Erdnuss Allergie Spürhund

Uwe Friedrich von TEAMCANIN in Ditzingen bei Stuttgart

Erdnuss Allergie: Wie warnen Erdnuss-Spürhunde vor dem Allergen?

Hunde haben eine gute Nase. Sie nehmen Gerüche feiner dosiert und auch früher wahr als Menschen. Gleichzeitig ist das Suchen und Anzeigen für Hunde eine Beschäftigung, die ihnen Spaß, macht, sie auslastet  und ihren natürlichen Instinkten entspricht. Dies macht man sich im Hundezentrum TEAMCANIN zu Nutze, indem man Hunde auf das Anzeigen bestimmter Gerüche trainiert. Mit Hilfe des speziellen Trainingskonzeptes SniffleDog® werden die Hunde auf einen bestimmten Geruch geprägt und sind dann z.B. als Kardio-Warnhund, Diabetes-Warnhund oder Erdnuss-Spürhund einsetzbar. MeinAllergiePortal sprach mit dem Entwickler des SniffleDog®-Konzeptes Uwe Friedrich von TEAMCANIN in Ditzingen bei Stuttgart über sein Konzept und wie es Erdnuss Allergikern im Alltag helfen kann.

Herr Friedrich, wie schaffen Sie es, Hunde so auszubilden, dass sie Erdnussallergiker vor dem Allergen warnen können?

Beim Erdnussallergie-Warnhund ist es das Wichtigste, dass der Hund selbst die geringsten Erdnussspuren anzeigt. Wir konditionieren die Hunde mit der Sniffle Dog Methode. Mit dieser Trainingstechnik wird der Hund auf einen bestimmten Geruchsträger konditioniert.

Dafür kommt die Erdnuss in einen kleinen Behälter und wenn der Hund daran schnuppert wird er über positive Verstärkung darauf konditioniert, „Erdnuss“ anzuzeigen. Der Geruch von Erdnüssen ist für den Hund damit sehr positiv belegt.

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Wie sieht es aus, wenn ein Erdnuss-Spürhund eine Erdnuss oder Spuren davon entdeckt?

Der nächste Schritt ist dann, den Hund so zu trainieren, dass er bei Erdnussgeruch an dem jeweiligen Gegenstand mit der Nase regelrecht kleben bleibt. Das sieht aus wie ein Standbild aus einer Videosequenz. Der Hund bleibt mit der Nase an dem Behälter regelrecht haften.

Danach wird ein Abgleich gemacht. Das bedeutet, wir präsentieren dem Hund andere Behältnisse, die entweder keinerlei Geruchsträger enthalten oder Geruchsträger, die garantiert frei von Erdnüssen sind. An diesen Behältnissen darf der Hund dann nicht durch die „klebende Nase“ anzeigen. So lernt der Hund zu selektieren und uns anzuzeigen, in welchem Behälter Erdnüsse enthalten sind bzw. welche Behältnisse nach Erdnüssen riechen.

Ist der Erdnuss-Spürhund auch dazu in der Lage, Erdnüsse in verschiedenen Dosierungen zu erkennen?

Beim Training eines Erdnuss-Spürhundes ist es wichtig, dass der Hund die Erdnüsse sowohl in unterschiedlicher Konsistenz als auch in unterschiedlichen Dosierungen anzeigt. Deshalb präsentieren wir dem Hund die Erdnüsse in jeder Form z.B. flüssig, gebacken, gekocht oder tiefgefroren.

Auch in geringsten Mengen muss der Erdnuss-Spürhund Erdnüsse anzeigen. Dafür geben wir eine Erdnuss für 10 Sekunden in ein Glas Wasser, entnehmen davon einen Tropfen und spritzen diesen Tropfen in ein anderes Lebensmittel, z.B. in eine Praline. Dieses Lebensmittel kommt wiederum in ein Behältnis und wird dem Hund zusammen mit anderen Behältnissen präsentiert, die exakt die gleichen Lebensmittel enthalten, nur ohne das „Erdnusswasser“. Daraus muss der Hund das richtige Behältnis anzeigen – ein sehr aufwendiges Training.


Wie zuverlässig zeigt ein Erdnuss Spürhund das Erdnuss Allergen an?

Unsere Ausbildung zielt auf eine 100prozentige Anzeige und wir erreichen einem sehr hohen 90er Bereich. Man sollte aber stets bedenken, dass es sich bei einem Erdnuss Spürhund um ein Lebewesen handelt. Ich würde es deshalb nicht ausschließen, dass es auch einmal vorkommt, dass der Hund etwas nicht anzeigt, auch wenn das bei uns bisher noch nicht vorgekommen ist. Die Hunde sind allerdings auch permanent im Training, denn sie bekommen ja vom Herrchen täglich eine Probe zum Abgleichen. Dieses Niveau muss man tatsächlich auch halten, damit die Hunde permanent im Training sind und eindeutig anzeigen, d.h. mit der Nase anhaften.

