechter als zuvor. Konkret heißt das: Wenn man sich über einen längeren Zeitraum streng fruktosearm ernährt, bekommt man eine Fruktosemalabsorption.

Wie kommt es dazu, dass H2-Atemtests zur Diagnose einer Fruktosemalabsorption mit zu hohen Fruktosemengen durchgeführt werden?

Bei den ersten Studien in den 90er Jahren zur Diagnose einer Fruktosemalabsorption wurden 50 Gramm Fruktose verwendet, weil man es einfach nicht besser wusste. Dementsprechend haben auch die Hersteller der Atemtestgeräte mit 50 Gramm Fruktose getestet, als die Geräte auf den Markt kamen. Heute weiß man es eigentlich besser, und unter den Patienten, die auf 50 g Fruktose reagieren, gäbe es sicher auch einige, die bereits auf 25 Gramm Fruktose reagiert hätten. Es handelt sich also sicher nicht generell um falsch positive Ergebnisse, aber einige sind sicher dabei. Es leuchtet ein, dass es zu deutlich mehr positiven Ergebnissen kommt, wenn man beim H2-Atemtest die doppelte Menge einsetzt. Der Anteil derjenigen, die tatsächlich eine Resorptionsstörung haben, weil nicht ausreichend Transportprotein GLUT-5, das die Fruktose resorbiert, in der Dünndarmschleimhaut gebildet wird, ist jedoch deutlich geringer.

Inwiefern trägt das falsche Essverhalten nach einem „falsch positiven“ Ergebnis beim H2-Atemtest dazu bei, dass eine Fruktosemalabsorption entsteht?

Eine sehr eingeschränkte Fruktosezufuhr über einen längeren Zeitraum führt dazu, dass nur noch wenige Transportproteine, die die Fruktose resorbieren könnten in der Dünndarmschleimhaut vorhanden sind. Das bedeutet: Es muss erst mal wieder mehr Fruktose gegessen werden, damit die Transporter wieder gebildet werden können.


Nicht jede Diagnose „Fruktosemalabsorption“ ist also verlässlich…

Prinzipiell stellt sich immer die Frage, ob es sich um eine Malabsorption oder einfach nur um einen gewissen Überhang handelt. Manche Menschen vertagen hohe Fruktosemengen, andere nicht, das liegt in der Natur der Dinge. Aber: Die Fruktoseresorption ist bei jedem Menschen begrenzt. Wenn dann relativ große Mengen an Zucker und Obst konsumiert werden, oder wenn, zum Beispiel Kinder, sehr viel Fruchtsäfte oder Fruchtsaftschorlen trinken, dann kann die Fruktosezufuhr zu hoch für die individuelle Kapazität sein. Reduziert man dann die Fruktosezufuhr, werden auch die Bauchschmerzen und andere Symptome nachlassen. Die Frage ist: Handelt es sich dabei nun um eine Resorptionsstörung oder ist das einfach ein falsches Essverhalten?

Aber: Es gibt noch einen Grund, warum Kinder fruktosebedingte Bauchschmerzen bekommen können, Gerade in der Wachstumsphase essen Kinder manchmal unglaublich große Portionen. Enthalten diese dann zufällig auch Fruktose, ist dies dann manchmal einfach schwer zu resorbieren. Der noch wachsende Körper eines Kindes verfügt noch nicht über ausreichende Mengen an Transportproteinen.

Sie erwähnten auch die Rolle der Lebensmittelindustrie bei der Entstehung einer Fruktosemalabsorption…

Die Lebensmittelindustrie hat einen Anteil an der Zunahme der Fruktosemalabsorption, weil sie in ihren Produkten deutlich mehr Fruktose einsetzt als früher. Früher wurden die Lebensmittel überwiegend mit Haushaltszucker gesüßt, aber heute verwendet man hohe Mengen an Maissirup. Der Grund: Wenn die Industrie Fruktose in Form von Maissirup einsetzt, dann hat dies zwei Vorteile:

  1. Maissirup ist im Vergleich zu Haushaltszucker preiswerter und
  2. Maissirup hat im Vergleich zu Haushaltszucker eine höhere Süßkraft.

Das bedeutet, die Industrie benötigt von dieser Zutat deutlich geringere Mengen und die Marge wächst. In den USA ist das ein noch viel größeres Thema als hierzulande, vor allem aufgrund der dort sehr beliebten Softdrinks. Aber: Die Entwicklung geht hier in die gleiche Richtung.

Sie haben ja auch die falsche Ernährung als Ursache für eine Fruktosemalabsorption angesprochen, wie würde so eine Fruktose-lastige Ernährung aussehen?

