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COPD-Therapie: Was gibt es und woran wird geforscht?

COPD (chronic obstructive pulmonary disease) ist eine chronische Erkrankung – heilen kann man sie nicht. Klassische Therapien mit Anticholinergika und Betamimetika zielen lediglich darauf ab, die Erkrankungsbeschwerden so gut wie möglich zu lindern. An neuen COPD-Therapiekonzepten wird deshalb intensiv geforscht. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozent Dr. med. habil. Kai-Michael Beeh, Internist, Pneumologe und medizinischer Direktor am insaf-Institut für Atemwegsforschung in Wiesbaden, über neue Therapiekonzepte.

COPD Therapie
Gibt es bald neue Therapien zur Behandlung von COPD? Bildquelle: K.M. Beeh, canva cnordic Nordic

 

Autor: Sabine Jossé

Interviewpartner: Dr. med. habil. Kai-Michael Beeh

COPD-Therapie: Die wichtigsten Fakten!

Nicht alle von COPD Betroffenen zeigen die gleichen Symptome und Erkrankungsmechanismen, es gibt Subgruppen, die mit Hilfe von Biomarkern identifiziert werden.

Im Fokus der COPD-Therapieforschung steht deshalb die Suche nach zielgerichteten Medikamenten, die auf die jeweilige COPD-Subgruppe ausgerichtet sind.

Seit einiger Zeit ist zur Zusatzbehandlung bestimmter COPD-Formen das Biologikum Dupilumab zugelassen, die Zulassung einer weiteren Substanz, Mepolizumab, wird für 2026 erwartet.

Rauchverzicht ist bei COPD ein „Muss“, denn aus Studien ist bekannt, dass Rauchen das Fortschreiten von COPD fördert, während Rauchverzicht die Progression bremst.

Herr Privatdozent Beeh, gibt es neue Therapieoptionen bei COPD?

Die atemberaubende Welt der Lunge, Bildquelle: PD Dr. Kai-Michael Be

Ja, in der Tat hat sich hier erfreulicherweise etwas getan. Erstmals wurde im Jahr 2023 ein sogenanntes „Biologikum“, also ein zielgerichtetes Medikament aus der Biotechnologie für die Behandlung von bestimmten Formen der COPD zugelassen. Den Wirkstoff Dupilumab kannte man bereits aus der Asthmabehandlung. Er blockiert gezielt den Signalweg von zwei wichtigen Entzündungsfaktoren, dem Interleukin-4 und -13. Das Medikament ist nur für schwerere Formen der COPD zugelassen und wird als Zusatzbehandlung zu den Inhalatoren eingesetzt. Die Patientinnen und Patienten müssen gehäuft unter sogenannten Exazerbationen, das heißt Episoden mit akuter Verschlechterung, leiden und im Blut ein bestimmtes Entzündungsmuster aufweisen. Hierzu bestimmt der Arzt die „Eosinophilen“ im Blut, eine bestimmte Form weißer Blutkörperchen. Für COPD-Patientinnen und Patienten mit einem vergleichbaren Entzündungstypen wird in Kürze noch ein weiteres Biologikum verfügbar sein, das ebenfalls aus der Asthmatherapie stammt: der Antikörper Mepolizumab wird alle 4 Wochen mittels subkutaner Injektion verabreicht und voraussichtlich im Frühjahr oder Sommer 2026 in der EU einsetzbar sein. Die Verträglichkeit dieser neuen Therapieklassen ist bisher gut und hat sich bereits bei vielen Asthmapatientinnen und -patienten bewährt. Insgesamt also durchaus positive Nachrichten, wenngleich in der Zukunft weiterhin viel zu tun bleibt. 

Wie sieht es in der Forschung aus, welche Ansätze werden für COPD untersucht?

