Fructosemalabsorption Was kann man essen

Dipl. oec. troph. Dagmar Bolgen, staatlich anerkannte Diätassistentin und allergologische Ernährungstherapeutin in Hannover.

Fructosemalabsorption: Was kann man essen und was sollte man beachten?

Warum gibt eigentlich so viele Lebensmittel, denen Fructose künstlich zugesetzt wird?

Fructose hat eine 1,3 mal so hohe Süßkraft wie normaler Haushaltszucker (Saccharose) und galt lange Zeit als "der" Diabetiker-Zucker. Daher ist die Lebensmittelindustrie vielfach dazu übergegangen, Fructose an Stelle von Saccharose oder Glucose als Süßungsmittel zu verwenden. Besonders aromatisierte Mineralwässer oder die sogenannten Wellnessdrinks enthalten oftmals einen sehr hohen Fructoseanteil, den die Betroffenen so nicht erwarten.

Anders ist der Fructosegehalt in einigen Lebensmitteln wie beispielsweise Senf, Ketchup, vielen Gewürzmischungen oder auch Wurst zu bewerten. Die hier enthaltenen Mengen sind in der Regel problemlos zu vertragen, denn die enthaltenen Mengen führen bei üblichen Portionsgrößen eher nicht zu Beschwerden.

Welche Obst- und Gemüsesorten sind bei einer Fructosemalabsorption verträglich und welche nicht?

Wie gesagt, das Vertragen von bestimmten Lebensmitteln ist immer abhängig von der eigenen Toleranzgrenze eines Patienten, seinem Allgemeinzustand, Belastungssituationen und in welcher Kombination die Lebensmittel aufgenommen werden. Gemieden werden sollten Lebensmittel mit einseitig hoher Fructose-Konzentration.

Die meisten Patienten vertragen Gemüsesorten wie Spinat, Karotten, Spargel, Blumenkohl oder Zucchini und noch einige andere mehr problemlos. Einige Gemüsesorten werden tiefgekühlt besser vertragen als frisch.

Beim Obst sind beispielsweise Aprikosen, Bananen, Grapefruit, Honigmelone, Mandarinen oft gut verträglich. Alle Sorten hier aufzuführen würde natürlich viel zu weit führen. Einschlägige Listen für den Fructose-Gehalt in Lebensmitteln existieren vielfach, leider nicht immer ganz korrekt. Viel wichtiger ist aber das Wissen darüber, dass der Patient keineswegs möglichst fructosefrei leben sollte, sondern wissen sollte, welche Kombinationen sinnvoll sind und dass er stets den Körper mit seiner verträglichen Menge Fructose konfrontieren sollte. 

Ist Trockenobst bei Fructosemalabsorption generell unverträglich?

Neben dem Verhältnis Fructose: Glucose ist auch der reine Zuckergehalt eines Lebensmittels ausschlaggebend für die Verträglichkeit. Das ist die Begründung dafür, dass vielfach Trockenobst nicht sehr gut vertragen wird, obwohl hier das Verhältnis Fructose: Glucose oftmals < 1 ist. Den Früchten wurde das Wasser – Hauptbestandteil der meisten Obstsorten – entzogen, und somit ist der Zuckergehalt um ein vielfaches gestiegen. Es gibt inzwischen tolle Kochbücher auf dem Markt, die Patienten einiges an Wissen, aber vor allem brauchbare Rezepte für den Alltag bieten.

Was kann man bei einer Fructosemalabsorption tun, um einem Mangel an Vitaminen und Spurenelementen entgegenzuwirken?

In der akuten Phase bis zur Diagnose fehlen vielen Patienten bestimmt Nährstoffe wie Zink, Folsäure und Tryptophan. Dieses ist nachweisbar im Blut.

In der dritten Stufe der Behandlung einer Fructosemalabsorption – der sogenannten Langzeiternährung - kann sich der Patient mit seinem erlernten Wissen über die Zusammensetzung der Lebensmittel und Mahlzeiten auch an fructosereichere Lebensmittel wagen und hat seine Lebensmittelauswahl in der Regel so erweitert, dass eine gesunde und vollwertige Ernährung möglich ist. Einige Patienten sind beschwerdefrei, wenn sie lediglich die besonders fructose- oder sorbitreichen Lebensmittel auslassen, andere haben eine deutlich geringere Toleranzgrenze. Der Weg dorthin führt über manchen Stolperstein und sollte immer in Zusammenarbeit mit einer in diesem Bereich spezialisierten Ernährungsfachkraft erarbeitet werden. Wichtig ist für alle Patienten: Ein "Diätfehler" kann zwar zu akut stärkeren Symptomen führen, aber er verursacht keine langfristigen Schäden. 

In dieser dritten Phase ist einem Mangel an Vitaminen und Spurenelementen mit einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung vorzubeugen. Die Schwierigkeit in der Langzeiternährung liegt bei vielen Patienten darin, dass sie immer wieder in das alte Schema verfallen und so auf Dauer immer mehr Lebensmittel meiden. Genau deshalb sollte jeder Patient von Zeit zu Zeit auch bei einem einigermaßen beschwerdefreien Leben die Beratung einer Fachkraft in Anspruch nehmen und seinen Speiseplan überprüfen lassen. Nährstoffmängel können so zeitnah aufgedeckt werden und entsprechend ausgeglichen werden.

Frau Bolgen, herzlichen Dank für das Gespräch!

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