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COPD – gibt es Begleiterkrankungen? Womit muss man rechnen?

Die COPD (chronic obstructive pulmonary disease) ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung. COPD gilt als eine Krankheit der Raucher und der zweiten Lebenshälfte – sie tritt vorwiegend nach dem 40. Lebensjahr in Erscheinung. Typische  Symptomen können Atemnot, Husten und Auswurf sein – COPD schränkt die Lebensqualität deutlich ein. In den letzten Jahren wurde zunehmend deutlich, dass sich die COPD nicht nur auf die Lunge beschränkt. Vielmehr können auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, so dass es zu Begleiterkrankungen kommt, sogenannten Komorbiditäten. In seinem Vortrag „Begleiterkrankungen bei COPD – worauf ist zu achten?“ beim DGIM-Patiententag 2016 in Wiesbaden ging Prof. Dr. Heinrich Worth auf die häufigsten Komorbiditäten bei COPD ein. Prof. Worth ist Arzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde sowie Kardiologie in Fürth.

Begleiterkrankungen von COPD – eine Studie belegt die Häufigkeit

In einer großen deutschlandweit durchgeführten Studie an 6000 COPD-Patienten konnte man sehen, dass Begleiterkrankungen bei COPD durchaus nicht selten und sehr vielfältig sind. Ausgesprochen häufig kommt es bei COPD zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie z.B. Bluthochdruck, Herzkranzgefäßeinengungen und Herzinsuffizienz, d.h. Herzmuskelschwäche. Sehr oft gehen auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mit COPD einher. Auch psychische Belastungen beobachtet man bei COPD-Patienten gehäuft, 11 Prozent der untersuchten Patienten sind betroffen. Insbesondere Angst und Depressionen spielen bei COPD-Patienten eine Rolle.  Dabei hat sich gezeigt: Je stärker die COPD ausgeprägt ist, umso stärker ist die Beeinträchtigung durch die Komorbiditäten.

COPD: Begleiterkrankungen erhöhen das Mortalitätsrisiko

Besteht bei COPD mehr als eine Begleiterkrankung, nimmt die Sterblichkeit deutlich zu. „Das zeigt wie wichtig es ist, möglichst frühzeitig, mit Diagnosestellung der COPD, abzuklären, ob eventuell Begleiterkrankungen vorliegen“ so Prof. Worth.

In der vor wenigen Jahren publizierten TORCH- Studie hat sich gezeigt, dass Patienten mit sehr schwerer COPD durchaus nicht zwangsläufig an der COPD versterben. 27 Prozent der in der Studie beobachteten Patienten starben an einer Herzerkrankung. Und auch Krebserkrankungen spielen bei COPD-Patienten als Todesursache eine Rolle, da auch Tumore, z.B. das Lungenkarzinom, bei COPD-Patienten gehäuft auftreten.

Begleiterkrankung von COPD: Gemeinsame Risikofaktoren, Wechselwirkungen, ähnliche Symptome

Am häufigsten findet man bei COPD-Patienten Begleiterkrankungen von Herz und Kreislauf. Die Ursache dafür ist, dass für beide Erkrankungen gemeinsame Risikofaktoren bestehen, die das Auftreten dieser Erkrankungen begünstigen. Dazu gehört das Rauchen, zunehmendes Alter und ein Mangel an körperlicher Aktivität. Gerade für COPD-Patienten ist deshalb Bewegungstherapie eine wichtige Behandlungsmöglichkeit.
Es kann jedoch auch zu Wechselwirkungen zwischen COPD und den jeweiligen Begleiterkrankungen kommen. So kann die für COPD typische Überblähung der Lunge stark einschränkend auf die Herzfunktion wirken und damit die Herzarbeit erschweren, ein Effekt, der sich unter Belastung noch deutlich verstärkt.

In manchen Fällen kommt es auch zu Symptomen, die sowohl für COPD als auch für die Begleiterkrankung typisch sein können. Luftnot kann z.B. sowohl ein Symptom bei COPD als auch bei einer Herzmuskelschwäche sein. Auch die Luftnot unter Belastung kommt bei beiden Krankheitsbildern vor. „Richtigerweise konsultieren Patienten mit COPD einen Lungenarzt“ kommentierte Prof. Worth, „mitunter führt dies jedoch dazu, dass andere mögliche Erkrankungen aus dem Blickfeld geraten.“


COPD und Herzerkrankungen – eine häufige und gefährliche Kombination

Dass eine begleitende Herzerkrankung bei COPD oft unerkannt bleibt, zeigt eine Untersuchung an COPD-Patienten, die aufgrund einer akuten Verschlechterung ihrer Symptomatik eine Klinik aufsuchen mussten. Hier fand man bei einer Ultraschalluntersuchung des Herzens bei 64 Prozent der Patienten, die eigentlich wegen der Lungenerkrankung COPD  im Krankenhaus waren, eine Herzveränderung. „Das ist ein relativ häufiges Phänomen, das leider auch relativ häufig nicht erkannt wird“ betonte Prof. Worth.

