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Wann hat man eine chronische Bronchitis?

chronische Bronchitis
Wann spricht man von einer chronischen Bronchitis? Bildquelle: pixelshot, enot-poloskun

Viele Menschen leiden unter langanhaltendem Husten. Bei Rauchern spricht man im Volksmund von „Raucherhusten“, aber auch Nicht-Raucher können betroffen sein. Ab wann spricht man bei anhaltendem Husten von chronischer Bronchitis? Welche Ursachen können dahinterstecken und wie sehen Diagnosestellung, Behandlung und die Prognose aus?

 

Autor: Dr. med. Anna Eger

 

Chronische Bronchitis: Die wichtigsten Fakten!

Bei langanhaltendem Husten kann es sich um eine chronische Bronchitis handeln

Eine chronische Bronchitis kann in eine chronisch-obstruktive Bronchitis übergehen

Bei der chronischen Bronchitis spielen sich komplexe Entzündungsprozesse in der Bronchialschleimhaut ab, die zu irreversiblen Umbau- und Zerstörungsvorgängen führen

Rauchen ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer chronischen Bronchitis

Es gibt noch weitere, unter anderem erblich und beruflich bedingte, Risiken für die Entwicklung einer chronischen Bronchitis

Die chronische Bronchitis ist nicht heilbar, kann aber symptomorientiert behandelt werden

Die medikamentöse Behandlung der chronischen Bronchitis sieht je nach Bedarf schleimlösende und bronchienerweiternde Mittel, gelegentlich auch Antibiotika vor

Was ist eine chronische Bronchitis?

Gemäß der WHO wird die chronische Bronchitis folgendermaßen definiert: Husten mit Auswurf über mindestens drei Monate in jedem von mindestens 2 aufeinanderfolgenden Jahren.

Was ist eine chronisch obstruktive Bronchitis?

Bei der chronisch obstruktiven Bronchitis, auch COPDchronisch obstruktive Lungenerkrankung genannt – besteht über die chronische Bronchitis hinaus eine dauerhafte, nicht reversible und fortschreitende Verengung (Obstruktion) der Atemwege, die mit einer erhöhten Entzündungsreaktion in der Atemwegsschleimhaut und Zerstörung von Lungengewebe einhergeht.

Wie äußert sich eine chronische Bronchitis? Wie sehen die Symptome aus?

Husten, der für längere Zeit anhält, und der mit schleimigem Auswurf verbunden ist, ist das Leitsymptom einer chronischen Bronchitis. Zusätzlich können insbesondere bei Entwicklung einer chronisch-obstruktiven Bronchitis Kurzatmigkeit und Atemnot bei Belastung auftreten. Damit einhergehen kann auch ein Engegefühl im Brustkorb, vor allem während sogenannter akuter Exazerbationen. Exazerbation bedeutet eine plötzliche Verschlechterung von Symptomen einer chronischen Erkrankung.

Wann kommt es bei chronischer Bronchitis zum Lungenemphysem?

Lungenemphysem bedeutet, dass die Lunge vermehrt mit Luft gefüllt und das Lungengewebe irreversibel zerstört ist. Das kann passieren, wenn die Entzündung aus den oberen Atemwegen in die Lungenbläschen absteigt. Sogenannte neutrophile Granulozyten produzieren Enzyme, die Elastasen heißen und diese schmelzen die feinen Zellwände der Lungenbläschen ein. Wenn zufällig zusätzlich ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel vorliegt, wird dieser Prozess beschleunigt.

Ursachen: Wie entsteht eine chronische Bronchitis?

Bei der Entstehung einer chronischen Bronchitis spielen lokale Entzündungsprozesse im Bereich der Bronchialschleimhaut eine Rolle. Dabei führen verschiedene Entzündungsmediatoren zu Umbauprozessen im Bronchialepithel. Aus dem sogenannten respiratorischen Epithel mit Flimmerhärchen entsteht minderwertiges Plattenepithel. Darüber hinaus führt eine Vermehrung der sogenannten Becherzellen, das sind kleine Drüsen in der Bronchialschleimhaut, einerseits dazu, dass das Sekret zäher wird und andererseits, dass vermehrt Schleim produziert wird. Alle diese Faktoren führen dazu, dass der Selbstreinigungsmechanismus der unteren Atemwege nicht mehr funktioniert.

