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beruflich bedingte COPD Arbeitsplatz Auslöser

PD Dr. med. Alexandra M. Preisser, Fachärztin für Arbeitsmedizin, Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Stellvertretende Institutsleitung am Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf über COPD-Auslöser am Arbeitsplatz und wie man sich schützen kann!

Beruflich bedingte COPD: Auslöser am Arbeitsplatz? Kann man sich schützen?

COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) kennt man als „Raucherkrankheit“, aber auch beruflich bedingt kann es zur COPD kommen. Welche Industrien bergen das Risiko, eine COPD zu entwickeln und welche Berufe sind betroffen? Wie lange kann es dauern, bis sich Symptome bemerkbar machen? Was ist dann zu tun? Mein Allergieportal sprach mit PD Dr. med. Alexandra M. Preisser, Fachärztin für Arbeitsmedizin, Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Stellvertretende Institutsleitung am Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf über COPD-Auslöser am Arbeitsplatz und wie man sich schützen kann.

Frau Privatdozentin Preisser, wie häufig ist eine berufsbedingte COPD?

In Deutschland leiden etwa 3 bis 5 Millionen Menschen an einer COPD. Von diesen COPD-Patienten  sind 2 bis 4 Prozent Nichtraucher und bei einem Drittel dieser Patienten liegt die Ursache der COPD im beruflichen Umfeld. Dazu gehören z.B. auch Passivraucher, die durch ihr berufliches Umfeld an COPD erkranken, allerdings ist dies eher selten der Fall.  

Welche Faktoren können COPD auslösen und welche Faktoren sind beruflich bedingt?

Im privaten Umfeld gilt grundsätzlich das Zigarettenrauchen als die häufigste Ursache für die COPD.

Im beruflichen Umfeld können bei Arbeitsprozessen freigesetzte Gase, Dämpfe, Rauche oder Staubexpositionen eine COPD verursachen.

In welchen Industriezweigen kann es zu beruflich bedingter COPD kommen?

Industriezweige mit einem erhöhten Risiko für COPD sind die Bereiche, in denen Metall verarbeitet bzw. geschmolzen wird. So kann es z.B. durch Schweißen zur Exposition gegen Gase und Rauche kommen.

Im Bergbau findet man häufig hohe Staubexpositionen durch Quarzstäube und auch im Baugewerbe kann es zu vermehrtem Kontakt mit Stäuben kommen.
Auch in verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft besteht ein erhöhtes Risiko. Zu einen entstehen im Getreideumschlag Stäube, aber ebenso bei der Milchviehwirtschaft oder in der Schweinezucht.

Eine Exposition, die im Zusammenhang mit beruflich bedingter COPD zunehmend in den Fokus rückt, ist die Exposition gegen Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Hier sind Reinigungsunternehmen oder der medizinische Bereich betroffen.


Wie lange dauert es, bis es durch berufliche Exposition zu einer COPD kommt?

Für alle genannten Expositionen gilt, dass eine einmalige Exposition als Ursache für eine COPD nicht ausreicht. Um eine COPD zu entwickeln muss man über viele Jahre, wiederholt, in relevantem Ausmaß und durchaus auch mit Grenzwertüberschreitungen exponiert sein.     

Heißt das, dass der Betroffene auch erst sehr spät bemerkt, dass er eine COPD hat?

Die Patienten bemerken eine COPD oft erst nach vielen Jahren. Deshalb sind die Patienten mit beruflich bedingter COPD oft etwas älter als Patienten, die durch den Beruf ein Asthma entwickelt haben; in der Regel sind die Patienten über 40 Jahre alt. Zudem sind, begründet durch die Berufswahl, mehr Männer als Frauen von COPD betroffen. Eine Ausnahme bildet das Reinigungsgewerbe, denn dort sind in der Regel überwiegend Frauen beschäftigt; gleiches gilt für die Gesundheitsberufe.

Handelt es sich bei den beruflich bedingten COPD ausschließlich um Nichtraucher?

