Ungewollte Gewichtsabnahme Abmagern Abnehmen

Prof. Dr. med. J. F. Erckenbrecht, Medizinische Klinik Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und stv. Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter der Gastro-Liga zu ungewollter Gewichtsabnahme!

Ungewollte Gewichtsabnahme – die Ursachen sind vielfältig!

Wenn man abnimmt, ohne eine kalorienreduzierte Diät zu machen oder ohne dass ein Grund für einen erhöhten Kalorienbedarf besteht, sollte man dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein plötzlicher starker Gewichtsverlust kann ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Anlässlich des DGIM-Patiententags 2016 in Wiesbaden gab Prof. Dr. med. J. F. Erckenbrecht, Medizinische Klinik Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und stv. Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter der Gastro-Liga einen Überblick über die zahlreichen Gründe für eine ungewollte Gewichtsabnahme insbesondere im höheren Alter.

Ungewollte Gewichtsabnahme im Alter – eine schleichende Gefahr

Mit dem Älterwerden, etwa bis zu zum 65. bzw. 70. Lebensjahr nimmt man eher an Gewicht zu. Ein Grund dafür ist, dass man sich mit zunehmendem Alter tendenziell weniger bewegt bzw. Sport treibt.

Im höheren Alter hingegen  verliert man häufig an Gewicht und es kann zu einer ungewollten Gewichtsabnahme kommen. Von einer ungewollten Gewichtsabnahme spricht man, wenn man innerhalb von sechs Monaten mehr als 5 Prozent seines Körpergewichts abnimmt.

Die Gründe für eine ungewollte Gewichtsabnahme sind vielfältig. Im Alter lässt z.B. häufig der Geschmacks- und Geruchssinn nach und damit reduziert sich der Appetit. Viele alte Menschen haben schlechte Zähne, haben deswegen Schwierigkeiten beim Kauen und verlieren die Freude am Essen. Auch Depressionen, ein häufiges Phänomen im Alter, wirken sich negativ auf den Appetit aus. Ebenso wirken bestimmte Medikamente, die von älteren Menschen häufig eingenommen werden müssen, appetithemmend. Negativ auf den Appetit wirken sich z.B. Diuretika, antientzündliche Medikamente und Medikamente die den Blutdruck oder die Herzfunktion beeinflussen, aus.

Die gesundheitliche Bedeutung einer ungewollten Gewichtsabnahme sollte nicht unterschätzt werden. „Die Sterblichkeit von Menschen, die ungewollt Gewicht verloren haben, ist innerhalb der nächsten drei Jahre dreimal so hoch wie bei Menschen, die ihr Gewicht halten konnten“ betonte Prof. Erckenbrecht.

Wie lässt sich eine ungewollte Gewichtsabnahme im Alter vermeiden?

Ältere Menschen müssen sorgfältiger als junge darauf achten, sich den Spaß am Essen zu erhalten. Wichtig ist deshalb, sich abwechslungsreich zu ernähren und gut gewürzte Speisen zu bevorzugen. Da der Geschmackssinn im Alter nachlässt, ist ein stärkeres Würzen durchaus angebracht. Viele ältere Menschen vertragen große Mahlzeiten nicht mehr so gut. Sinnvoll sind deshalb mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Auch sollten ältere Menschen ballaststoffärmere Nahrungsmittel ballaststoffreicheren vorziehen.

Ungewollte Gewichtsabnahme durch psychische Erkrankungen

Eine Reihe von psychischen Erkrankungen können zur Gewichtsabnahme führen, z.B. die Anorexia nervosa, eine Erkrankung, die überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene betrifft.  Menschen mit Anorexie haben ein falsches Bild von ihrem Körper und entwickeln eine regelrechte Phobie vor einer Gewichtszunahme. Auch wenn sie untergewichtig sind, stehen sie unter dem Eindruck, sie seien zu dick. Das Sterberisiko ist bei dieser Erkrankung 10fach höher als bei gesunden Menschen, auch die Selbstmordrate ist deutlich höher.

