neue Allergenverordnung

Andreas Pfeifer, Geschäftsführer der Marketingberatung Die Heldenhelfer in Wiesbaden und freier DEHOGA Marketingberater

Die "neue Allergenverordnung": Was genau heißt das für die Gastronomie?

Manche Gastronomen gehen davon aus, dass die neue Allergenverordnung dazu führt, dass man vermehrt auf Fertigprodukte zurückgreift, weil bei diesen alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung stehen. Wie schätzen Sie dies ein?

Das ist weniger eine Frage der Kennzeichnungspflicht als vielmehr eine Frage der Küchenphilosophie. Wer seine Gerichte selbst herstellt, der weiß, welche Inhaltsstoffe in seinen Speisen enthalten sind. Köche, die aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit auf Convenience, also vorgefertigte Produkte setzen, verschenken die Möglichkeit, individuell auf Gästewünsche eingehen zu können. Habe ich die Zusammensetzung meiner Rezepte selbst in der Hand, kann ich bei Bedarf Zutaten weglassen oder ersetzen. Das weiß der Gast zu schätzen.

In jeder Veränderung steckt ja auch eine Chance. Wie könnten Gastronomen die LMIV denn für Marketingzwecke nutzen? 

Gastronomen können mit Zusatzinformationen punkten. Statt Einfügen von rechtlichen Kennzeichnungen in der Speisekarte (immerhin umfasst die Liste 14 Allergene) sind Zusatzinformationen in einem Folder oder einer Extrakarte möglich.

Es spricht nichts dagegen, mal ein bisschen Lebensmittelkunde in Sachen "Nahrungsallergie-auslösende Bestandteile in Lebensmitteln" durch den Fachmann zu betreiben. Das hilft dem Gast und auch dem Servicepersonal, das bei häufig wechselnden Saisongerichten mit Fragen nach allergenen Stoffen oder vegetarischer bzw. veganer Eignung manchmal überfragt ist.

Auch entsprechende Informationen auf der Website unterstützen die Marketingaktivitäten, denn eine wachsende, oft zahlungskräftige Zielgruppe wird auf das Gastro-Angebot aufmerksam und die richtigen Keywords tragen über die Suchmaschinenoptimierung (SEO) zu einem besseren Ranking bei Google & Co bei.

In Italien ist man übrigens schon besser vorbereitet als in Deutschland. Dort erhält man in fast jedem Restaurant eine glutenfreie Pasta. Doch auch in Deutschland tut sich was. Zwei Kundenbeispiele: Das Restaurant des Parkhotel Landau bietet kreative Gourmet-Menüs für Vegetarier an, die auf Wunsch auch komplett vegan zubereitet werden können. Die Speisekarten werden zur Zeit von Küchenchef Oliver Weisch an die Kennzeichnungspflicht angepasst.

Und die Wirtin vom Gasthaus Zur Schmelz in Mossautal, Ulrike Michel, ist nicht nur Ernährungsberaterin mit Spezialgebiet Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, sondern bietet auf der Gasthaus-Webseite und im Lokal eine gluten- und laktosefreie Speisekarte an. Außerdem berichtet sie in ihrem Blog über Neuigkeiten zum Thema.

Bei allen Bemühungen um Lebensmittelsicherheit im Gastgewerbe dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: Wir gehen in ein Restaurant nicht der Rechtssicherheit, sondern des Genusses wegen. Die neue Allergenverordnung sollte den Appetit daran nicht verderben – weder den Gastgebern, noch den Gästen! Immerhin gehen laut einer DAAB aus dem Jahr 2012 89 Prozent der Befragten trotz Allergie ins Restaurant essen. Das lässt hoffen…

Herr Pfeifer, herzlichen Dank für dieses Interview!

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