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Sonnenschule erdnussfrei

Sonnenschule in Bochum

Erdnussfreie Schule? Die Sonnenschule in Bochum zeigt wie das geht!

Die Sonnenschule in Bochum ist eine Grundschule - etwas über 200 Grundschüler werden hier unterrichtet. Die Sonnenschule ist aber auch eine erdnussfreie Schule und damit eine große Ausnahme in der deutschen Schullandschaft. Bisher gibt es nur wenige Schulen, die ein Konzept für erdnussallergische Kinder umgesetzt haben und deshalb sprach MeinAllergiePortal mit Mario Zappalà, Schulleiter der Sonnenschule in Bochum und Initiator der Initiative.

Herr Zappalà, im September letzten Jahres haben Sie Ihre Schule zur "erdnussfreien Zone" erklärt - was hat Sie dazu bewogen?

Wir beobachten, dass die Anzahl an Erdnussallergikern - insbesondere unter Kindern - zunimmt.

So gibt es auch an unserer Schule immer wieder betroffene Kinder. Als Schule haben wir grundsätzlich den Auftrag, uns auch um solche Kinder zu kümmern, denn es gehört zu unseren Aufgaben allen Kindern gerecht zu werden. Daher sehen wir es als eine Selbstverständlichkeit an, den Kontakt der Betroffenen mit Erdnüssen zu minimieren.

Wie sind sie dabei vorgegangen, Ihre Schule erdnussfrei zu gestalten?

Konkret versuchen wir dies durch Aufklärung der Elternschaft in den entsprechenden Schulmitwirkungsgremien sowie dem Verbot, erdnusshaltige Produkte in die Schule zu bringen. Man ist schon auf dem richtigen Weg, wenn man die direkten Mitschüler informiert, aber auch deren Eltern und die Schüler in den anderen Klassen müssen aufgeklärt werden. Mit allen Beteiligten, den Mitschülern, Lehrern und Eltern versuchen wir eine angstfreie Lernumgebung und somit auch optimale Lernatmosphäre für das betroffene Kind zu schaffen.

Welche Gremien waren in die Entscheidung, die Schule erdnussfrei  zu halten, involviert?

schulhof der erdnussfreien sonnenschule in bochumSchulhof der erdnussfreien Sonnenschule in BochumWir haben das Thema "erdnussfreie Schule" zunächst im Rahmen der Schulkonferenz eingebracht. Die Schulkonferenz besteht aus der Schulleitung und zu gleichen Teilen aus Lehrern und Vertretern der Eltern, d.h. der Schulpflegschaft.

Die Schulpflegschaft wiederum ist ein Gremium, das aus entsprechend gewählten Klassenpflegschaftsvorsitzenden besteht. Auf der Schulkonferenz werden Beschlüsse gefasst und in diesem Rahmen wurde dann beschlossen, die Sonnenschule auch in Zukunft als erdnussfreie Schule zu führen.

Im Anschluss an diesen Beschluss war es dann die Aufgabe der Klassenpflegschaftsvorsitzenden, das Thema "erdnussfreie Schule" und die damit verbundenen Maßnahmen zu Beginn des Schuljahres in den Klassenpflegschaften zu kommunizieren. Zur Erklärung: Eine Klassenpflegschaft besteht aus den Eltern aller Kinder einer Klassengemeinschaft.


Wie genau sah die Kommunikation zur "erdnussfreien Schule" an die Klassenpflegschaften, d.h. an die Eltern, aus?

Den Eltern wurde kommuniziert, dass an der Sonnenschule ein Kind unterrichtet wird, das eine Erdnussallergie hat. Wir haben nicht kommuniziert, um wen es sich handelt, um eine eventuelle Stigmatisierung zu vermeiden. Diese Entscheidung lässt sich jedoch nicht verallgemeinern und ist abhängig von der Größe der Schule, der Persönlichkeit des Kindes und den Wünschen der Eltern.

In diesem Rahmen wurde sehr deutlich angesprochen welche Folgen es haben kann, wenn ein erdnussallergisches Kind mit dem Allergen der Erdnuss in Kontakt kommt. Es wurde auch konkret aufgeführt, welche erdnusshaltigen Produkte in Zukunft nicht mehr auf das Schulgelände kommen dürfen.

Als zusätzliche Maßnahme haben wir diese Informationen auch in Form eines Elternbriefes verteilt.

Für das Verhalten im Notfall, d.h. für den Fall dass ein Kind einen Anaphylaktischen Schock erleidet, wird das Kollegium regelmäßig informiert und geschult. Es gehört zum allgemeinen Aufgabenbereich eines Schulleiters dafür zu sorgen, dass das Kollegium im Bereich "Erste Hilfe-Maßnahmen", und bei Bedarf auch für einen Sonderfall, entsprechend geschult ist.

Eltern von Kindern mit Erdnussallergie berichten oft davon, dass ihr Wunsch, die Schule erdnussfrei zu halten, bei den Eltern der nicht betroffenen Kinder auf wenig Verständnis stößt. Wie war das bei der Sonnenschule?

Diese Erfahrung haben wir nicht gemacht. Ganz im Gegenteil! Wenn man berichtet, wie gefährlich eine Erdnussallergie ist und was passieren könnte, d.h. dass ein Anaphylaktischer Schock lebensgefährlich sein kann, sind auch die Eltern gesunder Kinder zunächst schockiert.

Die meisten Eltern denken beim Stichwort "Allergie" an einen Heuschnupfen oder an Allergien, die evtl. Hautrötungen auslösen können. Dass eine Allergie im schlimmsten Fall tödliche Konsequenzen haben kann, ist vielen Eltern gar nicht bekannt. Nach unserer Erfahrung stößt man auf großes Verständnis, wenn man diesen Eltern dann berichtet, wie sich eine solche Allergie auswirken kann.

Sie haben mittlerweile seit einem knappen halben Jahr Erfahrungen mit Ihrer "erdnussfreien Schule". Wie klappt die Umsetzung heute?

In erster Linie geht es uns darum, dass der Kontakt mit Erdnüssen oder erdnusshaltigen Produkten für das betroffene Kind so weit wie möglich verhindert und somit ein möglicher Anaphylaktischer Schock ausgeschlossen werden.

Das heißt konkret, alle Beteiligten, Lehrer, Mitschüler und Eltern sind sensibilisiert und achten darauf, dass Lebensmittel, die in die Schule gebracht werden, erdnussfrei sind.

Natürlich kann man, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen an unserer Schule, den Kontakt mit Erdnüssen nicht sicher ausschließen. Es ist immer möglich, dass jemand aus Ungewissheit oder Nachlässigkeit erdnusshaltige Lebensmittel mit in die Schule bringt.

Deshalb sind Erinnerungen und Aufklärung in regelmäßigen Abständen in den Klassen, in der Elternschaft, aber auch im Lehrerkollegium unerlässlich.

Laut den Eltern betroffener Kinder fühlen sich nicht alle Schulleitungen und Lehrkräfte wohl mit den von Ihnen beschriebenen Maßnahmen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Meiner Erfahrung nach sind auch Kolleginnen und Kollegen an den Schulen über Erdnussallergie und die damit zusammenhängende Problematik nicht immer ausreichend informiert.

Auch hier könnte gezielte Aufklärung und der richtige Umgang im Notfall zu noch mehr Verständnis und Sicherheit für betroffene Kinder führen.

Herr Zappalà, herzlichen Dank für das Gespräch!

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