Fertigprodukte Zutatenverzeichnis Aromen

Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg e.V. zu Fertigprodukten und wann die Zutaten nicht im Zutatenverzeichnis stehen!

Fertigprodukte: Wann stehen Zutaten nicht im Zutatenverzeichnis?

Was in einem Produkt drin ist, steht im Zutatenverzeichnis – sollte man meinen. Grundsätzlich ist das auch so, aber wie so oft, gibt es auch hier Ausnahmen. Es kann also durchaus sein, dass ein Nahrungsmittel Zutaten enthält, mit denen ein Verbraucher nicht unbedingt rechnet. Wann ist es also rechtlich erlaubt, Zutaten nicht im Zutatenverzeichnis aufzuführen? Welche Zutaten sind nicht deklarationspflichtig und warum? MeinAllergiePortal sprach mit Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. über Fertigprodukte und wann die Zutaten nicht im Zutatenverzeichnis stehen.

Herr Valet, bei industriell hergestellten Lebensmitteln müssen nicht alle Zutaten im Zutatenverzeichnis aufgeführt werden, welche sind dies?

In der Tat gibt es Ausnahmen zu der allgemeinen Regel, dass die Zutaten eines Lebensmittelproduktes im Zutatenverzeichnis stehen müssen.

Dies gilt z.B. für technische Hilfsstoffe oder auch Verarbeitungshilfsstoffe, d.h. Stoffe, die im Rahmen der Produktion zugesetzt, dann jedoch wieder entfernt werden, so dass fast nichts mehr im Endprodukt enthalten ist. Ein Beispiel ist die Gelatine, ein aus Tierknochen gewonnener Stoff, die zur Klärung von  Fruchtsäften eingesetzt wird. Für Verbraucher, die diese Stoffe aus ethischen Gründen ablehnen, z.B. Veganer, ist dies jedoch dennoch nicht akzeptabel.

Des Weiteren müssen Zusatzstoffe in Zutaten nicht deklariert werden, d.h. wenn sie für eine einzelne Zutat des Produktes relevant sind, nicht jedoch für das Produkt insgesamt. Ein Beispiel hierfür wäre ein Konservierungsstoff, der zwar zur Konservierung der Fruchtzubereitung für ein Joghurt eingesetzt wird, der für das Gesamtprodukt „Fruchtjoghurt“ jedoch keine technologische Bedeutung hat, weil die Konservierungsleistung des Stoffes zur Konservierung des Gesamtproduktes nicht ausreicht. Man macht also bei der Deklarationspflicht einen Unterschied zwischen den Zutaten der einzelnen Zutaten und den Zutaten des Gesamtproduktes. Das exakt Gleiche gilt für Lebensmittelenzyme.

Ein weiteres Beispiel ist Alkohol. Wird Alkohol als Zutat verwendet, ist dies deklarationspflichtig. Wird Alkohol jedoch bei Aromen, z.B. als Lösungsmittel oder Trägerstoff für die Aromastoffe eingesetzt, muss er nicht deklariert werden. Dies stellt für bestimmte Religionsgruppen  vor allem ein religiöses Problem dar. Wir haben hierzu eine Studie durchgeführt und fordern eine deutliche Kennzeichnung auf der Schauseite und Aufklärungsprogramme, sowohl zu Stoffen tierischen Ursprungs, als auch zu alkoholhaltigen Zutaten.

Damit kommen wir zu den Aromen,  das ist der dritte Bestandteil von Lebensmitteln, der nicht im Zutatenverzeichnis stehen muss. Bei Aromen muss keine Aufzählung der Zutaten erfolgen, es sei denn, es handelt sich um die allergenen Stoffe, die in der Lebensmittel-Informationsverordnung  (LMIV) aufgeführt sind.

Man findet deshalb in manchen Zutatenverzeichnissen solche typische, wenig aussagekräftige  Beschreibungen wie: Aroma (mit Sellerie und Milch). Was tatsächlich drin ist, weiß man bei Aromen daher nicht, so dass der Verbraucher in manchen Fällen „die Katze im Sack kauft“ und Geld für Zutaten ausgibt, obwohl das Produkt nur deren Aromen enthält. Eine unserer zentralen Forderungen ist deshalb, dass solche Produkte auf der Schauseite mit „aromatisiert“ gekennzeichnet sein sollten, wenn mit Aroma gearbeitet wird.

Gibt es Lebensmittel, die besonders häufig nicht deklarationspflichtige Zutaten enthalten?

Grob gesagt kann man sagen, dass bei stark verarbeiteten Fertigprodukten die Wahrscheinlichkeit, dass auch nicht deklarationspflichtige Zutaten enthalten sind, größer ist. Je länger das Zutatenverzeichnis, desto höher die Wahrscheinlichkeit. Gleiches gilt für alle aromatisierten Produkte.

 

Man liest in den Zutatenverzeichnissen ja auch häufig „natürliche Aromen“….

„Natürliche Aromen“ bedeutet lediglich, dass diese Aromen aus „natürlichen Ausgangsstoffen (oder Rohstoffen)“ gewonnen wurden. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass ein natürliches Aroma mit Erdbeergeschmack aus Erdbeeren gewonnen wurde. Vielmehr kann dieses natürliche Aroma aus allen Grundstoffen gewonnen worden sein, die ein ähnliches Aromenspektrum aufweisen. Schimmelpilz Kulturen oder Sägespäne aus bestimmten Holzarten, sind mögliche Quellen, aus denen „natürliche“ Aromen aller Art gewonnen werden können. „Natürlich“ bedeutet im Zusammenhang mit Aromen einfach nur, dass die Ausgangsstoffe der Aromen natürlichen Ursprungs sind.

Die neue Aromenverordnung (AROMV), die vor einigen Jahren EU-weit eingeführt wurde, unterscheidet nicht mehr zwischen natürlichen Aromen, naturidentischen Aromen, d.h. Aromen, die tatsächlich in der Natur vorkommen, aber im Labor „nachgebaut“ wurden und künstlichen Aromen. Jetzt unterscheidet man nur noch zwischen Aroma, das auf beliebige Weise gewonnen werden kann, auch künstlich, und natürlichem Aroma, das aus natürlichen Grundstoffen hergestellt sein muss. Ein Beispiel für einen künstlichen Aromastoff, der jetzt nur noch mit „Aroma“ gekennzeichnet werden muss, ist das Ethylvanillin, das wie Vanille schmeckt, aber künstlich im Labor hergestellt wird.

Weiter gibt es bei den Aromen noch jene Aromen, die direkt aus den betreffenden Nahrungsmitteln hergestellt wurden. Ein Beispiel ist "natürliches Erdbeeraroma", das dann tatsächlich zu 95 Prozent aus der Frucht - hier der Erdbeere - stammen muss. Diese Aromen kommen meist bei Bio Produkten zum Einsatz.

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