Lausner Primarschule Nussverbot nussfrei Schule

Urs Beyeler, Schulleiter der Lausner Primarschule zu seinen guten Erfahrungen mit dem Nussverbot!

Lausner Primarschule: Gute Erfahrungen mit dem Nussverbot

Bei Kindern mit Nussallergien kann der Kontakt mit Nüssen zu einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie führen. Deshalb ist es für viele Familien ein Albtraum wenn die Schulzeit beginnt. Dann können die Eltern nicht mehr sicherstellen, dass ihr Kind nicht mit Nüssen in Kontakt kommt, und die Angst ist groß. Für Schulen wiederum ist es mit großem Aufwand verbunden, Nüsse aus der Schule zu verbannen. Nur selten finden Eltern deshalb eine „nussfreieSchule für ihr Kind. Eine der wenigen Ausnahmen von der Regel ist die Primarschule Lausen im Kanton Basel-Landschaft. Hier ist es Kindern mit Nussallergie seit einem Jahr möglich, angstfrei zur Schule zu gehen. MeinAllergiePortal sprach mit Schulleiter Urs Beyeler über seine guten Erfahrungen mit dem Nussverbot.

Herr Beyeler, von der Vorstellung, zwei nussallergische Kinder in Ihre Schule zu integrieren, waren Sie zunächst nicht begeistert, was waren Ihre größten Befürchtungen?

Gemäss unserem seit Längerem bestehenden Leitbild „stellt sich die Schule Lausen der Herausforderung einer sinnvollen Integration“. Damit sehen wir uns auch in der Pflicht, der zunehmenden Tendenz zur Delegation von gesellschaftlichen Ansprüchen an die Schule eine kritische Prüfung im Einzelfall entgegenzustellen. So meinte ich auch in dieser Situation ursprünglich eine potentielle Überforderung des Systems Schule zu erkennen, zumal hier Betreuungsaufgaben resp. Verantwortlichkeiten im medizinischen Bereich übernommen werden sollten, welche nicht unserem  Kernauftrag entsprachen und angesichts vieler anderer Integrationsaufgaben zunächst das Bild einer potentiellen Überlastung zeichneten.

An welchen Stellen sahen Sie die größten Schwierigkeiten?

Tatsächlich musste – beginnend bei mir – ein Prozess bewirkt werden, welcher diesen Vorbehalten mit Informationsbeschaffung und umfassender Aufklärung aller Beteiligten begegnete. Dabei war nach der Klärung des Verpflichtungsgrades und der Prüfung der operativen Möglichkeiten auch die Vernetzung mit anderen Gemeinden und Instanzen wichtig.

Wichtig war mir im Wissen um die Schwierigkeit der externen Kommunikation zunächst die interne Absprache und Positionierung. Durch einen recht aufwändig vorbereiteten Einbezug aller Schulbeteiligten konnten vorhandene Ängste abgebaut und aufgrund klar definierter Verantwortlichkeiten und Supportmöglichkeiten eine gemeinsam getragene  Bereitschaft für die Integration dieser Kindergartenkinder aufgebaut werden. So erlebten wir dann auch seitens der Gemeindebehörden – das Schulareal und einzelne betroffene Gemeindelokalitäten sind öffentlicher Raum -  eine von Vertrauen getragene Unterstützung unseres pragmatischen Vorhabens zur Risikominimierung.

Die grösste Herausforderung stellte aber die Frage nach der konkreten Umsetzung im Schulprogramm resp. die Kommunikation nach aussen dar: Soll eine „niederschwellige Empfehlung“ abgegeben oder ein „hochschwelliges Verbot“ postuliert werden? Soll nur das Klassenzimmer oder die gesamte Schule davon betroffen sein...?

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Das Nussverbot an Ihrer Schule wurde kontrovers diskutiert, man sah die „Verhältnismäßigkeit“ bei einem Nussverbot nicht gegeben, warum haben Sie sich dennoch dafür entschieden?

Selbstverständlich stossen Verbote in einer auf maximale Freiheit, Ablehnung von autoritären Vorgaben und unbeschränktes Anspruchsdenken sensibilisierten Gesellschaft grundsätzlich auf Widerspruch breiter Bevölkerungskreise. Sich aber konsequent durch Kenntnis dieses Umstands in einer nach sorgfältiger Abwägung als richtig befundenen Entwicklung blockieren zu lassen, kann meines Erachtens nicht zielführend sein.

Diese Abwägungen müssen m.E. primär den Schweregrad einer Allergie resp. Anaphylaxie und das Alter der Kinder berücksichtigen. Bei einer weniger stark ausgeprägten Krankheit kann es durchaus auch ausreichen, niederschwellige, z.B. auf die Klasse eingeschränkte,  Präventionsmassnahmen zu etablieren. Zumindest für eines der Lausner Kinder wäre dies nach medizinisch kompetenter Einschätzung - u.a. aufgrund der akuten Inhalationsgefahr - definitiv nicht ausreichend gewesen.

Natürlich ist es richtig, dass vor dem Aussprechen eines Verbots die Aufklärung und der Appell stehen. Ziel muss auf jeden Fall sein, ein auf Einsicht und Empathie basierendes „Verantwortungsgefühl“ jedes einzelnen Mitglieds einer Gemeinschaft zu bewirken. Genau das ist  auch ein wichtiger Teil unseres pädagogischen Auftrags. Es ist erklärte Absicht, die Kinder unserer Schule nicht zu potentiellen Gefährdern zu erklären, sondern ihnen das Zutrauen in ihre Fähigkeit zur solidarischen Unterstützung zuzusprechen, ohne sie mit der Delegation einer umfassenden Verantwortung unzulässig zu belasten.

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