Darmflora und Allergieneigung bei Kindern

Prof. Dr. med. Carl-Peter Bauer, Zentrum für chronische Erkrankungen, Fachklinik Gaißach

Welche Rolle spielt die Darmflora für die Ausprägung einer Allergieneigung bei Kindern?

Für die Immunabwehr spielt der Darm eine entscheidende Rolle. Im Darm befindet sich ein wesentlicher Teil des menschlichen Mikrobioms, d.h. der Gesamtheit der Mikroorganismen, die im Körper angesiedelt sind. Über die Frage, welche Rolle die Darmflora bei der Ausprägung einer Allergieneigung bei Kindern spielt, sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Carl-Peter Bauer, Zentrum für chronische Erkrankungen, Fachklinik Gaißach.

Herr Prof. Bauer, zu welchem Zeitpunkt erfolgt die Prägung der Darmflora und welche Faktoren sind dabei ausschlaggebend?

Die Darmflora entsteht direkt nach der Geburt, in dem sich Mikroorganismen in dem bis dahin sterilen Darm ansiedeln. Diese Besiedelung wird wesentlich durch den Geburtsvorgang geprägt und die bakterielle Zusammensetzung hängt deshalb stark davon ab, ob die Entbindung vaginal oder per Sectio (Kaiserschnitt) erfolgt. So wissen wir heute, dass vaginal entbundene und anschließend gestillte Kinder eine sogenannte „Bifidumflora“ haben, während Sectiokinder z.T. auch das Bakteriumspektrum des Krankenhauses wiederspiegeln. Da das Immunsystem entscheidend von der Darmflora mitgeprägt wird, gehen wir heute davon aus, dass es auch einen Zusammenhang zwischen der Art der Darmflora und einer späteren Atopieausprägung (Neigung zu allergischen Erkrankungen) gibt.

Ist es möglich, die Darmflora zu optimieren und lässt sich dadurch die Atopieneigung beeinflussen? Inwiefern spielt die Ernährung eine Rolle?

Die Zusammensetzung der Darmflora hängt nach der Geburt wesentlich auch von der frühkindlichen Ernährung ab. So macht es einen Unterschied, ob die Kinder gestillt werden oder eine sogenannte „Säuglingsformula“ erhalten. Am Günstigsten ist es sicherlich, wenn die Kinder gestillt werden. Durch den positiven Effekt des Stillens gedeihen diese Kinder besser, haben weniger häufig Darminfektionen und neigen auch später weniger zu Allergien.

Um die Darmflora der mit Säuglingsmilch ernährten Kinder der Flora von gestillten Kindern anzugleichen, werden der Säuglingsmilch häufig probiotische Keime zugesetzt. Eine andere Möglichkeit ist der Zusatz von sogenannten Präbiotika, d.h. bestimmten Zuckern, die das Wachstum von probiotischen Keimen im Darm des Kindes fördern. Diese probiotischen Keime sind keine „krank machenden Keime“ und gelten somit als sicher.

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