Glyphosat Risiken Nahrungsmittel

ÖKO-TEST-Chefredakteur Jürgen Stellpflug zu Glyphosat in Nahrungsmitteln

Glyphosat - welche Nahrungsmittel sind betroffen? Risiken?

In welchen Nahrungsmitteln bzw. Getränken kommt Glyphosat vor und in welchen Konzentrationen?

Es gibt Glyphosat-Grenzwerte für Hunderte von Lebensmitteln. Das heißt: Beim Anbau all dieser Rohstoffe darf das Pestizid verwendet werden. Mit über 1 Mio. Tonnen ist es das weltweit meistverkaufte Spritzmittel. Getreide oder Hülsenfrüchte dürfen teilweise bis zu 20 Milligramm pro Kilogramm enthalten, also 1000mal mehr als das Umweltinstitut in Bier gefunden hat.

ÖKO-TEST hat Glyphosat zuletzt in Schokomüsli, Linsen, Kinderkeksen, Mehl und Brot nachgewiesen – jeweils in höheren Mengen als im Bier. Die Funde in der Muttermilch und im Urin zeigen ebenfalls, wie universell es verwendet wird.

Welche Alternativen gibt es zu Glyphosat-haltigen Pflanzenschutzmitteln?

Es gibt viele Hundert verschiedene Pestizidwirkstoffe. Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt sie in fünf Klassen ein, von „extrem gefährlich" bis „Gefährdung unwahrscheinlich" – zumindest bei vorschriftsmäßigem Gebrauch. Die meisten davon werden tatsächlich auch eingesetzt, obwohl es für viele Wirkstoffe nicht einmal standardisierte Nachweismethoden gibt. Das heißt, selbst die Überwachungsbehörden können nicht überprüfen, ob die gesetzlichen Grenzwerte für diese Wirkstoffe eingehalten werden.

Glyphosat ist jedoch unter anderem deswegen so weit verbreitet, weil gentechnisch veränderte Sorten von Mais, Raps, Soja oder Baumwolle resistent gegen das Pestizid sind. Das erleichtert die Anwendung, denn die Bauern können sicher sein, dass sie mit Glyphosat ihre Kulturpflanzen nicht schädigen.

Welche abstrusen Blüten die Arbeitserleichterung, das heißt auch die Kostensenkung, treibt, kann man am Beispiel der inzwischen in Deutschland nicht mehr erlaubten Vorerntespritzung mit Glyphosat beschreiben. So war es üblich, Getreide oder Hülsenfrüchte kurz vor der Ernte mit Glyphosat zu spritzen. Dadurch starben die Pflanzen ab und trockneten gleichzeitig. So sparten sich die Bauern einen Teil der Trocknung in den Trocknungsanlagen – und die Verbraucher bekamen eine zusätzliche Dosis Gift ins Essen.

Was empfehlen Sie den Verbrauchern, sollte man versuchen Glyphosat zu meiden?

Verbraucher meiden Glyphosat am besten, wenn sie Bio-Lebensmitteln kaufen. Und im Hobbygarten sollten chemisch-synthetische Pestizide grundsätzlich tabu sein. Sie werden schlicht nicht gebraucht.

Herr Stellpflug, herzlichen Dank für dieses Interview!

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