Übergewicht Erkrankungen Schutzmechanismus

Übergewicht: Auslöser von Erkrankungen oder Schutzmechanismus?

Übergewicht: Auslöser von Erkrankungen oder Schutzmechanismus?

Es kommt also auf die Umwelt, in der man aufwächst, an und auf die Umstände?

Unbedingt! Ein Beispiel dafür, wie die Umwelt die Ernährungsgewohnheiten und auch die Fähigkeit, Nahrungsmittel zu verwerten, beeinflusst, ist die sogenannte Laktoseintoleranz, genau genommen der Laktasemangel. Dieser nach dem 2. Lebensjahr auftretende Enzymmangel ist ein weltweites Phänomen, allerdings mit erheblich unterschiedlicher Häufigkeit in verschiedenen Völkern. Insgesamt kommt es hierzu bei mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung.

Es ist ein natürlicher Verlauf, dass die Fähigkeit, Milchzucker zu spalten, verloren geht, wenn die Säuglingszeit vorbei ist. In den Regionen, in denen Viehzucht betrieben wurde, haben sich aber die evolutionär die Menschen „durchgesetzt“, die auch als Erwachsene Milchprodukte vertragen konnten. So wurde in Bezug auf die Verträglichkeit von Milch ein Defekt („Laktase-Persistenz“) zu einem Selektionsvorteil, und ähnliches ist auch beim Getreide zu beobachten. Auch dass Mitteleuropäer Getreide vertragen, während dies in anderen Regionen der Welt nicht der Fall ist, hängt damit zusammen, dass dies evolutionär von Vorteil war.

Die Prägung durch die Umwelt ist aber auch einer der Gründe dafür, dass es zu Allergien kommt.

Inwiefern kann die Umwelt Allergien begünstigen?

Die Umwelt, und dazu gehört z.B. auch die Ernährung der Mutter in und sogar vor der Schwangerschaft, ist prägend für das Kind. Nahrungsmittel, die die Mutter in dieser Zeit zu sich nimmt, werden vom Kind in der Regel vertragen, weil das Kind genau darauf adaptiert und vorbereitet wird. Das ist mit ein Grund dafür, dass es bei nicht regionalen, importierten Nahrungsmitteln häufiger zu Allergien kommen kann. Hinzu kommt, dass viele künstlich hergestellte Produkte Strukturen nachahmen, die dann vom Immunsystem als Allergen „eingeordnet“ werden könnten.

Auch die Zusammensetzung der Darmbakterien wird von der Umwelt beeinflusst.

Welchen Umwelteinflüssen sind die Darmbakterien ausgesetzt?

Wir bilden eine Art Gemeinschaft mit unseren Darmbakterien, und diese spielen wahrscheinlich schon sehr früh im Leben eine große Rolle. Unsere Symbiose mit den Darmkeimen, 1014 haben wir in unserem Darm, ist aber sehr individuell, und Umwelteinflüsse der ersten Lebenstage , –wochen und -monate sind äußerst relevant. Dabei spielt es eine Rolle, was die Mutter in der Schwangerschaft gegessen hat, was sie in der Stillzeit isst und was das Kind als erstes zu Essen bekommt. Im Idealfall bekommt es das, was es von der Mutter gewohnt ist, und im Idealfall hat sich die Mutter gesund ernährt.

Das Mikrobiom wird also frühkindlich geprägt?

Das Mikrobiom ist noch lange nicht vollständig erforscht oder gar verstanden. Man weiß jedoch, dass das Mikrobiom eines Kindes nach circa einem Jahr bereits so stabil ist, dass es kaum noch wesentlich zu beeinflussen ist. In unserer aktuellen Studie untersuchen wir unter anderem auch, wie dieser Zeitkorridor genau bemessen ist und was passiert, wenn frühe „Störungen“ eintreten. Möglicherweise haben frühe Störungen einen großen Einfluss auf das Entstehen vieler (chronischer) Störungen und Erkrankungen im späteren Leben.

Herr Prof. Melter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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