Mercedes Allergiker Prüfkammer

Dr. Peter Schramm, Quelle: Daimler AG

Mercedes: Neue Prüfkammer für Innenraumemissionen hilft Allergikern

Mit der Einweihung einer neuen, eigenen Prüfkammer für Innenraumemissionen intensiviert der Autohersteller seine Prüfverfahren zur Vermeidung von AllergeneintrittenKontaktallergien und unangenehmen Gerüchen. Unterstützt wird Mercedes-Benz dabei von der Europäischen Vereinigung für Allergieforschung (ECARF), die ihren Sitz bei der Charité in Berlin hat. „Das Ziel ist, die bisher erreichte rund 80 Prozent Quote bei der Reduktion potenziell schädlicher Innenraumemissionen zu steigern und insbesondere auch für Allergiker ein möglichst unbeschwertes Fahren zu ermöglichen“ sagt Dr. Peter Schramm, Leiter Zertifizierung und regulatives Umfeld Umwelt Mercedes-Benz Cars.

Allergievermeidung im Innenraum: Über 100 Luftproben werden entnommen

Seit 1992 misst Mercedes-Benz die Luftqualität im Innenraum der Fahrzeuge, seit rund vier Jahren liegt auf dem Thema „Allergie“ ein Schwerpunkt. Steht der Serienstart eines Modells bevor, werden die Innenraumemissionen in einem aufwändigen Verfahren getestet. Innerhalb einer Woche werden im Testfahrzeug in genau definierten Temperaturprofilen über 100 Luftproben entnommen und in Speziallabors analysiert. Neben der Gesamtemission können auch die Emissionen einzelner organischer Verbindungen gemessen werden.   

Um Eigenemissionen zu vermeiden, ist die neuen, 300 Kubikmeter große, Prüfkammer vollständig mit Edelstahl ausgekleidet und wurde gasdicht verschweißt. Große Wärmestrahler heizen das Fahrzeuginnere auf und simulieren so die Sonneneinwirkung, da sich bei Hitzeeinwirkung das Emissionsverhalten bestimmter Stoffe verstärkt.

Innenraumemissionen: Gemessen wird nach 5 Prüfverfahren

helmut kovacs leiter innenraumemissionen mercedes benz carsHartmut Kovacs, Quelle: Daimler AG„Bei den Messungen orientieren wir uns in Deutschland an der Prüfmethode FAT AK 26. Aufgrund unserer globalen Absatzmärkte messen wir bei Mercedes-Benz auch nach der internationalen ISO-Norm und den speziellen Verfahren, die jeweils von den Ländern China, Japan und Südkorea gefordert werden.“ erklärt Hartmut Kovacs, Leiter Innenraumemissionen Mercedes-Benz Cars. 

FAT AK 26 bestimmt die Norm, dass die Messung bei 65 Grad Celsius Lufttemperatur in Höhe der Nase des Fahrers, vorgenommen wird. Ein sich drehendes Paddel sorgt dafür, dass die Emissionen im Innenraum gleichmäßig verteilt werden. Dann werden aus dem Innenraum Luftproben gezogen und durch verschiedene Probesysteme geleitet. In einem unabhängigen Analyselabor werden anschließend die chemischen Zusammensetzungen der ausgedünsteten Substanzen untersucht. Dabei wird u.a. geprüft, ob toxische Substanzen ausgetreten sind  oder Konzentrationen von Substanzen, die Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen können, feststellbar sind.

Neben den statischen Versuchen, wird auch das Emissionsverhalten während der Fahrt untersucht. Diese Versuche finden bei laufendem Motor und eingeschalteter Klimaanlage statt. Außerdem wird einmal pro Messzyklus die Fahrertür geöffnet, um den Ein- und Aussteigevorgang zu simulieren.      


Material- und Geruchstest sollen Allergien- und Unwohlsein verhindern

mercedes geruchsexpertin claudia schemppClaudia Schempp, Quelle: Daimler AGSämtliche Bauteile des Fahrzeugs werden auch einzeln auf Verträglichkeit geprüft. Türverkleidungen, Sitze, Zierteile, die dabei verwendeten Klebstoffe, sowie Dämmmaterialien werden bei verschiedenen Temperaturen und Feuchtigkeitsgraden gelagert und anschließend analysiert.   

Mit dem Thema „Gerüche“ beschäftigt sich bei Mercedes-Benz ein eigenes Team aus Olfaktorik-Experten. Von jedem im Fahrzeug verwendeten Material, nimmt das Geruchsteam eine Probe. Dazu wird der Werkstoff zwei Stunden lang in einem geruchsneutralen Glas verschlossen und auf 80 Grad erhitzt, um maximale Emissionssituationen zu simulieren. Anschließend wird das Glas auf 60 Grad Celsius abgekühlt.

Den Testvorgang beschreibt Mercedes Geruchsexpertin Claudia Schempp so: „Jeder Olfaktorik-Experte öffnet kurz den Deckel des Glases, riecht am jeweiligen Werkstoff und verschließt das Glas sofort wieder. Dann erfolgt die individuelle Bewertung nach dem Schulnotensystem, wobei die „Eins“ für „Geruch nicht wahrnehmbar“ steht, die „Drei“ für „deutlich wahrnehmbarer Eigengeruch, aber nicht störend“ bis zur Note „Sechs“, die für „unerträglicher Geruch“, steht.“

Werkstoffe, die die Note „Eins“ bis „Drei“ erhalten, haben den Test bestanden, die anderen dürfen so nicht ins Fahrzeug eingebaut werden.

Um das Geruchsniveau des Gesamtfahrzeugs zu testen, „erschnüffeln“ die Experten vor der Serienproduktion auch den Gesamtgeruchseindruck im Fahrzeuginnenraum. Damit soll sichergestellt werden, dass die Gerüche der verschiedenen Bauteile in ihrer Vermischung keinen unangenehmen Gesamtgeruch erzeugen und auch kein Einzelgeruch dominant hervortritt.  

Tests mit Kontaktallergikern sollen Beschwerdefreiheit sicherstellen

„Bei den Materialien werden von der ECARF überwachte Epikutan-Tests durchgeführt. Dabei werden Materialproben der vorgesehenen Innenraummaterialien ausgestanzt und Kontaktallergikern mit einem Spezialpflaster auf den Rücken geklebt.“ beschreibt Dr. Peter Schramm, Leiter Zertifizierung und regulatives Umfeld Umwelt von Mercedes-Benz Cars den Test. „Wenn Hautirritationen auftreten, wird der Lieferant verpflichtet, entsprechende Produktänderungen vorzunehmen. Gelingt ihm das nicht, nehmen wir durchaus auch einen Lieferantenwechsel vor, denn uns ist das Thema sehr wichtig,“  berichtet Dr. Schramm weiter.

In der abschließenden, von ECARF überwachten Testfahrt mit zehn Probanden wird auch die Verträglichkeit von Gerüchen und Kontaktmaterialien getestet. Erst wenn auch bei dieser Abschlussprüfung alles beanstandungsfrei verläuft, kann das neue Modell in Serie gehen.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.