Mikrobiom und Allergie

Prof. Dr. Erika von Mutius, Dr. von Haunersches Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität, München

Mikrobiom und Allergie – ein neues Forschungsgebiet - Kann man schon sagen ob bei einer bereits bestehenden Allergie ...

Kann man schon sagen ob bei einer bereits bestehenden Allergie der Aufenthalt auf einem Bauernhof sozusagen “heilend„ wirken kann?

Nein, wir wissen nicht, ob es hier auch einen therapeutischen Effekt gibt. Man weiß, dass es bei allergischen Kindern, die auf Bauernhöfe kommen, ausgelöst durch Katzen, Heu, Hausstaub etc., zu starken allergischen Reaktionen kommen kann. Ob sich das bei einem längeren Aufenthalt ändern würde, hat man noch nicht untersucht. Auch von den Mausstudien gibt es hierzu bisher noch keine klare Aussage. Prof. Holger Garn, Philips-Universität, Marburg  führt hierzu gerade Studien durch, die kurz vor dem Abschluss stehen.

Gibt es Hinweise darauf, ob sich ein bestehendes "negatives" Mikrobiom optimieren lässt?

Diese Frage stellen wir uns auch gerade im Zusammenhang mit Antibiotika. Im Moment deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Antibiotika das Mikrobiom zwar vorübergehend verändern, das ursprüngliche Mikrobiom aber nach einer gewissen Zeit wieder zurückkehrt. Es sieht auch so aus als gäbe es so etwas wie eine persönliche Bakterien-Aura, die jeder mit sich führt. Noch ist unklar, inwieweit das Mikrobiom jedem Menschen "angeboren" ist, inwieweit es von der Umwelt geprägt ist und in welchem Maße es sich verändern lässt, wenn es einmal festgelegt ist. Das sind viele offene Fragen.

Was sind die nächsten spannenden Fragestellungen für Sie und Ihr Team und welche Ziele verfolgen Sie?

Uns interessiert die Frage: Was ist der Einfluss der Umwelt auf das Mikrobiom? Wir untersuchen Rachen- und Nasenabstriche von Kindern, die auf Bauernhöfen leben und von Kindern, die nicht auf Bauernhöfen leben. Wir haben hier bereits erste Daten und beginnen jetzt mit der Datenanalyse. Die spannenden Fragen sind: "Inwieweit wird das Mikrobiom durch die Umgebung in der man lebt beeinflusst?" und "Gibt es Wechselwirkungen mit Allergieerkrankungen und wie genau sehen diese aus?".

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Sie nähern sich also Schritt für Schritt der Frage, welche Zusammenhänge bestehen und wo sich welche Interventionsmöglichkeiten für die Medizin bieten?

Das ist in der Tat ein langsamer Prozess. Zuerst müssen wir verstehen und beschreiben, denn in der Mikrobiomforschung stehen wir wirklich noch sehr am Anfang. Zum Vergleich: Das Mikroskop wurde ungefähr Anfang des 17. Jahrhunderts erfunden und es dauerte noch fast 200 Jahre bis man wusste, dass bestimmte Krankheiten durch bestimmte Bakterien verursacht werden und bis man die ersten Impfkampagnen durchgeführt hat. Wir werden sicher nicht 200 Jahre brauchen bis wir das Mikrobiom entschlüsselt haben, aber wir wissen noch so wenig und müssen noch sehr viel verstehen lernen, bevor sich klare Aussagen treffen lassen. Wichtig ist es, anzufangen und das tun wir mit unseren Bauernhof-Kinder-Studien - von da aus sehen wir weiter.

Frau Prof. von Mutius, herzlichen Dank für das Gespräch!

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