Pestizide Obst Gemüse

Regina Aschmann von der Verbraucherzentrale Bremen

Pestizide in Obst und Gemüse: Was ist drin? Wieviel? Wie meiden?

Können Pestizide die menschliche Gesundheit gefährden?

Über diese Frage streiten Wissenschaftler heftig. Ein aktuelles Beispiel ist Glyphosat, der weltweit am meisten eingesetzte Unkrautvernichter. Die Weltgesundheitsorganisation hat dieses Jahr erklärt, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung widerspricht dieser Einschätzung. Solche unterschiedlichen Bewertungen für Pestizide hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Die Verbraucherzentralen vertreten jedoch die Auffassung, dass für Pestizide, bei denen der Verdacht besteht, sie können schwerwiegende Erkrankungen auslösen, die Zulassung erst einmal ruhen sollte. Das bedeutet, sie müssten solange vom Markt genommen werden, bis ein Risikoverdacht endgültig ausgeräumt werden kann.

Fachleute befürchten, dass Pestizide noch weitere Erkrankungen auslösen oder zumindest begünstigen können. Dazu gehören zum Beispiel Parkinson, Fortpflanzungsstörungen, Alzheimer oder Diabetes. Auch Auswirkungen auf das Nerven- oder das Immunsystem werden nicht ausgeschlossen.

Völlig unklar ist das Risiko, das von Mehrfachrückständen ausgeht. Viele Lebensmittel enthalten nicht nur einen Pestizidrückstand, sondern zehn, zwanzig oder noch mehr. Das ist in der EU erlaubt, wenn jedes einzelne Pestizid unter seinem Höchstgehalt bleibt. Bislang existieren keine Regelungen zum Gesamtrückstand in einem Lebensmittel. Doch wie reagieren diese verschiedenen Substanzen miteinander? Addieren sich mögliche Risiken nicht nur, sondern verstärken oder potenzieren sie sich sogar?

Antworten auf diese Fragen gibt es bislang nicht, und erst recht keine neuen gesetzlichen Vorgaben. Diese sind nach Auffassung der Verbraucherzentralen jedoch längst überfällig.

Welche Konsequenzen hat der Einsatz von Pestiziden für die Umwelt?

Nicht nur für Menschen, sondern auch für die Umwelt bedeutet der Einsatz von Pestiziden ein Risiko. Ein Beispiel: Unkrautvernichter gefährden immer mehr Wildkräuter, von denen Insekten leben. Gleichzeitig wird seit einigen Jahren weltweit ein massenhaftes Bienensterben beobachtet, auch die Zahl der Hummeln geht zurück. Das liegt nicht nur an den abnehmenden Nahrungsquellen, sondern bestimmte Pestizide stören beispielsweise den Orientierungssinn der Tiere. Bienen können dann nicht mehr in ihren Bienenstock zurückfinden. Der Einsatz von Pestiziden ist nicht die einzige Ursache, aber er spielt für diese Entwicklung eine erhebliche Rolle. Bienen und Hummeln sind die wichtigsten Bestäuber für Getreide, Obst und Gemüse. Sollten die Zahlen der Bienen- und Hummelvölker weiter zurückgehen, könnte das zu massiven Problemen in der Landwirtschaft führen.

Welche Chancen haben Verbraucher, die möglichst pestizidarme Produkte bevorzugen? Ist Bio eine Alternative?

Bio ist tatsächlich eine Alternative; viele Lebensmittel sind frei von Pestiziden oder nur sehr gering belastet, zum Beispiel durch Abdrift von Nachbarfeldern. Grundsätzlich sollten saisonale Lebensmittel, am besten aus dem Freilandanbau, bevorzugt werden. Wichtig ist auch, abwechslungsreich zu essen. Damit sinkt das Risiko, von einem stärker belasteten Lebensmittel zu viel zu verzehren. Die Wahl regional erzeugter Lebensmittel ist immer gut, schon um die heimische Landwirtschaft zu fördern und die Umwelt nicht noch durch weite Transporte zu belasten.

Frau Aschmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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