Erdnussallergie orales Immuntherapeutikum

Prof. Kirsten Beyer zum Thema: Erdnussallergie - könnte ein orales Immuntherapeutikum helfen?

Erdnussallergie: Könnte ein orales Immuntherapeutikum helfen?

Von einer Erdnussallergie sind bis zu einem Prozent der Kinder in Deutschland betroffen, Tendenz steigend. Während sich Nahrungsmittelallergien im Kindesalter generell mit der Zeit oft verlieren, ist das bei der Erdnussallergie anders. Hier ist das Risiko groß, dass sie bestehen bleibt. Zudem gehört die Erdnussallergie zu den gefährlichen Nahrungsmittelallergien, im schlimmsten Fall kann es zu einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie kommen. Bislang besteht die Therapie erdnussallergischer Patienten in der strikten Meidung des Allergens. Da es nur sehr schwer möglich ist, zu vermeiden, dass das Kind versehentlich mit Erdnüssen in Kontakt kommt, droht stets die Gefahr eines versehentlichen Allergenverzehrs. Hoffnung gibt deshalb eine Studie an einem oralen Immuntherapeutikum, das in der Lage ist, bei den Patienten den Schwellenwert, bei dem es zu einer allergischen Reaktion kommt, zu erhöhen. MeinAllergiePortal sprach mit Koautorin Prof. Kirsten Beyer, Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und Klinik für Pädiatrie m.S. Pneumologie und Immunologie mit Intensivmedizin an der Charité Universitätsmedizin in Berlin.

Frau Prof. Beyer, zu welchem Ergebnis kann die Studie an dem oralen Immuntherapeutikum?

Die Studie konnte zeigen, dass der Schwellenwert, auf den die Kinder und Jugendlichen reagierten, durch die Therapie deutlich gesteigert werden konnte: 67 Prozent der Patienten, die das orale Immuntherapeutikum erhalten hatten, vertrugen bei Studienende 600 mg Erdnussprotein, das entspricht ungefähr zwei Erdnüssen. Das ist eine relevante Steigerung der Verträglichkeit, denn zu Beginn unserer Studie vertrugen die Patienten lediglich bis zu 100 mg Erdnussprotein, das entspricht ca. einem Drittel eines Erdnusskerns. In der Gruppe der Patienten, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden, vertrugen am Ende nur 4 Prozent der Patienten 2 Erdnüsse.

Das orale Immuntherapeutikum bietet so die Möglichkeit, hochallergische Patienten vor allergischen Reaktionen durch versehentliche Aufnahme von Erdnuss besser zu schützen.

Kam es im Rahmen der Studie bei den Patienten, die das orale Immuntherapeutikum erhalten hatten, auch zu Symptomen?

Unter der Therapie kam es auch zu Nebenwirkungen. Einige Patienten haben deswegen auch die Therapie beendet. Dies kam bei 12 Prozent der Pateinten, die das Immuntherapeutikum erhalten haben, und 2 Prozent der Patienten, die das Scheinmedikament erhalten haben, vor. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Magen-Darm-Beschwerden.

Wann wird das orale Immuntherapeutikum zur Verfügung stehen?

Die Ergebnisse der Studie sind ein großer Schritt in die Richtung einer zugelassenen Behandlungsmöglichkeit für Erdnussallergiker. Die Einreichung zur Zulassung dieses Medikaments bei der europäischen Behörde (EMA) ist für die erste Jahreshälfte 2019 geplant.

Frau Prof. Beyer, herzlichen Dank für dieses Interview!

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