Chronische Bronchitis durch Rauchen

Tabakkonsum, nicht nur aktiv, sondern auch passiv, gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung und den Progress einer chronischen Bronchitis. Deshalb ist das Vermeiden des Tabakrauchens eine Hauptsäule der nichtmedikamentösen Behandlungsmaßnahmen.

Chronische Bronchitis durch Dampfen oder Shisha

E-Zigaretten und Wasserpfeifen scheinen keinesfalls eine harmlose Alternative zum Tabakrauchen zu sein. In Studien zeigte sich ein deutlich häufigeres Auftreten von chronischen bronchitischen Symptomen bei E-Zigarettenrauchern. In E-Zigarettendampf sind neben Nikotin auch Aldehyde und Übergangsmetalle, sowie in niedriger Konzentration auch flüchtige organische Verbindungen nachweisbar, die einen schädlichen Einfluss auf das Bronchialepithel haben. Beim Shisha-Rauchen wird während einer Sitzung die Nikotinmenge von etwa 10 Zigaretten aufgenommen, vom Rauchvolumen betrachtet sind es sogar 100 Zigaretten. Die bei der Verschwelung des Tabaks entstehenden giftigen und krebserzeugenden Stoffe gelangen beim Shisha-Rauchen ungefiltert und in großen Mengen in die Lunge. Die Häufigkeit einer chronischen obstruktiven Bronchitis ist unter Shisha-Rauchern bis 8-fach erhöht.

Chronische Bronchitis durch COPD

Sobald es bei einer chronischen Bronchitis zu einer spirometrisch messbaren Atemwegsobstruktion kommt, kann man von einer obstruktiven Bronchitis sprechen. Dies gilt auch als Unterscheidungsmerkmal zwischen einer chronischen Bronchitis und COPD. Die COPD ist also eine chronische Bronchitis mit einer nicht reversiblen Verengung der Atemwege.

Chronische Bronchitis durch Asthma

Eine chronisch-obstruktive Bronchitis kann eine Asthmakomponente aufweisen, welche sich durch chronisch produktiven Husten, Giemen und partiell reversible Atemwegsverengung charakterisiert. Im Gegensatz zur COPD ist die Verengung der Atemwege beim Asthma reversibel. Diese Form der Überlappung beobachtet man häufig bei Rauchern mit bekanntem Asthma. Manchmal können Asthma und COPD nicht sicher voneinander unterschieden werden. Man spricht dann von einem Asthma-COPD-Overlap-Syndrom.

Chronische Bronchitis durch chronische Rhinosinusitis

Unter einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut leiden etwa 10 Prozent der Deutschen. Diese Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko an Lungenerkrankungen wie einer chronischen Bronchitis zu erkranken, weil die Entzündung aus den oberen in die unteren Atemwege absteigen kann.

Chronische Bronchitis durch Allergie

Im Gegensatz zum Asthma besteht bei der chronischen Bronchitis selten und wenn, kein kausaler Zusammenhang zu dem Vorhandensein von Allergien.

Chronische Bronchitis durch Luftschadstoffe

Schadstoffe, die sich in der Luft befinden und eine chronische Bronchitis verursachen können, sind verschiedene anorganische und organische Stäube, sowie irritativ wirkende Gase, wie Ozon, Schwefeldioxid, Chlorgas, Ammoniak, Alkohole oder Formaldehyd. Dieser Aspekt hat besonders in der beruflichen Exposition seine Bedeutung.

