Fruktose Fruchtzucker Natürliche Süße

Susanne Büscher zum Thema: Fruktose - Fruchtzucker: Natürliche Süße oder süßes Gift? © Elfriede Liebenow Fotografie

Fruktose - Fruchtzucker: Natürliche Süße oder süßes Gift?

Dann gibt es noch die sogenannten Zuckeralkohole, was ist das genau?

Zuckeralkohole, auch Zuckeraustauschstoffe genannt, werden durch chemische Verfahren aus natürlichen Rohstoffen gewonnen.

Zu ihnen gehören

  • Sorbit, Sorbitol (E 420)
  • Mannit, Mannitol (E 421)
  • Xylit (E 967)
  • Isomalt E 953)
  • Laktit (E 966)
  • Maltit (E 965)
  • Polyglycitolsirup (E 964)
  • Erythrit (E 968).

Sie schmecken süß, haben etwas weniger Kalorien als Haushaltszucker und werden weitgehend insulinunabhängig verstoffwechselt. Dennoch sind sie mit Vorsicht zu genießen: In größeren Mengen wirken sie abführend. Ein sinnvoller Schutzmechanismus des Körpers! Außerdem bremsen sie leider den Abbau von Fruchtzucker aus.

Wie sieht es aus bei Sirupen und Dicksäften, enthalten diese ebenfalls Fruktose?

Sirupe sind stark auf dem Vormarsch: Apfeldicksaft, Agavendicksaft, Ahornsirup, und Maissirup enthalten, wie übrigens Honig auch, viel freien Fruchtzucker. Etwas weniger davon enthalten ist in Maltosesirup und Zuckerrübensirup. Eine Ausnahme bildet Reissirup, der auch bei einer Fructosemalabsorption vertragen wird. Das Problem all dieser Sirupe liegt darin, dass ihr Zuckergemisch nicht deklariert werden muss. Der Verbraucher weiß also nicht, welche spezielle Mischung er eingekauft hat.

In welchen Fertigprodukten kann Fruktose enthalten sein und warum wird sie überhaupt eingesetzt?

Der ubiquitäre Einsatz von Fruchtzucker führt zu Auslobungen der Industrie wie „ohne zugesetzten Zucker“ oder „nur natürliche Süße aus Früchten“, und das klingt für den Verbraucher erst einmal positiv. Lukrativer noch als die Verwendung reiner Fructose ist der Einsatz von Glucose-Fructose-Sirupen.

Auf dem Vormarsch ist „HFCS“, High Fructose Corn Sirup, aus Mais ganzjährig sehr kostengünstig herstellbar, auch „Isoglukose“ genannt. Isoglukose enthält meistens 55 Prozent Fruktose und 45 Prozent Glukose. Da sie anders als in den USA hier in Europa noch relativ unbekannt ist, macht sie sich auch im Zutatenverzeichnis verarbeiteter Produkte unverdächtig. Ein weiterer Vorteil für die Industrie: Durch die Verwendung dieses Sirups taucht der Begriff  „Zucker“ nicht mehr so weit vorn im Zutatenverzeichnis auf. Wer weiß schon, hinter welchen meist unverständlich klingenden Bezeichnungen sich eine Zuckerart verbirgt? Die bekannte Regel, dass die Zutaten in der Reihenfolge ihres mengenmäßigen Anteils genannt werden, wird so ad absurdum geführt, weil der Verbraucher diese Bezeichnungen nicht mehr versteht. Wichtiger als der Blick auf das Zutatenverzeichnis wird also der Blick auf die Nährwertangaben, die  sog. „Big seven“: (Energie, Kohlenhydrate, davon Zucker, Fett, davon gesättigte Fettsäuren, Eiweiß und Salz).  Nur diese Nährwerttabelle enthält die Summe aller verwendeten Zuckerarten, unabhängig von meist unverständlich klingenden Bezeichnungen.

Wieviel Fruktose pro Tag ist verträglich? Und: In welcher Form sollte man sie zu sich nehmen, als Obst oder in Fertigprodukten, bzw. ist die Fruktose in Obst „besser“ als die in den Fertigprodukten?

Wieviel Fruktose verträglich ist, ist individuell verschieden. Referenzwerte existieren nicht, denn mit einer Zufuhr in Höhe der Referenzwerte werden lebenswichtige physische und psychische Funktionen sichergestellt. Bei Fruchtzucker handelt sich ja nicht um einen solchen lebenswichtigen Nährstoff. Wenn wir uns an den Empfehlungen einer ausgewogenen Ernährung etwa der aid-Ernährungspyramide orientieren, dann sollten es deshalb täglich nicht mehr als zwei Portionen Obst und evtl. eine kleine Süßigkeit (wie ein Riegel Schokolade) sein. Also keinerlei Süßgetränke oder gesüßte Nahrungsmittel wie z.B. ein Fruchtjoghurt.

Mindestens genau so wichtig ist aber auch die Verteilung der Nährstoffe auf die einzelnen Mahlzeiten. Stürze ich den Fruchtzucker aus zwei Portionen Obst in Form eines Smoothies auf nüchternen Magen in den Dünndarm hinunter, wird dieser mit der Aufnahme überfordert sein. Esse ich aber jeweils eine Portion Obst nach einer Mahlzeit, dann bleiben nicht nur die Ballaststoffe erhalten, sondern der Fruchtzucker verweilt zusammen mit weiteren Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß länger im Magen und wird dann kontrolliert in nur kleinen Mengen in den Dünndarm abgegeben. So ist er viel besser verträglich.

Frau Büscher, herzlichen Dank für dieses Interview!

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