Stuhltransplantationen

Prof. Dr. Max Reinshagen, Chefarzt der Klinik für Magen- und Darmerkrankungen am Klinikum Braunschweig

Stuhltransplantationen: Wann ist diese Therapie sinnvoll, wann nicht? - Es gibt Überlegungen, eine Stuhltransplantation auch beim Reizdarm-Syndrom einzusetzen,...

Es gibt Überlegungen, eine Stuhltransplantation auch beim Reizdarm-Syndrom einzusetzen, wie ist dies aus Ihrer Sicht zu beurteilen?

Es wird in der Tat diskutiert, ob eine Stuhltransplantation beim Reizdarm-Syndrom eine Therapieoption darstellt. Hierfür gibt es jedoch noch keinerlei Evidenz, d.h. die Wirksamkeit einer solchen Therapie ist noch nicht durch Studien nachgewiesen worden. Zwar liegen Berichte zur Behandlung des Reizdarms durch Stuhltransplantationen aus Australien vor, allerdings wurden diese nie durch Studien belegt. Veröffentlichungen zur Stuhltransplantation beim Reizdarm-Syndrom gibt es derzeit nicht. Die einzige Indikation, die es im Augenblick gibt, ist, wie gesagt, die rezidivierende Clostridienkolitis. Deshalb würde man eine Stuhltransplantation zur Behandlung eines Reizdarm-Syndroms zurzeit nicht einsetzen.

Gibt es in Bezug auf andere Darmerkrankungen Überlegungen, die Stuhltransplantation als Therapie einzusetzen?

Man hat Studien zur Stuhltransplantation mit Patienten durchgeführt, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen litten. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind z.B. Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bisher sind die Ergebnisse dieser Studien aber alle enttäuschend und weitestgehend negativ. Deshalb macht es keinen Sinn, ungezielte Therapien durchzuführen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen wurde. Zwar gibt es eine Studie zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aus den USA, die an Kindern durchgeführt wurde und die für die Stuhltransplantation eine gewisse Wirkung zeigen konnte, aber bei mehreren Studien an Erwachsenen waren die Ergebnisse negativ.

Hinzu kommt beim Reizdarm-Syndrom, dass es sich hierbei um einen Sammelbegriff handelt. Patienten mit Reizdarm-Symptomen haben oft eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Probleme, z.B. auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass man mit dieser einen Therapie, der Stuhltransplantation, all diesen Patienten helfen kann.

Vielleicht gibt es eine Subgruppe dieser Patienten, bei denen eine reaktive Veränderung ihres Mikrobioms vorliegt, und bei diesen Patienten könnte eine Stuhltransplantation möglicherweise sinnvoll sein. Wir sind hier aber noch ganz weit weg von einer klinischen Anwendung. Von ungezielten Therapien muss ich deshalb dringend abraten, es sei denn es handelt sich um klinische Studien.

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