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Nussallergie Walnuss Cashewnuss

Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg

Isolierte Nussallergien auf Walnuss und Cashewnuss: Wie häufig ist das?

Allergische Reaktionen auf Nüsse sind nicht selten. Häufig handelt es sich jedoch um Kreuzallergien. Es gibt aber auch isolierte Allergien auf Nüsse wie z.B. die Walnuss oder die Cashewnuss, die nicht mit einer Pollenallergie einhergehen.  Wie häufig sind diese Allergien? Wie zeigen sie sich und wie erfolgt die Diagnose? Diese Fragen klärte MeinAllergiePortal mit Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg.

Herr Dr. Wenzel, wie häufig sind Allergien auf Walnüsse oder Cashewnüsse?

Walnuss-Allergien und Cashewnuss-Allergien kommen nicht sehr häufig vor. Weitaus häufiger sind Kreuzreaktionen bei bestehender Pollenallergie. Fast 40 Prozent der Patienten mit Allergien auf Frühjahrsblüher leiden auch unter Kreuzreaktionen auf Nüsse. Dabei gilt: Je länger die Allergie besteht, desto häufiger kann es zu Kreuzreaktionen in Form eines oralen Allergiesyndroms kommen. Bei Birkenpollenallergikern kommt es z.B. häufig zu Kreuzreaktionen auf Haselnüsse und übrigens auch auf Äpfel. Durch das Allergen der Birke Bet v 1 kann es z.B. zu Kreuzreaktionen auf Soja, Sellerie und Latex kommen.

Handelt es sich bei Allergien auf Walnuss oder Cashewnuss nicht um Kreuzallergien?

Vermutlich handelt es sich bei Allergien auf Walnuss oder Cashewnuss  um eine Kreuzallergie. Die Cashewnuss kann in einerseits (selten) zu Birke und andererseits (häufiger) zu Mango und zu Beifuß als Kreuzallergen relevant sein. Die Allergene der Nüsse sind generell pollenverwandt mit den im Frühjahr blühenden Arten.

Wir hatten jedoch auch schon Patienten mit Allergie auf Walnuss und Cashewnuss,  die weder einen Heuschnupfen hatten noch eine kutane Sensibilisierung auf Pollen zeigten.

Könnten bei Allergien auf Walnuss oder Cashewnuss, die nicht auf eine Pollenallergie zurückzuführen sind, Profiline oder Lipidtransferproteinen (LTP) eine Rolle spielen?

Im regulären Praxisalltag kann man das leider nicht abklären. Profiline oder Lipidtransferproteinen (LTP) werden isoliert als rekombinante Antikörper bestimmt und die dafür nötigen Untersuchungen finden eher im Rahmen von Studien bzw. in Forschungszentren statt. Für die Walnuss sind rekombinante Allergene zurzeit noch nicht käuflich erhältlich. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass in diesen Fällen die Profiline oder Lipidtransferproteinen (LTP) die auslösenden Faktoren sind.

Übrigens: Ein Allergen der Cashewnuss ist das Speicherprotein Ana o 2. Für die Walnuss gibt es zwei Speicherproteine Jug r1 und Jug r2. Jug r3 ist ein Lipidtransferprotein (LPT). Sowohl das Allergen für die Cashewnuss als auch die drei Allergene der Walnuss stehen jetzt – ganz aktuell - auch für die Diagnostik zur Verfügung.


Wie gehen Sie bei der Diagnose von isolierten Walnuss- oder Cashewnuss-Allergien vor?

Wir hatten hier jüngst zwei konkrete Fälle, jeweils mit einer Walnuss-Allergie und einer Cashewnuss-Allergie. Bei beiden Patientinnen haben wir die konventionellen IgE-Antikörper bestimmt und diese waren für Walnuss und Cashewnuss jeweils positiv. Zusammen mit den Symptom-Beschreibungen der Patientinnen reichte dies für eine Diagnose aus.

Wie sah die Symptom-Beschreibung der Patientin mit Walnuss-Allergie konkret aus?

Die 24-jährige Patientin, die nie Heuschnupfen hatte, bemerkte nach dem Verzehr selbstgebackener Walnuss-Plätzchen plötzlich ein gravierendes orales Allergiesyndrom mit einem massiven Kribbeln im Rachen und kam deshalb in unsere Klinik.

Und wie haben Sie diese Beschreibung diagnostisch abgesichert?

Wir haben bei der Patientin zunächst einen Prick-to-prick-Test mit nativem Material, also mit Walnüssen durchgeführt. Mit dem Prick-to-prick-Test kann man IgE-Antikörper in der Haut nachweisen. Dafür wird mit einer Prick-Lanzette zuerst in die Walnuss, und dann in die Haut des Patienten geritzt. Der Prick-to-prick-Test war bei der Patientin jedoch negativ. Erst im IgE-Bluttest konnten wir bei der Patientin Antikörper auf Walnüsse der CAP-Klasse 3 nachweisen.


Erfolgt die Diagnose bei der Patientin mit der Cashewnuss-Allergie genauso?

Die 23-jährige Patientin klagte nach dem Genuss eines Pesto-Fertigproduktes, das neben Pinienkernen auch Cashews enthielt, über ein orales Allergiesyndrom in Form einer Rachenschwellung, sowie das Gefühl von Halsenge.  Weiter gab die Patientin an, früher unter einer Pollenallergie auf Frühblüher gelitten zu haben, nicht jedoch aktuell. Außerdem hatte sie eine Hausstaubmilben-Allergie.

Bei dieser Patientin ergab unser Prick-to-prick-Test eine breite Pollensensibilisierung, einen negativen Befund für Pinienkerne und ein positives Ergebnis für Cashewnüsse. Der IgE-Bluttest bestätigte dann die Ergebnisse des Hauttests, so dass die Diagnose gesichert war.

Was, außer Allergenmeidung, haben sie den Patientinnen mit Walnuss-Allergie bzw. Cashewnuss-Allergie empfohlen?

Da es sich jeweils um eine erstmalige Reaktion handelte, das jeweilige Allergen sicher identifiziert werden konnte und gut zu meiden ist, erhielten beide Patientinnen eine Notfall Medikation, d.h. Tabletten mit dem Wirkstoff Prednison. Prednison bietet einen guten Schutz, wenn es versehentlich zum Verzehr von Walnüssen bzw. Cashewnüssen und in der Folge zu allergischen Reaktionen kommt. In beiden Fällen kam es bei den Patientinnen nach Allergenkontakt weder zu Luftnot noch zu einer akuten Schockreaktion, weshalb wir bisher keinen Adrenalin-Autoinjektor ergänzt haben.

Übrigens: Kommt es nach dem Verzehr eines Fertigproduktes zu allergischen Reaktionen, sollte man sich die Verpackung immer aufheben, damit man die Inhaltsstoffe nochmals genau untersuchen kann und eventuelle weitere Allergien rechtzeitig bemerkt. Es ist grundsätzlich möglich, dass sich im weiteren Lebensverlauf das Allergiespektrum in Bezug auf Nahrungsmittelallergene noch erweitert.  

Müssen diese Patientinnen auch auf mögliche „Spuren“ in industriell gefertigten Lebensmitteln achten?

Solange es sich um leichte allergische Reaktionen ohne Atemnot und Kreislaufproblemen handelt, werden Spuren sicher toleriert. Die Meidung des Allergens ist dennoch wichtig, damit sich die Allergie nicht ausweitet.

Herr Dr. Wenzel, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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