Auch bei Rauchern kann ein wesentlicher Faktor für eine COPD in der beruflichen Exposition liegen. In diesen Fällen kann es schwierig sein, zu beurteilen, ob der Auslöser der COPD mehr beim Rauchen oder mehr im beruflichen Umfeld angesiedelt ist. Möglicherweise kommen in diesen Fällen auch beide Faktoren zusammen.


Muss man bei einer beruflich bedingten COPD den Beruf wechseln?

Wie gesagt, sind die von beruflich bedingter COPD betroffenen Patienten oft über 40 Jahre alt, so dass ein Berufswechsel nicht mehr so leicht zu realisieren ist. Selbst wenn eine Umschulung vorgenommen wird, ist das Risiko, danach arbeitslos zu werden, für die Patienten sehr hoch.

Deshalb sollte man zunächst überprüfen, ob eine Versetzung in ein weniger exponiertes Umfeld möglich ist und ob mit geeigneten Schutzmaßnahmen eine Exposition verhindert werden kann.

Ist die beruflich bedingte COPD eine anerkannte Berufskrankheit?

Ja, die COPD ist in der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) unter der Nummer 4302 gelistet und so definiert, dass es wahrscheinlich sein muss, dass die Erkrankung wesentlich durch berufliche Auslöser verursacht wurde. Voraussetzung für die Anerkennung als Berufskrankheit ist jedoch, dass der Patient keiner weiteren Exposition ausgesetzt ist bzw. die schädigende Tätigkeit aufgegeben hat.

Welche Präventionsmaßnahmen werden denn in den Industrien getroffen, deren Arbeitsprozesse ein Risiko, an COPD zu erkranken, bergen?

In den betroffenen Industrien werden umfassende Maßnahmen getroffen, um eine Exposition zu verhindern. Dafür werden Prozesse optimiert, Absauganlagen installiert, Stäube befeuchtet, so dass sie gar nicht erst in die Luft kommen etc.. Hilft das alles nichts, müssen den Mitarbeitern Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt werden, um eine Exposition zu vermeiden.  

Diese Maßnahmen sind heutzutage Standard, werden aber erst seit ca. 15 Jahren umgesetzt. Zu früheren Zeiten hat man diese Schutzmaßnahmen noch nicht getroffen und dementsprechend findet man heute ältere Patienten, die durch frühere berufliche Expositionen erkrankt sind.

Es gibt auch immer wieder Tätigkeiten, bei denen es schwierig ist, die Schutzmaßnahmen umzusetzen. Ein Beispiel dafür ist das Schweißen. Hier ist es schwierig eine Absaugvorrichtung zu installieren, weil damit auch das Schweißgas mit abgesaugt wird. Auch in der Landwirtschaft kann die Staubexposition nur bis zu einem gewissen Grad verhindert werden. Z.B. kommt es beim Mähen immer wieder zu massiver Staubentwicklung, trotz moderner Mähdrescher, bei denen der Fahrer in einem vollständig verglasten Führerhaus sitzt.

Welche Therapien stehen bei beruflich bedingter COPD zur Verfügung?

Die Maßnahmen zur Behandlung einer beruflich bedingten COPD sind die gleichen, wie bei einer durch Rauchen verursachten oder schicksalhaft erlittenen Erkrankung und auch die Symptome wie Luftnot, insbesondere bei Anstrengung und Husten mit Auswurf, unterscheiden sich nicht.

Sowohl bei der beruflichen als auch bei der nicht-beruflichen COPD ist die wichtigste Maßnahme, die Exposition zu beenden. Für den privaten Bereich bedeutet das, mit dem Rauchen aufzuhören und für den beruflichen Bereich bedeutet dies, die Exposition gegen die schädigenden Faktoren zu unterbinden. Wichtig ist, wie erwähnt, dass man gerade bei den älteren Patienten Schutzmaßnahmen ergreift, damit die Berufstätigkeit nicht gefährdet ist.

Die eigentliche COPD-Therapie wird an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst, auch im Hinblick darauf, ob neben der COPD auch ein Asthma besteht - es gibt auch Zwischenformen.  

Frau Privatdozentin Preisser, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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