Berufliche Tätigkeiten mit einer hohen Exposition an organischen Stäuben, die zu einer chronischen Bronchitis führen können, sind:

  • Bergbautätigkeiten (Kohle und Quarz)
  • Tunnelbauer
  • Metallarbeiter (Schmelzprozesse)
  • Koksofenarbeiter
  • Asphaltarbeiter
  • Zementarbeiter
  • Schweißer
  • Cadmiumarbeiter
  • Tätigkeiten in der Gastronomie (Passivraucher)
  • Tätigkeiten mit Exposition gegenüber Dieselmotorenemissionen

Organische Stäube, die chronische Bronchitis verursachen können, sind besonders bei den folgenden beruflichen Tätigkeiten zu finden:

  • Landwirtschaftliche Berufe (besonders Schweine- und Putenmast)
  • Textilindustrie, Arbeiten mit Rohbaumwolle
  • Arbeiten mit Flachs, Jute
  • Arbeiten in der Getreideverladung
  • Arbeiten mit Holzstaub-Exposition (Hartholz)

Chronische Bronchitis durch Infekte/Erkältungen

Bei häufigen Erkältungen und Atemwegsinfekten oder solchen, die nicht ausheilen, kann es ebenfalls zu einer chronischen Bronchitis kommen. Besonders immungeschwächte Menschen können davon betroffen sein.

Chronische Bronchitis durch Alpha-1-Antitrypsinmangel

Eine mögliche erblich bedingte Ursache der chronischen Bronchitis bei Nichtrauchern ist der sogenannte Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Auch für Raucher erhöht diese Erkrankung die Empfänglichkeit für die chronische Bronchitis. Alpha-1-Antitrypsin ist ein Enzym, das zu den Antiproteasen gehört. Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen Proteasen, welche bei Reparaturvorgängen Spaltungsprodukte erzeugen, und Antiproteasen, die das ganze regulieren. Wenn die Aktivität der Proteasen die der Antiproteasen übersteigt, kommt es zu Gewebezerstörung und Hypersekretion von Bronchialsekret.

Chronische Bronchitis durch Mukoviszidose

Eine weitere seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die mit Symptomen einer chronischen Bronchitis einhergeht, ist die Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt. Durch eine Genmutation kommt es zu einem Funktionsverlust von Chloridkanälen der Zellen, woraufhin weniger Flüssigkeit abgegeben wird und dadurch sehr dickes Sekret entsteht. Durch Abnahme des pH-Wertes des Schleims begünstigt das Wachstum von Bakterien, die einen dauerhaften Entzündungsprozess aufrechterhalten. In der Lunge manifestiert sich diese Erkrankung durch immer wiederkehrende Lungenentzündungen und die Entwicklung einer chronisch obstruktiven Bronchitis.

Wie wird bei chronischer Bronchitis die Diagnose gestellt?

Den Verdacht auf eine chronische Bronchitis äußert der Arzt nach der Anamnese, dem körperlichen Untersuchungsbefund und einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Auch eine Laboruntersuchung mit der Bestimmung von Entzündungswerten im Blut sowie der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Konzentration gehören zur Diagnostik dazu.

Lungenfunktionsprüfung bei der Diagnostik der chronischen Bronchitis

Die Lungenfunktionsprüfung stellt einen wichtigen Bestandteil der Diagnostik der chronischen Bronchitis dar. Sie liefert Informationen darüber, ob eine Verengung der Atemwege oder eine Überblähung vorliegt. Außerdem kann man eine Hyperreagibilität der Bronchien mittels eines Provokationstests im Rahmen der Lungenfunktionsprüfung feststellen.

Weiterführende Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik der chronischen Bronchitis

In einigen Fällen kann es notwendig sein, Komplikationen oder andere mögliche Diagnosen auszuschließen, zu diesen Untersuchungen gehören beispielsweise:

  • Bestimmung des Alpha-1-Antitrypsinspiegels
  • Computertomographie des Brustkorbs
  • Lungenspiegelung (Bronchoskopie)
  • EKG (Elektrokardiographie)
  • Herzultraschall (Echokardiographie)

Was kann man gegen chronische Bronchitis machen?

Ganz allgemein ist es notwendig, dass die Betroffenen mögliche ursächliche Faktoren meiden. Dazu zählt das unbedingte strikte Unterlassen des Nikotinkonsums, also Rauchverbot. Sollten andere Auslöser wie Feinstaub eine Rolle spielen, kann manchmal auch ein Wohnort- oder Berufswechsel angezeigt sein.

Wie kann man eine chronische Bronchitis behandeln?

