Epoxidharz Allergie

Dr. Reinhold Rühl, Bereichsleiter Gefahrstoffe bei der BG BAU

Epoxidharz Allergie: Zwangsläufige Berufskrankheit oder vermeidbar? - Gibt es eine Art „Gebrauchsanweisung“ für den Umgang mit Epoxidharzen?

Gibt es eine Art „Gebrauchsanweisung“ für den Umgang mit Epoxidharzen?

Die BG BAU liefert ‚Gebrauchsanweisungen‘ in verständlicher Sprache in Form von GISBAU-Informationen für den Unternehmer und Entwürfe für Betriebsanweisungen für die Beschäftigten. Beide Informationen können aus dem EDV-Programm WINGIS ausgedruckt werden. Bei WINGIS-Online www.wingis-online.de werden Betriebsanweisungen in fünf, bei der CD-Version in 16 Sprachen angeboten.

Empfehlungen für Heimwerker möchte ich gar nicht geben. So sind die Schutzhandschuhe oft teurer als die Epoxidharze, die der Heimwerker einsetzt. Epoxidharze gehören nicht in die Hände von Heimwerkern.

Das Duschen und Wechseln der Arbeitskleidung am Arbeitsplatz ist eine weitere geforderte Maßnahme zum Schutz gegen Epoxidharz. Wozu ist dies nötig, wenn man durch die geeignete Arbeitskleidung keinen Kontakt zum Epoxidharz hat?

Bei unserer Studie hat sich gezeigt, dass ‚Duschen‘ ein Faktor ist, der zu weniger Erkrankungen führt. Allerdings ist dies vor allem auf den mit dem Duschen verbundenen Kleiderwechsel zurückzuführen. Beim Umgang mit Epoxidharzen ist besonders darauf zu achten, dass die Arbeitskleidung nach Arbeitsende ausgezogen wird. Auf keinen Fall darf eventuell mit Epoxidharz verschmutzte Kleidung nach Arbeitsende, z.B. auf dem Nachhauseweg, weiter getragen werden.

Epoxidharze werden bei der Boden- und Wandbeschichtung, als Schutz von Fassaden, gegen Korrosion und Säuren oder zum Beschichten von Industriefußböden eingesetzt, wo noch? Welche Nachteile haben die jeweiligen Alternativen und inwiefern rechtfertigt die Allergiegefahr die Vorteile beim Einsatz des Baustoffes?

Wir sind als BG BAU keine Spezialisten für die technischen Eigenschaften von Bau-Chemikalien. Allerdings hinterfragen wir Aussagen wie ‚Geht nur mit diesen Stoffen‘ immer sehr kritisch. Bei Epoxidharzen diskutieren wir diese Fragen im international besetzten Arbeitskreis INQA-Epoxibewertung, in dem Hersteller und Anwender, Gewerkschaften und Arbeitsschützer zusammen arbeiten. Sollten Epoxidharze für Anwendungen angeboten werden, für die wir Alternativen kennen, weisen wir darauf hin. So ist für uns der Einsatz von Epoxidharzen als Feuchtigkeitsabsperrung von Zementestrichen nicht notwendig.

Wirkt Epoxidharz nur im Verarbeitungsprozess allergen oder auch noch danach, z.B. durch Ausdünstung oder Auswaschen?

Ausgehärtete Epoxidharze sind unproblematisch, eine Gefahr besteht nur während der Verarbeitung.

Sie registrieren den Anstieg von Epoxidharz Allergien seit 15 Jahren. Gab es vorher diesen Baustoff nicht?

Sehr gute Frage. Zum einen werden Epoxidharze erst seit 10 bis 20 Jahren verstärkt eingesetzt. Zum anderen wurden Epoxidharz-Allergien vor 1998 in der Berufskrankheiten-Statistik nicht gesondert ausgewiesen.

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