Mercedeslösungen für Allergiker

Dr. Jörg Breuer, Director Certification, Regulatory Affairs & Environment der Daimler AG

Heuschnupfen und Kontaktallergien im Auto – die Lösungen von Mercedes!

Gilt das für alle Modelle oder gibt es hier Unterschiede?

Pollenfilter sind serienmäßig in allen MB-Pkw verbaut. Für alle Filter sind die Anforderungen an den sogenannten Abscheidegrad sehr hoch, und zwar nicht nur in neuem sondern auch im gebrauchten Zustand. Unterschiede bei Klimafiltern gibt es über die Baureihen und die Varianten der Klimaanlagen vor allem bei der Beladung mit Aktivkohle, welche für die Adsorption von Gerüchen und gasförmigen Schadstoffen sorgt.

Besonders intensiv kümmert sich Mercedes-Benz um die Qualität der Innenraumluft in neuen Modellen. Konkret geht es um Gerüche und Ausdünstungen verwendeter Materialien. Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren erreicht?

Mercedes-Benz beschäftigt sich bereits seit Anfang der 1990er Jahre mit diesem Thema. Auftakt war ein von der Bundesregierung gefördertes Forschungsprojekt mit  anderen deutschen Herstellern. Die Konzentration der Ausdünstungen aus Interieurmaterialien konnte seither in MB-Fahrzeugen um durchschnittlich 70% gesenkt werden. Erreicht wurde dies durch die Optimierung der Materialien und die Einführung strenger Grenzwerte für unsere Lieferanten. Potentielle Inhalationsallergene werden standardmäßig ausgewertet und reduziert.

Sie nehmen für ihre Tests auch sogenannte "Probanden-Versuche" vor, bei denen z.B. Fahrversuche mit an starkem Asthma leidenden Personen stattfinden. Wie wichtig ist das, welche Erkenntnisse gewinnen Sie daraus?

Die Fahrversuche werden mit hochsensiblen Probanden durchgeführt, die genau unsere Zielgruppe repräsentieren. Fachärzte bewerten die Reaktionen dieser Probanden über eine Vielzahl an relevanten medizinischen Messgrößen wie z.B. der Lungenvitalkapazität. Wir legen übrigens Wert darauf, dass alle Probandenversuche vorab durch die Ethik-Kommission der Charité genehmigt werden. Diese Fahrversuche dienen der Absicherung unserer fertig entwickelten Fahrzeuge inklusive relevanter Sonderausstattungen wie z.B. der aktiven Beduftung. Die Ergebnisse bestätigen, dass es auch besonders empfindlichen Personen in einem Mercedes gut geht.

Ein weiteres Thema sind Kontaktallergien. Wie prüfen Sie Materialien auf ihre Verträglichkeit? Finden z.B. dermatologische Tests statt?

In den frühen Entwicklungsphasen beraten wir die Bauteilentwickler bei der Werkstoffauswahl und bewerten die geplanten Konzepte für Oberflächenmaterialien auf potentiell sensibilisierende oder allergene Substanzen. Um Kontaktallergien möglichst auszuschließen, sind zusätzlich dermatologische Untersuchungen notwendig.

So zeigten beispielsweise bestimmte Textilbezüge für Sitze bei Epikutantests Auffälligkeiten, obwohl die Inhaltsstoffe vorher überprüft wurden. Wir konnten feststellen, dass ein Waschprozess bei einem unserer Zulieferer nicht ideal eingestellt war und so Spuren von Produktionshilfsstoffen auf den Fasern verblieben sind. Nach Umstellung und erneuter Testung war keine dermatologische Reaktion mehr festzustellen. Wie bei den Fahrversuchen mit unseren fertigen Fahrzeugen arbeiten wir hier mit den Experten der ECARF zusammen und machen Versuche mit entsprechend sensiblen Probanden, die unterschiedliche Allergien haben.

Ist das kontaktallergenfreie Auto überhaupt vorstell- bzw. finanzierbar?

Kontaktallergien wird man nie vollständig vermeiden können. Das liegt vor allem daran, dass Anzahl und Vielfalt der Allergien stetig zunehmen. Das ist für uns aber eher ein Ansporn, ständig dazu zu lernen und auch großen Aufwand nicht zu scheuen, um das Wohlbefinden unserer Kunden sicherzustellen.

Abschließend – wie sensibilisieren Sie Ihre Händler für diese Themenbereiche? Andere Hersteller stellen ihren Händlern spezielle Schulungsfilme oder Allergiebroschüren bereit, wie gehen Sie vor?

Beim Innenraumfilter stellen wir ganz klar die Produktvorteile wie die hervorragende Filterwirkung heraus. Außerdem weisen wir die Außenorganisation darauf hin, dass unter bestimmten Einsatzgebieten bzw. Betriebsbedingungen (z.B. staubreiche Umwelt) ein häufigerer Wechsel notwendig sein kann.

Herr Breuer, herzlichen Dank für das Interview!

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