Fettsäuren beeinflussen Darmbakterien Allergien

Prof. Dr. Harald Renz zum Thema: Fettsäuren - wie beeinflussen sie Darmbakterien und Allergien?

Fettsäuren: Wie beeinflussen sie Darmbakterien und Allergien?

Welche Eigenschaften haben die kurzkettigen Fettsäuren?

Diese kurzkettigen Fettsäuren – Acetat, Propionat und Butyrat - können vom Menschen ebenfalls nicht selbst produziert werden, sie werden aber auch nicht über die Ernährung aufgenommen. Produziert werden die kurzkettigen Fettsäuren von den Bakterien im menschlichen Darm, aber nur von ganz bestimmten Darmbakterien. Dafür brauchen diese Darmbakterien ein bestimmtes „Futter“ in Form von sogenannten „Ballaststoffen“, die vom Menschen über die Ernährung aufgenommen werden, aber eigentlich nicht weiter verwertbar sind.

Neuste Untersuchungen konnten nun zeigen, dass sich die Konzentration an ungesättigten Fettsäuren im Darm deutlich erhöht, wenn große Mengen bestimmter ballaststoffreicher Nahrungsmittel verzehrt werden. Zu den ballaststoffreichen Nahrungsmitteln zählen zum Beispiel bestimmte Obst- und Gemüsesorten.

Welche Funktion haben die kurzkettigen Fettsäuren für die Darmbakterien?

Kurzkettige Fettsäuren haben eine wesentliche stabilisierende Funktion auf die Darmschleimhaut und auf das mit der Darmschleimhaut in Verbindung stehende Immunsystem. Hier stimulieren die kurzkettigen Fettsäuren die Entwicklung sogenannter regulatorischer T-Zellen. Die regulatorischen T-Zellen agieren wie eine Art „Bremse“ im spezifischen Immunsystem und verhindern die Ausbildung von „entzündlichen“ T-Zellen, wie wir sie zum Beispiel bei einer Allergie, einschließlich der Nahrungsmittelallergie, finden. All diese Erkenntnisse zeigen eindrücklich, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Diät, dem Mikrobiom bzw. den Darmbakterien und der Immunantwort gibt.

Wie sieht der Zusammenhang zwischen bestimmten Fettsäuren, den Darmbakterien und allergischen Erkrankungen aus?

Bei Kindern mit verschiedenen allergischen Erkrankungen, zum Beispiel Asthma oder Nahrungsmittelallergien, konnte in vielen Studien eine sogenannte „Dysbiose“ des Mikrobioms, vor allen Dinge im Darm, nachgewiesen werden. Das bedeutet, diese Kinder haben zum einen andere Bakterien in ihrem Darm und zum anderen findet man diese Bakterien in anderen Mengenverhältnissen als bei gesunden Kindern. Außerdem zeigt sich bei den allergischen Kindern auch immer wieder, dass es ihnen gerade an den Bakterien fehlt, die für die Produktion kurzkettiger Fettsäuren verantwortlich sind.

Welche Potenziale ergeben sich aus der Rolle bestimmter Fettsäuren für die Therapie von Allergien?

Die Konsequenz daraus könnte sein, dass man über die Zufuhr bestimmter Fettsäuren vielleicht in das allergische Geschehen eingreifen könnte. Denkbar wäre zum Beispiel, die Besiedelung des Darms mit Bakterien zu fördern, die Ballaststoffe verdauen und dafür kurzkettige Fettsäuren produzieren können. Vielleicht könnte man sogar Allergien verhindern, indem man allergiegefährdeten Kindern kurzkettige Fettsäuren zuführt.

Zusammenfassend kann man sagen: Fette sind nicht gleich Fette! Es gibt Fette mit „guten“ und Fetten mit „schädlichen“ Funktionen und Effekten und das Mikrobiom spielt dabei eine zentrale Rolle. Allerdings muss noch viel Forschungsarbeit geleistet werden, bevor diese Erkenntnisse im klinischen Alltag ankommen.

Herr Prof. Renz, herzlichen Dank für dieses Interview!

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