beruflich bedingte COPD Arbeitsplatz Auslöser

PD Dr. med. Alexandra M. Preisser, Fachärztin für Arbeitsmedizin, Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Stellvertretende Institutsleitung am Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf über COPD-Auslöser am Arbeitsplatz und wie man sich schützen kann!

Beruflich bedingte COPD: Auslöser am Arbeitsplatz? Kann man sich schützen?

Muss man bei einer beruflich bedingten COPD den Beruf wechseln?

Wie gesagt, sind die von beruflich bedingter COPD betroffenen Patienten oft über 40 Jahre alt, so dass ein Berufswechsel nicht mehr so leicht zu realisieren ist. Selbst wenn eine Umschulung vorgenommen wird, ist das Risiko, danach arbeitslos zu werden, für die Patienten sehr hoch.

Deshalb sollte man zunächst überprüfen, ob eine Versetzung in ein weniger exponiertes Umfeld möglich ist und ob mit geeigneten Schutzmaßnahmen eine Exposition verhindert werden kann.

Ist die beruflich bedingte COPD eine anerkannte Berufskrankheit?

Ja, die COPD ist in der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) unter der Nummer 4302 gelistet und so definiert, dass es wahrscheinlich sein muss, dass die Erkrankung wesentlich durch berufliche Auslöser verursacht wurde. Voraussetzung für die Anerkennung als Berufskrankheit ist jedoch, dass der Patient keiner weiteren Exposition ausgesetzt ist bzw. die schädigende Tätigkeit aufgegeben hat.

Welche Präventionsmaßnahmen werden denn in den Industrien getroffen, deren Arbeitsprozesse ein Risiko, an COPD zu erkranken, bergen?

In den betroffenen Industrien werden umfassende Maßnahmen getroffen, um eine Exposition zu verhindern. Dafür werden Prozesse optimiert, Absauganlagen installiert, Stäube befeuchtet, so dass sie gar nicht erst in die Luft kommen etc.. Hilft das alles nichts, müssen den Mitarbeitern Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt werden, um eine Exposition zu vermeiden.  

Diese Maßnahmen sind heutzutage Standard, werden aber erst seit ca. 15 Jahren umgesetzt. Zu früheren Zeiten hat man diese Schutzmaßnahmen noch nicht getroffen und dementsprechend findet man heute ältere Patienten, die durch frühere berufliche Expositionen erkrankt sind.

Es gibt auch immer wieder Tätigkeiten, bei denen es schwierig ist, die Schutzmaßnahmen umzusetzen. Ein Beispiel dafür ist das Schweißen. Hier ist es schwierig eine Absaugvorrichtung zu installieren, weil damit auch das Schweißgas mit abgesaugt wird. Auch in der Landwirtschaft kann die Staubexposition nur bis zu einem gewissen Grad verhindert werden. Z.B. kommt es beim Mähen immer wieder zu massiver Staubentwicklung, trotz moderner Mähdrescher, bei denen der Fahrer in einem vollständig verglasten Führerhaus sitzt.

Welche Therapien stehen bei beruflich bedingter COPD zur Verfügung?

Die Maßnahmen zur Behandlung einer beruflich bedingten COPD sind die gleichen, wie bei einer durch Rauchen verursachten oder schicksalhaft erlittenen Erkrankung und auch die Symptome wie Luftnot, insbesondere bei Anstrengung und Husten mit Auswurf, unterscheiden sich nicht.

Sowohl bei der beruflichen als auch bei der nicht-beruflichen COPD ist die wichtigste Maßnahme, die Exposition zu beenden. Für den privaten Bereich bedeutet das, mit dem Rauchen aufzuhören und für den beruflichen Bereich bedeutet dies, die Exposition gegen die schädigenden Faktoren zu unterbinden. Wichtig ist, wie erwähnt, dass man gerade bei den älteren Patienten Schutzmaßnahmen ergreift, damit die Berufstätigkeit nicht gefährdet ist.

Die eigentliche COPD-Therapie wird an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst, auch im Hinblick darauf, ob neben der COPD auch ein Asthma besteht - es gibt auch Zwischenformen.  

Frau Privatdozentin Preisser, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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