Mikrobiom Mikrobiota Allergien Antibiotika

Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim zum Thema: Mikrobiom - Mikrobiota: was Allergien mit Antibiotika zu tun haben!

Mikrobiom/Mikrobiota: Was Allergien mit Antibiotika zu tun haben

Die Mikrobiomforschung bzw. die Mikrobiotaforschung gehört zu den spannendsten Forschungsfeldern unserer Zeit. Viele Fragen sind noch offen, aber eine Reihe von Zusammenhängen zwischen bestimmten Erkrankungen und Störfaktoren der Mikrobiota sind mittlerweile bekannt, so auch bei Allergien. MeinAllergiePortal sprach mit Univ. Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der Medizinischen Universität Wien, Allergologin und Fachärztin für Immunologie mit AllergyCare® im Ordinationszentrum Privatklinik Döbling über das Thema Mikrobiom - Mikrobiota: Was Allergien mit Antibiotika zu tun haben.

Frau Prof. Jensen-Jarolim, was ist der Unterschied zwischen Mikrobiom und Mikrobiota?

Mit Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit alle genomisch möglichen Mikroorganismen - eine Art “Kosmos” der Mikroorganismen. Dazu gehören unter anderem Bakterien, Viren oder auch Pilze. Von der “Mikrobiota” spricht man, wenn es um die Mikroorganismen der äußeren und inneren Oberflächen des Körpers geht.

Man könnte auch sagen: Wenn das Mikrobiom der “Kosmos” ist, sind die Mikrobiota die Besiedeler der “Erde”. Dabei ist die Mikrobiota speziesspezifisch, das heißt, es gibt eine Mikrobiota des Menschen, des Hundes, des Vogels etc.. “Speziesspezifisch” bedeutet jedoch nicht, dass die Mikrobiota aller Individuen innerhalb einer Spezies identisch ist. Zwar hat beispielsweise die für den Menschen typische Mikrobiota eine bestimmte ungefähre Zusammensetzung, die individuelle Mikrobiota unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch.

Welche Rolle spielt die Mikrobiota für die Gesundheit des Menschen?

Wir haben in Österreich die Austrian Microbiome Initiative, kurz AMICI. Der Name beschreibt die Rolle der Mikrobiota sehr gut, denn AMICI ist der italienische Begriff für “Freunde” und die Mikrobiota ist unser Freund. Eigentlich! Denn diesen Freund können wir auch beeinträchtigen. Wichtig für eine gesunde Mikrobiota ist eine gewisse Vielfalt und diese Vielfalt wird durch eine Reihe von Faktoren erzeugt und erhalten.

 

Welche Faktoren begünstigen die Vielfalt der Mikrobiota?

Begünstigend für die Vielfalt der Mikrobiota ist z.B. die natürliche Geburt, das Stillen des Säuglings, eine Mikrobiota-freundliche Ernährung und das Leben auf einem Bauernhof mit vielen Tieren. All diese Faktoren beeinflussen und prägen die Zusammensetzung unserer Mikrobiota. Auch das Zusammenleben mit Haustieren spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Dabei kommt es auf eine gewisse Dichte der Bakterien auf der Haut und der Schleimhaut an aber auch auf eine gewisse Vielfalt der Spezies.

Welche Faktoren wirken sich negativ auf unsere Mikrobiota aus?

Es gibt auch Faktoren, die die individuelle Zusammensetzung der Mikrobiota des Menschen negativ beeinträchtigen können. Dazu gehören unter anderem Antibiotika, eine Kaiserschnittgeburt und eine ungesunde Fast Food-und Fertig-Ernährung.

Von den Antibitotika weiß man, dass sie die Zusammensetzung der Mikrobiota empfindlich schädigen können. Bereits nach einer kurzen Behandlungsdauer von nur 7 Tagen reduziert sich die Diversity, die Vielfalt der Keime im Darm, im Lumen von normalerweise 440 Keimen auf nur etwa 20 Spezies. Im Anschluss an die Antibiotika-Behandlung dauert es dann viele Monate bis sich die natürliche Mikrobiota des Patienten, die ihn von Geburt an geprägt hat, aus den Nischen wieder aufbaut. In dieser Zeit kommt es also zu einem Defizit.

Advertorial

Wie wirkt sich dieses Defizit in der Zeit zwischen Antibiotika-Behandlung und Wiederaufbau der Mikrobiota aus?

Die Mikrobiota dient als Schutzfilm. Sie stimuliert die Schleimhäute des Darmes und der Haut und hilft dabei, eine Barrierefunktion aufzubauen. Reduziert sich die Diversität auf nur wenige Keime besteht die Gefahr, dass sich pathogene Keime ausbreiten, die dort eigentlich nichts verloren haben. Zum Beispiel können sich anaerobe Keime ansiedeln oder andere schädliche Keime, die sich zu diesem Zeitpunkt in unserer Umgebung befinden. Es kann dann zu Fehlbesiedelungen kommen, und dadurch zu einem Bedarf an neuen Antibiotikabehandlungen. Ein Kreislauf beginnt, in dem die Vielfalt der Mikrobiota iatrogen, aber auch durch vom Patienten selbst aufgenommene Antibiotika, gestört wird. Natürlich spielt hier auch der Lebensstil eine Rolle. Man kann es sich nicht leisten, krank zu sein und greift dann lieber zu Antibiotika.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.