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Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim zum Thema: Mikrobiom - Mikrobiota: was Allergien mit Antibiotika zu tun haben!

Mikrobiom/Mikrobiota: Was Allergien mit Antibiotika zu tun haben

Oft hört man dass Antibiotika eingesetzt werden obwohl dies gar nicht nötig ist…

Dabei handelt es sich um eine Art “Sicherheitsmedizin”. Einerseits helfen Antibiotika bei viralen Infektionen nicht. Antibiotika werden aber oft dennoch eingesetzt, um bei einer viralen Infektion eine zusätzlich mögliche bakterielle Infektion zu verhindern. Die Schleimhäute können durch die Viren so stark angegriffen sein, dass sich Bakterien ansiedeln. Allerdings muss dies nicht passieren und deshalb werden möglicherweise Antibiotika tendenziell zu früh eingesetzt.    

Hinzu kommt das Problem, dass Antibiotika ja auch bei der Viehzucht eine wichtige Rolle spielen.

Welche Rolle spielen Antibiotika bei der Viehzucht?

Sowohl bei der Geflügelzucht als auch bei der Viehzucht werden Antibiotika prophylaktisch eingesetzt, um bakterielle Infektionen von vornherein zu verhindern. Zwar gibt es mittlerweile strengere Regularien als dies früher der Fall war, Tatsache ist jedoch, dass über die  Antibiotikabehandlung der Tiere, und somit über die Nahrung, Antibiotika in den Körper gelangen. Dies gilt übrigens auch für die Fischzucht, bei der Antibiotika in hohen Dosierungen in den Gewässern eingesetzt werden. Hier haben wir ein echtes systemisches Problem.

Wirken sich denn alle Antibiotika gleichermaßen auf die Mikrobiota aus oder gibt es Unterschiede?

In einer Placebo-kontrollierten Studie1) an 124 Kindern wurde die Wirkung unterschiedlicher Antibiotikapräparate untersucht. Beim Vergleich von den häufig verwendeten Präparaten Amoxicillin, Azithromycin und Cotrimoxazol zeigte sich, dass insbesondere das Azithromycin die Diversität der Darmbakterien signifikant verringert hat.

Man hat jedoch auch Zusammenhänge zwischen einer durch Antibiotika gestörten Mikrobiota und Allergien gesehen.

Was weiß man über den Zusammenhang zwischen Mikrobiota und Allergien?

Es gibt eine Studie2) zum Zusammenhang zwischen der Mikrobiota und Allergien, bei der man an einem Mausmodell gearbeitet hat. Dazu hat man Mäuse mit Antibiotika behandelt und dann versucht, sie mit Erdnussallergenen zu sensibilisieren und so eine Erdnussallergie hervorzurufen. Tatsächlich hat man dann in der mit Antibiotika behandelten Gruppe eine signifikant erhöhte Menge von Erdnuss-spezifischem IgE feststellen können. Bei dieser Gruppe war auch die Mikrobiotakomposition signifikant verändert. Das weist darauf hin, dass die Antibiotika in der Mikrobiota Veränderungen auslösen und dass dadurch Allergien entstehen.

Gibt es hierzu auch schon Studien am Menschen?

In einer kanadischen Studie3) aus dem Jahr 2018 wurde eine große Geburtenkohorte analysiert. Es zeigte sich, dass 10,1 Prozent dieser Kinder Asthma entwickelt hatten, wobei sich bei den Antibiotika-exponierten Kindern ein signifikant erhöhtes Risiko zeigte. Dieses Risiko war dosisabhängig, das heißt mit jedem Antibiotika-Zyklus stieg das Asthmarisiko, so dass es nach drei Zyklen im Vergleich zu den nicht mit Antibiotika behandelten Kindern bereits um 50 Prozent erhöht war.

In dieser Studie wurde auch der maternale Antibiotikakonsum während der Schwangerschaft untersucht. Auch hier zeigte sich, dass der Antibiotikaverbrauch der Mütter für bis zu neun Monate postnatal ein erhöhtes Allergierisiko für die Kinder mit sich brachte. Warum dieses Risiko auch nach der Geburt noch besteht, konnte nicht geklärt werden. Möglicherweise kommt das Kind durch das Stillen mit den Antibiotika in Kontakt.

In einer Literatur-Recherche haben wir selbst zudem zahlreiche Evidenz dafür gefunden, dass bei Allergikern eine reduzierte Diversität der Mikrobiota vorliegt. Logisch, dass Antibiotika in dieselbe Kerbe schlagen.

Welche Bakterien sind in der Mikrobiota von Allergikern auffällig?

In den unterschiedlichsten Studien sind für Allergiker Dysbiosen der Mikrobiota beschrieben. So findet man bei Allergikern zum Beispiel erhöhte Mengen an Actinobacteria und Firmicutes und erniedrigte Anteile an Bacteroidetes. Letztendlich bestätigt dies die Hygiene-Hypothese und in den Bauernhof-Studien von Prof. Erika von Mutius und KollegInnen hat sich ja ebenfalls gezeigt, dass es einen Art “Bauernhof-Schutzfaktor” gibt.

 

Mit Allergien assoziierte Organismen im menschlichen Mikrobiom
Phylum Family Genus Reported abundancy in allergy
Actinobacteria Bifidobacteriaceae Bifidobacterium increased/ decreased
  Coriobacteriaceae Collinsella increased/ decreased
Bacteriodetes Bacteroidaceae Bacteroides decreased/ increased
  Rikenellaceae Rickenella decreased
  Porphyromonadaceae Porphyromonas Parabacteroides decreased
  Prevotellaceae Prevotella decreased/ increased
Firmicutes Lactobacillaceae  Lactobacillus increased/ decreased
  Streptococcaceae Streptococcus decreased
  Enterococcaceae Enterococcus decreased/ increased
  Staphylococcaceae Staphylococus decreased
  Clostridiaceae/Cluster I Clostridium increased
  Clostridiaceae/Cluster IV Butyricicoccus  n/a
    Anaerobacter  increased/ decreased
  Lachnospiraceae Lactonifactor  n/a
    Blautia  decreased/ increased
    Roseburia  increased
  Ruminococcacea/ Cluster IV Ruminococcus increased 
    Faecalibacterium  increased/ decreased 
    Subdoligranulum  increased/ decreased 
  Veillonellaceae Dialister  decreased 
    Megamonas  n/a 
    Megasphaera  decreased 
    Veillonella  decreased 
Proteobacteria Enterobacteriaceae Escherichia  decreased/ increased 
    Citrobacter increased 
  Pseudomonadaceae Pseudomonas  
  Moraxellaceae Acinetobacter decreased 
  Campylobacteraceae Campylobacter  decreased 
    Arcobacter  
Verrucomicrobia Akkermansiaceae Akkermansia  increased/ decreased 
Kingdom Fungi: Ascomycota Saccharomycetaceae Candida increased
Quelle: Adaptierte Tabelle aus: Roth-Walter F, Pacios LF, Bianchini R, Jensen-Jarolim E, Linking iron-deficiency with allergy: role of molecular allergens and the microbiome, Metallomics. 2017 Dec 1;9(12):1676-1692. doi: 10.1039/c7mt00241f. Epub 2017 Nov 9     

 

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