Intestinale Mikrobioata Darmflora

Prof. Dr. med. Stephan Bischoff, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim und Ärztlicher Direktor des Zentrums für Ernährungsmedizin der Universitäten Hohenheim und Tübingen

Intestinale Mikrobiota – wie beeinflusst die Darmflora die Gesundheit? - Wie lassen sich diese Erkenntnisse für die Therapie von Erkrankungen wie Reizdarm, ...

Wie lassen sich diese Erkenntnisse für die Therapie von Erkrankungen wie Reizdarm, Allergien, Adipositas etc. nutzen?

Wir haben  uns natürlich die Frage gestellt, wie sich aus diesen Erkenntnissen Behandlungskonzepte, jenseits des Ratschlags „gesunde Ernährung und gesunder Lebensstil“ ableiten lassen. Hierfür gibt es sehr positive Hinweise aus tierexperimentellen Daten für den Einsatz von Präbiotika und Probiotika und es gibt auch erste kleine Pilotstudien am Menschen, die diese Daten bestätigen. Wir müssen jetzt abwarten, ob größere Studien diese Hinweise ebenfalls bestätigen. Dabei wird es wichtig sein zu wissen, mit welchem probiotischen Bakterienstamm man welche Wirkung erzielen kann und auch dafür braucht man die entsprechenden Studien.

Übrigens hat man bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen festgestellt, dass Bakteriengemische manchmal effektiver sein können als Einzelsubstanzen.

Weiß man, welche Mechanismen der Wirkung der Probiotika zugrunde liegen?

Man kann nur ansatzweise sagen, wie die Probiotika wirken. Wir wissen z.B. dass einige Probiotika die Darmbarriere stärken, indem sie die Bildung körpereigener Antibiotika anregen, sogenannte Defensine. Man hat auch festgestellt, dass Probiotika die Induktion von Tight Junction Proteinen, d.h. Eiweißmolekülen, die für die Zellverbindungen im Darm wichtig sind, anregen. Über diese Wege üben Prä- und Probiotika ihren positiven Effekt aus.

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Das Thema intestinale Mikrobiota steht noch am Anfang. An welchen Fragestellungen wird aktuell geforscht?

Ein Forschungsansatz bei der intestinalen Mikrobiota ist es, dass man nicht allein die bereits vorhandenen Prä- und Probiotika untersuchen will, sondern man will neue entwickeln. Außerdem muss man noch sehr viel genauer untersuchen, inwieweit die tierexperimentellen Daten auf den Menschen übertragbar sind. Außerdem benötigen wir mehr Studien und auch größere Studien, die über längere Zeiträume laufen, damit wir Fragen beantworten können wie: „Ist die durch die Präbiotika und Probiotika erzielte Veränderung der Darmflora robust? Sind die Effekte reproduzierbar? Sind die Präparate sicher? Gibt es Nebenwirkungen? Gibt es Subgruppen? etc. Es müssen noch sehr viele Details untersucht werden, bevor man hier guten Gewissens Empfehlungen geben kann.

Herr Prof. Bischoff, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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