Vorgehensweise Asthmadignose Kind

Dr. Thomas Spindler zur Vorgehensweise bei der Asthmadiagnose beim Kind!

Asthmadiagnose beim Kind: Nötige Untersuchungen und Vorgehensweise!

Das korrekte Inhalieren ist bereits ein schwieriges Thema bei erwachsenen Asthma-Patienten – wie klappt das bei Kindern?

Bei Kindern mit Asthma klappt das Inhalieren deutlich besser, als bei den Erwachsenen, weil die Kinder- und Jugendärzte ihre Patienten meist intensiver instruieren. Die meisten Pädiater oder Kinderpneumologen nehmen sich die Zeit, mit dem Kind und den Eltern die richtige Inhalationstechnik einzuüben.

Bei den Erwachsenen wird das Inhalieren in der Regel nicht so intensiv eingeübt, aber selbst wenn dies der Fall war, werden die Bemühungen des Arztes spätestens durch die Rabattverträge der Krankenkassen torpediert. Kommt der Patient mit dem vom Arzt verordneten Rezept für einen bestimmten Inhaler zur Apotheke, ist dieser aufgrund der bei dessen Krankenkasse geltenden Rabattverträge verpflichtet, das günstigste Produkt gleichen Wirkstoffs auszugeben. Wenn das nicht zufällig der Inhaler ist, dessen Anwendung der Patient mit dem Arzt eingeübt hat, weiß er nicht, wie er das Gerät richtig anwendet. Die Gefahr, dass der Patient das Gerät zwar benutzt, aber nicht richtig, und dass der Wirkstoff nicht in der Lunge ankommt und infolgedessen auch nicht wirkt, ist in diesem Fall sehr groß. Medizinisch ist dies eine Katastrophe.

Bei Kindern greifen die Rabattverträge natürlich ebenfalls. Deshalb ist meine Empfehlung an die Kollegen, bei der Verordnung von Inhalationsgeräten zur Behandlung von Asthma grundsätzlich „aut idem“ anzukreuzen, denn dann ist der Apotheker verpflichtet, genau dieses Produkt auszugeben. Allerdings ist hierbei das Problem, dass diese Inhaler oft in hohem Maße zuzahlungspflichtig sind, auch bei Kindern.

Wie kann es sein, dass die Krankenkassen das Risiko eingehen, dass Asthma aufgrund der für Inhaler geltenden Rabattverträge quasi unbehandelt bleibt?

Aus meiner Sicht ist dies nicht nachvollziehbar, denn die teuerste Medikation ist immer die, die nicht eingenommen wird. Ganz besonders paradox ist vor diesem Hintergrund, dass das bei Kindern und Erwachsenen am häufigsten verordnete Inhaliergerät, das Dosieraerosol, ohne Inhalierhilfe, am kompliziertesten zu bedienen ist. Der Kompressionsvernebler ohne Inhalierhilfe ist die schwerste Form der Inhalation,  das bedeutet, das Medikament wirkt nicht in der Lunge, sondern als „Mundspray“, „Raumspray“ oder „Deo“!

Was läuft schief bei der politischen Weichenstellung, wenn es um eine wirkungsvolle Asthma-Therapie geht?

Da kommen viele Dinge zusammen. Zum einen treffen oft Menschen Entscheidungen – und dazu zählen auch Mediziner - denen das Wissen zu den eigentlichen in der Praxis auftretenden Problemen fehlt. Ich stelle z.B. immer wieder fest, dass bei Erwachsenen selbstverständlich davon ausgangen wird, dass es für Patienten kein Problem ist, einen Inhalator richtig anzuwenden. Man setzt einfach voraus, dass ein intensives Training nicht so wichtig ist und dass die Demonstrationsfilme, die z.B. die Deutsche Atemwegsliga auf ihrer Webseite zur Verfügung stellt, ausreichen. Zwar sind diese Videos hervorragende Hilfsmittel, aber sie können eine persönliche Instruktion nur ergänzen und nicht ersetzen. Man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, einen Schwimmkurs ausschließlich über Video durchzuführen.

Fakt ist, dass ein gutes Training mit dem Inhalator durch den Arzt sehr viel Zeit kostet, die die Krankenkassen aber nicht bereit sind, zu vergüten.

Zurück zur Therapie, hier gibt es ja z.B. auch die Hyposensibilisierung, mittlerweile auch mit Hilfe von Tabletten…

Für die Hyposensibilisierung gegen Gräserallergene gibt es Tabletten, die auch für die Therapie von Kindern zugelassen sind. Die Tabletten gegen Hausstaubmilben stehen für Kinder jedoch noch nicht zur Verfügung. 

Allerdings ist die Hyposensibilisierung primär zur Therapie der allergischen Rhinitis gedacht und nicht zur Asthmatherapie. Bei bestehendem Asthma ist eine Hyposensibilisierung ebenfalls möglich, vorausgesetzt, das Asthma ist stabil eingestellt.

Wichtig ist, dass die Indikation Hyposensibilisierung nicht allein anhand der Prick-Test-Ergebnisse erstellt wird. Oft wird die Hyposensibilisierung gegen das Allergen eingeleitet, das im Prick-Test die stärkste Reaktion ausgelöst hat. Der Prick-Test gibt jedoch keine Auskunft über bestehende Allergien, sondern lediglich über bestehende Sensibilisierungen. Er zeigt eine Bereitschaft zur Allergieentstehung an, die aber durchaus nicht mit klinischen Symptomen einhergehen muss. So ist es z.B. möglich, dass bei einem Patienten im Prick-Test zwar eine starke Reaktion auf ein bestimmtes Allergen angezeigt wird, die allergische Reaktion erfolgt jedoch auf ein Allergen, das im Prick-Test einen wesentlich schwächeren Titer aufweist. In manchen Fällen trägt ein Symptomprotokoll dazu bei, dem relevanten Allergen auf die Spur zu kommen.

Erst wenn der Abgleich von Prick-Test-Ergebnis und Beschwerden ein konkretes Bild ergibt, bespreche ich mit dem Kind und dessen Eltern, ob eine Hypersensibilisierung eine Therapieoption wäre. 

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