Die „klebende Nase“, d.h. die Anzeige des gefährlichen Allergens, ist also das Trainingsziel für den Erdnuss-Spürhund?

Genau, allerdings muss dafür der Hund nicht am Essen seines Herrchens schnüffeln. Um zu ermitteln, ob ein bestimmtes Gericht oder Lebensmittel Erdnüsse enthält, entnimmt man einfach eine Probe und steckt es in ein kleines Behältnis. Dafür trägt der Erdnuss Allergiker immer ein Täschchen mit diesen winzigen Behältnissen mit sich. Ein Erdnuss Allergiker kann dem Hund so jederzeit und überall ein Pröbchen der verdächtigen Nahrungsmittel präsentieren.

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Gibt es für Erdnuss Spürhunde Grenzwerte für Erdnussspuren, die sie nicht mehr wahrnehmen können und ist dies dann noch eine relevante Dosis für Erdnuss Allergiker?

An dieser Fragestellung arbeiten wir gerade zusammen mit einem Facharzt. Wir wollen ausloten, wie wenig Erdnussgeruch für einen Hund noch registrierbar ist. Beim gerade genannten Beispiel mit dem Erdnusswassertropfen in der Praline hat der Hund dies noch angezeigt. Auch extrem geringe tiefgefrorene Mengen hat unser Erdnuss Spürhund noch angezeigt.

Die nächste Frage ist, wie relevant diese Dosierungen für den jeweiligen Erdnuss Allergiker sind. An der Beantwortung dieser Frage arbeiten wir gerade und versuchen dies durch individuelle Tests und Untersuchungen zu ermitteln. Schließlich kann jeder Irrtum gerade bei Erdnuss Allergikern massive Folgen haben.


Ist denn jeder Hund gleichermaßen talentiert bzw. „geruchsfähig“?    

Jeder Hund kann grundsätzlich eine gute Nasenleistung bringen, aber natürlich gibt es sowohl  sehr talentierte als auch talentfreie Hunde. Dies ist weniger von der Rasse als von „Hundetyp“ abhängig, d.h, vom Engagement und der Motivationsfähigkeit.

Grundsätzlich sind langnasige Hunde noch besser für die Nasenarbeit geeignet als kurznasige Hunde. Langnasige Hunde besitzen zum einen mehr Riechzellen und können zum anderen die Nase besser kühlen und die Informationen so besser verarbeiten.

Das bedeutet nicht, dass kurznasige Hunde nicht geeignet wären. In unseren Hobbygruppen haben wir auch kurznasige Hunde, die ganz großartige Spürhunde sind.  Wenn es aber, wie dies bei Erdnuss Spürhunden der Fall ist, um extrem schwach ausgeprägte Gerüche geht, würde ich einen Hund empfehlen, der überdurchschnittlich geeignet und besonders talentiert ist.

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Eignet sich jeder Hund für jede Spezialisierung?

Das muss man klar verneinen. Am Anfang steht immer die Frage: Wie sieht sie Anforderung aus? Wo und wie soll der Hund tätig werden? Wenn es einem Diabetiker darum geht, dass der Hund eine mögliche nächtliche Unterzuckerung im eigenen Schlafzimmer anzeigt, muss der Hund nicht psychisch stabil sein und sich in Menschenmengen sicher bewegen können. In diesem Fall reicht es, wenn der Hund eine gute Nase hat.

Ist ein Mensch im Außendienst tätig, sieht das natürlich anders aus. Geht es um einen Schimmel Spürhund, steht die berufliche Nutzung des Hundes im Vordergrund und der Hund muss auf Baustellen arbeiten und mühelos Treppen steigen können.

Zurück zum Erdnuss Spürhund: Könnte ein Erdnuss Spürhund den Erdnuss Allergiker dann den ganzen Tag begleiten und entsprechend vor dem Erdnuss Allergen warnen?

Wenn der Erdnuss Spürhund überall dabei sein soll, werden die Anforderungen an den Hund noch etwas größer, ähnlich wie bei einem Diabetes Warnhund. Ein solcher Hund muss unter allen Bedingungen arbeiten können, ganz egal, was um ihn herum passiert. Das bedeutet, der Hund muss eine robuste Psyche haben und darf sich von Umweltreizen nicht beeindrucken lassen. Ein solcher Hund darf nicht nervös werden, wenn es laut ist oder wenn Trubel herrscht.

Anders sieht es aus, wenn die Lebensbedingungen relativ konstant sind und der Hundehalter sich selten in belebter Umgebung bewegt. In diesem Fall muss der Hund nicht unbedingt so tolerant gegenüber Außenreizen sein und eine robuste Psyche haben, Hauptsache er „riecht“ gut.

Das heißt ein Erdnuss Spürhund für ein erdnussallergisches Kind müsste außer dem guten Riechvermögen auch unbeeindruckt vom Krach auf dem Schulhof anzeigen?