Die oben beschriebenen Erfolge resultieren aus der Einsicht, Patientinnen und Patienten stärker individuell zu betrachten und dementsprechend in Gruppen einzuteilen, weil nicht alle COPD-Patientinnen und -Patienten die gleichen Symptome und Erkrankungsmechanismen aufweisen. Einige zeigen strukturelle Veränderungen des Lungengewebes, „Emphysem“ genannt, andere eher die Symptome einer Bronchitis mit Husten und Auswurf, manche haben bestimme Entzündungsmarker im Blut und in den Atemwegen, die einer Asthmaerkrankung nicht unähnlich sind. Es ist unrealistisch, dass alle COPD-Patientinnen und -Patienten trotz dieser Unterschiede von den gleichen Therapien profitieren. Beachtet man diese Unterschiede, kann das in der Forschung zu neuen Behandlungsansätzen führen, wie im Beispiel Dupilumab oder Mepolizumab. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass solche zielgerichteten Therapien bei Patientinnen und Patienten, die andere Merkmale aufweisen, weniger oder gar nicht wirken. Das ist quasi die Kehrseite der „zielgerichteten“ Behandlung. Für diese Patientinnen und Patienten müssen weiterhin neue Optionen entwickelt werden. Hier gab es in der Forschung zuletzt auch Rückschläge. In Erprobung befindliche Wirkstoffe wie das „Tanimilast“ oder andere Biologika wie „Benralizumab“ und „Itepekimab“ konnten die in sie gesetzten Erwartungen in großen Studien leider nicht erfüllen. Wichtig wird es in Zukunft sein, Erkrankte früher zu erkennen und zu behandeln. Ist das Lungengewebe erst einmal durch COPD zerstört, hilft auch die beste Behandlung nur noch eingeschränkt weiter.

Anhand welcher Faktoren lässt sich beurteilen, zu welcher Gruppe der COPD ein Patient gehört?

Ein Ansatzpunkt ist die Verwendung von Biomarkern. So kann man die COPD-Patienten anhand von Tests in Subgruppen einteilen. Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass man anhand von bestimmten weißen Blutkörperchen, den „Eosinophilen“, erkennen kann, ob ein Patient von inhalativen Kortikosteroiden oder seit neuestem Biologika profitieren wird oder nicht.

Dann ist wichtig zu bestimmen, wie ausgeprägt ein Emphysem ist, oder ob die COPD eher auf funktionellen Problemen, also verengten Atemwegen, beruht. Das kann man mittels erweiterter Lungenfunktionsuntersuchungen oder einer Bildgebung wie der Computertomographie herausfinden.

Schließlich ist auch eine genaue Untersuchung auf Begleiterkrankungen, die bei COPD relevant sind, sehr wichtig. So kann sich zum Beispiel eine vorbestehende Herzerkrankung durch eine COPD-Exazerbation vorübergehend verschlechtern.

Noch eine grundsätzliche Frage: Macht es bei COPD in Bezug auf die Wirksamkeit der Therapie einen Unterscheid, ob die Patienten aufhören zu rauchen?

Aus Langzeitstudien weiß man, dass Rauchen das Fortschreiten von COPD fördert. Umgekehrt ist bekannt, dass es die Progression der COPD bremst, wenn die Patienten mit dem Rauchen aufhören. Zusätzlich scheinen rauchende COPD-Patienten, ähnlich wie beim Asthma, schlechter auf inhalative Kortikosteroide anzusprechen. Deswegen wird in den Studien zu neuen COPD-Therapien meist auch eine Auswertung nach aktiven und Ex-Rauchern eingeplant. Bei einer der neueren Biologika-Entwicklungen könnte sich abzeichnen, dass dieser Wirkstoff - „anti-IL-33“ - nur bei ehemaligen Rauchern wirkt. Das muss allerdings noch bestätigt werden. Bei der Standardtherapie mit Anticholinergika und Betamimetika scheint es aber keinen Unterschied zu machen, ob jemand weiterraucht oder nicht.

Ein großer Teil der COPD-Patienten raucht weiter, weil oft die Motivation fehlt, mit dem Rauchen aufzuhören. Da COPD jedoch eine vermeidbare Erkrankung ist, sollte bei der Therapie der Erkrankung schon viel früher angesetzt werden.

Wo sollte bei COPD die Präventionsarbeit denn ansetzen?

Zur Prävention der COPD könnten vor allem zwei Maßnahmen hilfreich sein:

  1. Anti-Raucher-Kampagnen,
  2. Screening-Programme, um COPD frühzeitiger zu erkennen.

Viele Patienten verfügen zum Zeitpunkt der Diagnose der COPD nur noch über 50 Prozent der Lungenfunktion, weil sie die Erkrankung vorher nicht bemerken. Mit gezielt eingesetzten Lungenfunktionstests und Vorsorgeprogrammen könnte man COPD früher entdecken und behandeln.