Vornehmlich besteht die medikamentöse Behandlung der chronischen Bronchitis aus sogenannten Expektoranzien, das sind Medikamente, die den Schleim in den Atemwegen lösen, indem sie in flüssiger machen. Wenn es Anzeichen für eine bakterielle Infektion gibt, muss eine antibiotische Therapie erfolgen. Gibt es Zeichen einer Atemwegsobstruktion, also Verengung der Atemwege, dann muss mit bronchienerweiternden und entzündungshemmenden Inhalationen behandelt werden. Im Spätstadium einer chronisch-obstruktiven Bronchitis kann es bei einer vollständigen Funktionsminderung der Lunge notwendig sein, eine Sauerstoff-Langzeitherapie zu verordnen.

Gibt es alternative Heilmethoden bei chronischer Bronchitis?

Wenn Patienten, die an chronischer Bronchitis leiden, ständige Medikamenteneinnahme scheuen oder Angst vor Nebenwirkungen haben, suchen sie oftmals nach „sanften“ Alternativen. Dabei muss jedoch stets beachtet werden, dass die nicht-schulmedizinischen Behandlungsansätze wissenschaftlich nicht belegt und auch nicht ausreichend erforscht sind. In jedem Fall sollten alternative Heilmethoden mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden und keinesfalls sollten komplementärmedizinische Verfahren die wissenschaftlich belegte Schulmedizin ersetzen. Homöopathie, Akupunktur oder Ayurveda sind in den offiziellen medizinischen Leitlinien nicht anerkannt. Etwas anders verhält es sich mit den klassischen sogenannten Naturheilverfahren, die Klima-, Balneo- oder Bewegungstherapie enthalten, oder auch Ernährungsberatung und den Einsatz von Heilpflanzen vorsieht. Medizinische Erfolge dieser Naturheilverfahren werden überwiegend anerkannt. Der Naturstoff Cineol ist beispielsweise ein in Eukalyptusöl vorkommender entzündungshemmender Stoff, der außerdem schleimlösend, schleimtransportfördernd, antibakteriell und bronchienerweiternd wirkt.

Wie lange dauert es, bis die chronische Bronchitis geheilt ist?
Ist eine chronische Bronchitis heilbar?

Ist eine Bronchitis erst einmal chronisch geworden und hat bleibende Schäden am Schleimhautepithel hinterlassen, ist sie nicht mehr heilbar. Man spricht deshalb nicht mehr von Heilung, sondern konzentriert sich in der Behandlung auf die Linderung der Symptome und versucht, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Quellen:

  • Wise, R.A.: chronische obstruktive Lungenerkrankung; MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise, zuletzt überarbietet 06/2022; www.msdmanuals.com/de-de/profi/lungenkrankheiten/chronisch-obstruktive-lungenerkrankung/chronische-obstruktive-lungenerkrankung#Symptome-und-Beschwerden_v914651_de (Abruf 10.06.2024)
  • Hollstein, T.: Shisha-Rauchen: Das angeblich bessere Rauchen; in: Dtsch Arztebl 2019; 116(7): A-318 / B-260 / C-260; www.aerzteblatt.de/archiv/205561/Shisha-Rauchen-Das-angeblich-bessere-Rauchen (Abruf 10.06.2024)
  • Folgen der chronischen Sinusitis unterschätzt; in: Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 22/2025; www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-222015/folgen-der-chronischen-sinusitis-unterschaetzt/ (Abruf 10.06.2024)
  • Hadad, O. et al: Kardiales und pulmonales Risiko: E-Zigaretten – risikoreich ist vor allem der Doppelkonsum; in: Dtsch Arztebl 2023; 120(37): [18]; DOI: 10.3238/PersKardio.2023.09.15.04; www.aerzteblatt.de/archiv/233965/Kardiales-und-pulmonales-Risiko-E-Zigaretten-risikoreich-ist-vor-allem-der-Doppelkonsum
  • Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem; ttps://register.awmf.org/assets/guidelines/020-006l_S2k_COPD_chronisch-obstruktive-Lungenerkrankung_2018-01.pdf (Abruf 10.06.2024)

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

28. Juni 2024

Autor: A.Eger, www.mein-allergie-portal.com

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