Stuhltransplantationen

Prof. Dr. Max Reinshagen, Chefarzt der Klinik für Magen- und Darmerkrankungen am Klinikum Braunschweig

Stuhltransplantationen: Wann ist diese Therapie sinnvoll, wann nicht?

Im Zusammenhang mit Erkrankungen des Darms wie z.B. dem Reizdarm-Syndrom oder Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen (CED) fällt hin und wieder das Stichwort "Stuhltransplantation". Für Menschen, die an diesen Erkrankungen leiden, stellt sich deshalb die Frage, ob eine Stuhltransplantation auch zur Behandlung der eigenen Erkrankung in Frage käme. MeinAllergiePortal sprach deshalb mit Prof. Dr. Max Reinshagen, Chefarzt der  Klinik für Magen- und Darmerkrankungen am Klinikum Braunschweig, der einer der ersten Mediziner in Deutschland war, der Stuhltransplantationen vorgenommen hat, über Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung.

Herr Prof. Reinshagen, was versteht man unter einer Stuhltransplantation?

Eine Stuhltransplantation bedeutet, dass einem Patienten fremder Stuhl übertragen wird und dieser dann den Dickdarm des Patienten kolonisiert. Dadurch wird die Darmflora eines Spenders auf den Empfänger übertragen.

Bei welchen Erkrankungen setzt man die Stuhltransplantation ein?

Zurzeit ist die einzige Indikation, bei der eine Stuhltransplantation durchführt wird, die rezidivierende Clostridieninfektion. Bei Patienten mit rezidivierenden Clostridieninfektionen ist der Darm nach einer Antibiotikatherapie nicht in der Lage, die eigene Darmflora zu rekolonisieren.Eine Antibiotikatherapie reduziert die normale Darmflora und dadurch nimmt bei diesen Patienten der Darmkeim Clostridium difficile, den 20 Prozent der Bevölkerung in sich tragen, überhand und kann sprunghaft hochwachsen. Warum dies so ist, kann man noch nicht genau sagen. Durch Toxine, die von diesen Clostridien gebildet werden, bekommen die Patienten extrem schwere blutige Durchfälle.

Die Patienten werden dann zunächst wiederum mit Antibiotika behandelt, d.h. mit den Wirkstoffen Metronidazol oder einem Antibiotikum aus der Wirkstoffgruppe der Glykopeptid-Antibiotika. Bei der überwiegenden Anzahl der Patienten wird der Keim Clostridium difficile damit so weit unterdrückt, dass sich die normale Darmflora wieder aufbauen kann. Bei etwa 90 Prozent der Patienten mit rezidivierenden Clostridieninfektionen ist dies der Fall und sie verlieren ihre Beschwerden.

Bei 5 bis 10 Prozent, also einer ganz kleinen Gruppe dieser Patienten, schlagen die Antibiotika jedoch nicht an und es kommt immer wieder zu Clostridieninfektionen. Möglicherweise besteht bei diesen Patienten ein Systemdefekt. Diese kleine Gruppe von Patienten mit rezidivierender Clostridienkolitis kann man dann mit einer Stuhltransplantation sehr erfolgreich behandeln und 90 Prozent dieser Patienten sind nach der Behandlung beschwerdefrei. Warum das so ist, weiß man allerdings noch nicht.

Nur für die Behandlung dieser schweren Erkrankung ist eine Stuhltransplantation sinnvoll. Allerdings muss ich betonen, dass es sich auch dabei um einen individuellen Heilversuch handelt und nicht um eine anerkannte Heilmethode. Abgesehen von der rezidivierenden Clostridienkolitis gibt es keine andere geprüfte Indikation.

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