Fehlbesiedlung Darm Mikrobiom Darmbeschwerden

Dr. med Claus-Hermann Bückendorf, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in Kiel.

Fehlbesiedlung des Darms: Die Rolle des Mikrobioms bei Darmbeschwerden

Sind zur Behandlung der Fehlbesiedlung des Darmes Probiotika- bzw. Präbiotikapräparate nötig oder reicht es, Joghurt zu verzehren?

Joghurt oder anderen gesäuerten Milchprodukten enthalten Probiotika, aber die Konzentration bestimmter Keime, die nötig ist, um eine Fehlbesiedlung des Darmes auszugleichen, findet man nur in speziellen Präparaten aus der Apotheke.

Wie lange dauert es, bis die Wirkung von Prä- und Probiotika eintritt?

Das hängt davon ab, wie lange die Störung besteht. Meist ist es bereits zu etlichen Veränderungen des Darm-Mikrobioms über einen längeren Zeitraum hinweg gekommen, bevor es zu Symptomen kommt.

Bereits nach einer fünftägigen Antibiotika-Therapie ist der Biofilm des Darmes so stark verändert, dass eine drei-  bis vierwöchige Probiotika-Therapie nötig ist, um den Urzustand wiederherzustellen. Kommt es im Anschluss an die erste innerhalb von vier Wochen zu einer zweiten Antibiotikatherapie, dauert es fast dreimal so lang, um den gleichen Effekt zu erzielen. Deshalb ist es empfehlenswert, parallel zur Antibiotikagabe Probiotika einzunehmen.

Es dauert eine ganze Weile, bis der Biofilm des Darmes sich wieder erholt. Bei Patienten, die Symptome entwickelt haben, kann eine Therapie Wochen oder sogar Monate dauern.

Lässt sich eine Fehlbesiedlung des Darmes von vornherein verhindern?

Ein wesentlicher Faktor zur Prävention der Fehlbesiedlung des Darmes ist eine vernünftige gesunde Ernährung. Über die Ernährung kann man also das Mikrobiom des Darmes positiv beeinflussen.

Man weiß jedoch auch, dass Stress einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms hat. Der Biofilm des Darmes hat über Nerven- und Immunzellen Kontakt zum schleimhautassoziierten Immunsystem und dem Nervensystem des Darmes. Diese Regulationssysteme kommunizieren also miteinander und sind sehr eng verzahnt. Veränderungen im Biofilm des Darmes können sich auch an anderen Stellen des Systems bemerkbar machen. Bis zu einem gewissen Grad kann dieses System Schäden kompensieren. Kommen jedoch mehrere Faktoren zusammen, z.B. Fehlernährung, Stress und zusätzlich noch bestimmte Medikamente, kann das System aus den Fugen geraten und es kommt zu einer Störung.

Wenn man Darmprobleme hat, und das ist mittlerweile bei ca. 20 bis 25 Prozent der Bundesbürger der Fall, sollte man deshalb möglichst zeitnah den Ursachen auf den Grund gehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Z.B. kann eine in diesem Bereich kompetente Ernährungsberatung mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung sehr sinnvoll sein.

Eine Schwierigkeit besteht für den Patienten darin, dass viele Fachbereiche nicht über ausreichende Kenntnisse in diesem Bereich verfügen. Selbst Gastroenterologen führen zu 80 Prozent endoskopische Untersuchungen durch. Diese können zwar gravierende Gewebeveränderungen oder Entzündungen feststellen und sind wichtig zum Ausschluss von bestimmten Darmerkrankungen, den Mikrokosmos des Darm-Mikrobioms, der für eine Vielzahl von Funktionsstörungen im Darm verantwortlich ist, erfassen sie jedoch nicht. Dazu benötigt man z.B. den H2-Atemtest, immunologische Untersuchungen etc., die zusammengeführt ein etwas klareres Bild ergeben. Die Patienten sollten wissen, dass es dann auch Möglichkeiten der Behandlung gibt.

Herr Dr. Bückendorf, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.