Wenn der Hund für ein Kind mit Erdnuss Allergie gedacht ist, muss er eine extrem gute Psyche haben, ähnlich wie ein Blindenhund. Das ist auch für Erwachsene sehr wichtig, von denen die überwiegende Zahl der Nachfragen bei uns kommt. Wenn ein Erdnuss Allergiker beruflich viel unterwegs ist und z.B. häufig mit der Bahn fahren muss ist es wichtig, dass der Hund damit gut zurecht kommt.

Wir helfen auch sehr gerne dabei, den passenden Hund auszusuchen. Wenn man die Anforderungen kennt und weiß, worauf es ankommt, ist das viel einfacher.


Kann man auch einen älteren Hund zum Erdnuss Spürhund ausbilden?

Wenn der Hund zumindest ein Jahr alt ist, hat dies viele Vorteile. Zum einen weiß man, ob der Hund gesund ist, bei einem Welpen stellt sich dies oft erst später heraus. Zum anderen kann man den Charakter eines älteren Hundes besser einschätzen und weiß, ob er für die jeweiligen Anforderungen geeignet ist. Außerdem ist es gerade für Hundehalter, die viel unterwegs sind, schwierig, einen verspielten Welpen mit sich zu führen. Einen älteren Hund kann man dagegen von Anfang an mitnehmen.

Nochmals zur Vorgehensweise: Würde ein Erdnuss Spürhund immer dann anzeigen, wenn er einen Erdnuss Geruch wahrnimmt, oder müsste man ihm die Speiseproben immer in den Behältnissen präsentieren?

Das ist genau der Unterschied zum Diabetes Warnhund. Der Diabetes Warnhund ist immer in einer Art „Stand-by-modus“ und würde eine Unterzuckerung bei „seinem“ Menschen immer dann anzeigen, wenn sie eintritt. Der Erdnuss Warnhund muss, wie andere Stöberhunde auch, aktiviert werden. Man gibt ihm die klare Anweisung für die Suchlage. Die Suchlage wären in diesem Fall die Behältnisse und die Anweisung wäre: „Such‘ mal, ob Du hier Erdnüsse erkennst!“

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Das heißt für Erdnuss Allergiker, die schon auf das Allergen in der Luft reagieren, ist der Erdnuss Spürhund nicht geeignet?

Ein seriös ausgebildeter Erdnuss Hund ist eine Unterstützung für den Erdnuss Allergiker, wenn es um die Nahrungsaufnahme geht.

Wenn der Erdnuss Allergiker so gefährdet ist, dass schon über die Luft oder durch Hautkontakt eine allergische Reaktion ausgelöst werden kann, müsste man den Hund weiter ausbilden. Dann müsste der Hund einen permanenten Abgleich in der Luft durchführen und dann im Bedarfsfall auch Meldung machen. Das ist möglich, wäre aber ganz enorm aufwändig und viel schwieriger als beim Diabetes Hund.

Beim Diabetes Hund ist die Quelle des Geruchs immer das Herrchen, das sich nahe beim Hund aufhält. Das heißt, der Hund muss zwar permanent wachsam sein, sich dabei aber nur auf sein Herrchen konzentrieren. Ein Erdnusshund müsste permanent die gesamte Umgebung abscannen.  Man stelle sich z.B. die Luftverwirbelungen in einem Kaufhaus vor und den Effekt, den es hat, wenn z.B. im zweiten Stock des Kaufhauses mit Erdnüssen hantiert wird, während der Erdnuss Allergiker gerade im Erdgeschoss durch den Eingang kommt. Es ist möglich, einen Hund entsprechend auszubilden, aber es ist eine enorm schwierige Aufgabe für das Tier, diese flüchtigen Gerüche permanent anzuzeigen oder gar zu orten. Voraussetzung wäre eine sehr gute Veranlagung des Hundes. Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass sich der bereits vorhandene Familienhund zufällig für eine solche Aufgabe eignet.

Viele Hundebesitzer haben Schwierigkeiten mit der grundsätzlichen Erziehung ihres Hundes. Eignet sich jedes „Herrchen“ für die Führung eines „SniffleDogs“?

Wenn Menschen mit ihrem Hund arbeiten, schweißt allein diese Arbeit Hund und Herrchen sehr eng zusammen. Wenn man sich mit seinem Tier beschäftigt und ihm etwas beibringen will, lässt man sich automatisch auf das Tier ein und ist auch bereit, an sich selbst zu arbeiten. Dem einen oder anderen fällt vielleicht manches etwas schwerer, aber als Trainer kann ich genau dort ansetzen und das hat bisher auch immer sehr gut funktioniert. Menschen, die mit ihren Tieren arbeiten, haben oft einen ganz tollen Umgang mit den Hunden und werden zu einem guten Team.  

Herr Friedrich, vielen Dank für das Interview!

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