Ein Fruktose-lastiger Speiseplan beginnt schon mit dem falschen Frühstück. Typisch wäre zum Beispiel ein Brötchen mit Schokoladenaufstrich oder Marmelade und dazu noch ein Glas Saft.
Dazu sollte man wissen, dass Saft von der Natur so nicht vorgesehen ist. In einem Glas Saft sind ungefähr zwei bis drei Stücke Obst enthalten und wenn der Saft dann auch noch relativ zügig getrunken wird, dann ist das physiologisch manchmal nicht mehr tragbar. Es käme ja auch niemand auf die Idee, zum Frühstück zusätzlich noch drei Orangen oder Äpfel zu essen. Menschen, die sich Fruktose-lastig ernähren, essen aber meist auch zwischendurch sehr viel Obst und Süßigkeiten.

Fruktose-lastig kann die Ernährung aber auch dann sein, wenn man sich relativ fettarm und vielleicht sogar proteinarm ernährt. Fette und Proteine haben im Hinblick auf die Verdauung von Fruktose eine große Bedeutung, weil sie die Transitzeit des Speisebreis durch den Verdauungstrakt verlangsamen. Bei einer protein- und fettarmen Ernährungsweise kann es dazu kommen, dass der Speisebrei den Dünndarm so schnell passiert, dass die Transporter im Dünndarm ihre Funktion nicht wahrnehmen können. Die Transporter können dann zwar ein Teil der Fruktose abbauen, aber nicht alles.

Fruktosehaltige Speisen wie Smoothies, Obst und Trockenfrüchte werden aber oft nicht zusammen mit eiweiß- oder fetthaltigen Lebensmitteln gegessen. Würde man das tun, könnte man bei gleichen Fruktosemengen Bauchschmerzen vermeiden. Viele könnten größere Fruktosemengen vertragen, wenn sie, zum Beispiel, den halben Apfel in einem Vollmilchjoghurt essen würden, anstatt den ganzen Apfel als Zwischenmahlzeit zu verzehren.

Aber auch ein Speiseplan, der zu viel Brot bzw. generell zu viele Backwaren enthält, kann eine Fruktosemalabsorption fördern. Zu viele Kohlenhydrate beschleunigen die Transitzeit, insbesondere dann, wenn gleichzeitig zu wenig Fett und Eiweiß verzehrt wird.


Menschen mit Fruktosemalabsorption vertragen also oft mehr Fruktose, als sie denken?

Lässt man die „Fruktosebomben“, wie Säfte, Softdrinks und Süßigkeiten weg und reduziert den Obstverzehr auf ein normales Maß, wäre diese Mengen für die meisten Menschen mit Fruktosemalabsorption sicher auch verträglich.

Gilt für Sorbit das gleiche wie für Fruktose?

Zu Sorbit ist relativ wenig bekannt, aber die Resorption von Sorbit ist grundsätzlich deutlich schlechter als die von Fruktose. Man geht auch davon aus, dass die Anwesenheit von Sorbit die Fruktoseresorption verschlechtert. Sorbit gehört zu den Zuckeraustauschstoffen, die ohnehin eine osmotische Wirkung haben, das heißt relativ schnell abführend wirken. Sobald mehr als 10 Prozent Sorbit in einem Produkt enthalten sind - Pfefferminzbonbons beispielsweise, bestehen zu circa 96 Prozent aus Sorbit - muss auf der Verpackung vermerkt werden, dass der übermäßige Verzehr abführend wirken kann.

Bei einer Fruktosemalabsorption auf Sorbit auszuweichen ist also keine gute Idee?

Nein, denn die meisten Menschen vertragen normale zuckerhaltige Bonbons besser als ein zuckerfreies, sorbithaltiges Bonbon.

Was muss man tun, um Fruktosemalabsorption zu vermeiden?

Um eine Fruktosemalabsorption zu vermeiden, sollte man moderate, vernünftige Mengen an Fruktose aufnehmen. Außerdem sollte Obst immer in Kombination mit fett- und eiweißhaltigen Lebensmitteln verzehrt werden. Das bedeutet, dass man das Obst nach einer Hauptmahlzeit als Nachtisch oder zusammen mit Joghurt, Quark oder Nüssen, und nicht zu großen Mengen auf einmal essen sollte. Also lieber, zum Beispiel, zuerst das Käsebrot essen und dann den Apfel hinterher.

Wie lässt sich eine Fruktosemalabsorption verhindern?

Darmgesund essen heißt, ganz viel Gemüse und auch Sauermilchprodukte, wie Joghurt, Quark oder Kefir in den Speiseplan einzubauen. Darmgesund essen heißt aber auch, mehr Fett und Eiweiß zu essen, als das bei vielen Menschen der Fall ist. Wenn man dann noch weniger Kohlenhydrate zu sich nimmt, als dies bei Vielen üblich ist, kann der Darm Fruktose gut verarbeiten.

Frau Kamp, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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