Ungewollte Gewichtsabnahme durch akute oder chronische Entzündungen

Auch akute Entzündungen oder eine Sepsis (Blutvergiftung) kann zu ungewollter Gewichtsabnahme führen. Bei Patienten, die auf einer Intensivstation wegen einer Sepsis behandelt werden kann der Abbau von Körpersubstanz dabei sehr schnell verlaufen und der Patient „schwindet“ regelrecht dahin. Oft können die Patienten nach einer zweiwöchigen septischen Erkrankung bereits nicht mehr selbstständig sitzen, stehen oder gehen. „Ein schnellstmögliche erfolgreiche Entzündungsbehandlung ist bei diesen Patienten überlebenswichtig“ so Prof. Erckenbrecht.

Aber auch chronische entzündliche Erkrankungen können eine ungewollte Gewichtsabnahme beim Patienten auslösen. Dazu gehören z.B. rheumatische Erkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder bestimmte schwere Erkrankungen der Lunge, des Herzens oder der Leber. Nur eine erfolgreiche Therapie der Grunderkrankung, in manchen Fällen ist dies sogar eine Organtransplantation, kann hier Abhilfe schaffen. Nach erfolgtem Eingriff nehmen die Patienten dann oft sehr schnell wieder zu.

Ungewollte Gewichtsabnahme durch Krebserkrankungen

Patienten, die an einer Krebserkrankung leiden, verlieren oft ungewollt Gewicht. Bei 25 Prozent der Patienten, die plötzlich abnehmen, liegt eine Krebserkrankung vor. Das liegt u.a. daran, dass bestimmte Krebsbotenstoffe den Appetit hemmen. Hinzu kommt, dass eine Reihe von älteren auf Zellgiften basierenden Chemo-Therapien, die heute kaum noch angewendet werden, zu Übelkeit führen und somit zur ungewollten Gewichtsabnahme beim Patienten. Neuere Krebstherapien basieren heute oft auf Antikörpern gegen Zelloberflächenbestandteile, zu Übelkeit kommt es dabei nicht. Wird Morphium zur Schmerzbehandlung bei Krebs eingesetzt, kann dies auch zu Übelkeit und Erbrechen führen. Auch diese Entwicklung lässt sich nur durch eine effektive Krebstherapie stoppen.

Ungewollte Gewichtsabnahme durch fehlende Verdauungsenzyme oder Hormone

Fehlen Verdauungsenzyme im Dünndarm, kann dies zu ungewolltem Gewichtsverlust führen. Die Zöliakie oder Sprue gehört zu diesen Erkrankungen. Bei der Sprue reagiert die Schleimhaut des Dünndarms mit Entzündungen auf das Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreiden, u.a. auch Weizen, vorkommt. Dadurch kommt es zu einem Verlust von Dünndarmzotten und die Verdauungsenzyme, die auf diesen Dünndarmzotten sitzen,  können ihre Arbeit nicht verrichten. Die aufgenommene Nahrung wird dann nicht mehr optimal verwertet und es kommt zu Durchfällen und Gewichtsverlust. Bei Zöliakie-bedingtem Gewichtsverlust  hilft eine glutenfreie Diät. Dadurch regeneriert sich die Darmschleimhaut, die Enzyme werden wieder gebildet und eine normale Verdauung wird möglich.

Auch die Bauchspeicheldrüsenfermentschwäche (Pankreasinsuffizienz) ist ein Beispiel dafür, dass eine unzureichende Aufschlüsselung der Nahrung zu Gewichtsverlust führen kann. Ursache ist eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse, meist durch zu viel Alkohol. Typische Symptome für eine chronische Pankreasinsuffizienz sind, Fettstuhl, Osteoporose und Diabetes. Zur Behandlung der Bauchspeicheldrüse stehen Verdauungsenzyme in Tablettenform zur Verfügung.

Weiter sind die Laktoseintoleranz und die Fruktosemalabsorption Erkrankungen, bei denen es zu einer unzureichenden Nahrungsverarbeitung kommen kann. Bei der Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase und die Patienten vertragen deshalb Nahrungsmittel, die Milchzucker enthalten, nicht. Die Fruktosemalabsorption  ist ein Transporterdefekt, der dazu führt, dass Fruchtzucker nicht vertragen wird. Allerdings führen weder die Laktoseintoleranz noch die Fruktosemalabsorption  zu Gewichtsverlust, sondern eher zu Blähungen und Stuhlgangsunregelmäßigkeiten.

Zu den hormonell bedingten Erkrankungen, die zu Gewichtsverlust führen können, gehört die Überfunktion der Schilddrüse. Durch Medikamente oder eine Operation ist dies therapierbar.

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