Gibt es denn in Deutschland Screening-Programme für COPD?

In Kürze wird in Deutschland das Lungenkrebsscreening mittels Computertomographie verfügbar sein. Hierbei könnte man auch andere Lungenveränderungen, wie zum Beispiel ein Emphysem, das bei COPD charakteristisch ist, ebenfalls früher erkennen und entsprechend reagieren. Ob dieser Ansatz machbar ist und das Screening der COPD quasi „indirekt“ verbessern kann, ist noch in der Diskussion.

Zusätzlich können geeignete Entwöhnungsprogramme den Patienten dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Außerdem sollte man das Rauchen noch viel stärker aus medizinischer Sicht betrachten, nämlich als Sucht. Allein der Wille der Patienten aufzuhören, reicht oft nicht, sondern sollte durch Suchtbekämpfung mit wissenschaftlichen Ansätzen unterstützt werden. So könnte man durch Aufklärungsarbeit, frühzeitige Erkennung und Behandlung die Kosten, die durch COPD entstehen, stark senken. Denn die Kosten für Aufklärungsarbeit, Screening und ernsthafte Suchtintervention dürften deutlich geringer als die Kosten für die eigentliche Erkrankung sein. Es gibt natürlich auch COPD, die nicht durchs Rauchen verursacht wurde, aber die meisten Erkrankungen könnten durch Kampagnen und Aufklärung verhindert werden.

Kann die Progression der COPD denn gestoppt oder verlangsam werden, wenn man die Erkrankung bei den Patienten früher entdeckt?

Studien weisen darauf hin, dass durch frühzeitige Behandlung mit inhalierbaren Kombinationstherapien, insbesondere die sogenannte „Dreifachtherapie“, die Progression der COPD zumindest leichtgradig verlangsamt werden kann – ob die neuen „Biologika“ das nochmals verbessern können, ist bislang noch offen. Umgekehrt fördern akute Exazerbationen die Progression der COPD, das heißt jedes dieser Ereignisse, das verhindert werden kann, zählt für die Betroffenen. Es heißt nicht umsonst, dass die Exazerbation quasi den „Herzinfarkt der COPD-Patientinnen und -Patienten“ darstellt. Daher muss bei COPD immer konsequent inhalativ behandelt werden und Infektprophylaxe inklusive der empfohlenen Impfungen betrieben werden – egal in welchem Stadium die Erkrankung sich befindet. Auch körperliche Aktivität und Ernährung sind unverzichtbare Bausteine der Bewältigung, da sie negative Langzeiteffekte der COPD abfedern können. Wir sprechen mittlerweile von „Krankheitsstabilität“ als dem wesentlichen Ziel der Behandlung. Auch wenn wir die Prozesse, die zur COPD geführt haben, nicht umkehren können, sollte immer versucht werden, die Krankheit so lange wie möglich stabil zu halten, um Lebensqualität und -zeit zu erhalten. Zerstörtes Lungengewebe kann bei COPD nicht wiederherstellen kann. Das ideale therapeutische Ziel wäre es natürlich, die Regeneration und „Selbstreparatur“ der Lunge zu stimulieren. Theoretisch ist das im Laborversuch bereits möglich, aber konkrete Ansätze gibt es da in naher Zukunft noch nicht. Daher gilt bei der COPD: ein Gramm Prävention ist wichtiger als hundert Kilo Therapie!

Herr Privatdozent Beeh, herzlichen Dank für dieses Gespräch!


PD Dr. med. Kai-Michael Beeh, Bildquelle: K.-M. Beeh

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Kai-Michael Beeh ist Internist und Pneumologe. Seit 2004 ist er Gründer und Gesellschafter des insaf Instituts für Atemwegsforschung GmbH in Taunusstein (vormals Wiesbaden). Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen im Bereich Atemwegserkrankungen und hat über 150 klinische Studien zu Asthma, COPD und Allergien geleitet. Zudem ist er Autor von Fachbüchern und des populär-wissenschaftlichen Sachbuchs "Die atemberaubende Welt der Lunge" (Heyne Verlag 2018).

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

10. Januar 2026
Autor: S. Jossé/Dr. med. habil. Kai-Michael Beeh

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