Der Grund für ein erhöhtes Risiko für Herzpatienten bei COPD liegt in einer generell höheren Pulsfrequenz bei COPD-Patienten. Diese kann bei einer sehr schweren COPD bei ca. 80 bis 90 Schlägen pro Minute liegen, dagegen wäre eine Pulsfrequenz von ca. 60 normal. Durch atemwegserweiternde Sprays und Medikamente wird dieser Effekt verstärkt und kann sich bei Patienten mit einer vorliegenden Herzproblematik negativ auswirken. Hinzu kommt, dass die Herzfrequenz auch bei zunehmendem Schweregrad der COPD ansteigt. Die hohe Herzfrequenz hat einen negativen Effekt auf COPD-Patienten und belastet die Lebenserwartung. Maßnahmen zur Senkung der Herzfrequenz sind für COPD deshalb von größter Wichtigkeit.

Betablocker zur Senkung der Herzfrequenz bei COPD-Patienten mit begleitenden Herzerkrankungen

Beta-Blocker stoßen bei vielen Patienten auf Skepsis. Das zeigt sich daran, dass in der DACCORD-Studie zwar 50 Prozent der Patienten eine kardiovaskuläre Erkrankung hatten, aber nur 24 Prozent mit Beta-Blockern behandelt wurden.

„Die Furcht vor Beta-Blockern ist jedoch unbegründet“ erklärte Prof. Worth, „in Kombination mit bei COPD häufig verordneten Medikamenten wie inhalativem Kortison, langwirksamen Betamimetika oder  Anticholilergika haben Beta-Blocker bei COPD-Patienten mit begleitenden Herzerkrankungen eine lebensverlängernde Wirkung.“ Bei Asthma und depressiven Verstimmungen ist jedoch Vorsicht geboten.


COPD und Diabetes mellitus

Eine weitere häufige Komorbidität bei COPD ist Diabetes mellitus, die bei 10 bis 15 Prozent der COPD-Patienten auftritt und die Lebenserwartung beeinflusst. Wie COPD ist Diabetes mellitus mit entzündlichen Vorgängen verbunden. Auch  ein erhöhtes Infektionsrisiko und eine erhöhte Muskelschwäche gehen mit Diabetes einher, was für COPD-Patienten ausgesprochen ungünstig ist. Zudem kann sich Diabetes negativ auf die Lungenfunktion auswirken. Es ist daher durchaus sinnvoll, bei COPD-Patienten zu überprüfen, ob eine Zuckererkrankung vorliegt.

Kortison bei COPD – Überdosierung vermeiden

Häufig tritt Diabetes dann auf, wenn COPD-Patienten mit Kortison behandelt werden, insbesondere in hohen Dosen. Deshalb sollten Patienten wissen, dass bei COPD eine niedrige Kortisondosierung völlig ausreicht. Eine hohe Dosierung von Kortison bringt bei COPD-Patienten keine Verbesserung des Behandlungserfolges, sondern erhöht nur das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen.

Wenn eine akute Symptomverschlechterung die Einnahme von Kortison nötig macht, ist dies auch in Tablettenform möglich. Die Einnahme sollte jedoch nur kurzzeitig zwischen fünf und vierzehn Tagen erfolgen und keinesfalls über einen längeren Zeitraum hinweg. Eine Schweizer Studie hat gezeigt, dass die fünftägige Gabe von Kortison genauso wirksam ist, wie die Gabe über zwei Wochen. Auch geringe Kortisondosen zerstören die Muskulatur, wenn die Einnahme zu lange dauert. Der Patient wird dadurch weniger beweglich, und die Lebensqualität geht verloren.

COPD und Osteoporose

Die Knochenbrüchigkeit spielt bei der COPD eine große Rolle, denn gerade die mit schwerer COPD einhergehende Minderbeweglichkeit begünstigt die Osteoporose. Kommt es zu Wirbelkörperbrüchen können diese wiederum die Atmung schwer beeinträchtigen. Bei COPD-Patienten sollte deshalb ganz besonders intensiv geprüft werden, ob es zu Knochenbrüchen gekommen ist. Gegenbebenfalls kann eine Knochendichtemessung vorgenommen und eine entsprechende Behandlung mit Kalzium, Vitamin D oder Bisphosphonaten eingeleitet werden. „Gerade bei weiblichen älteren COPD-Patienten ist zu prüfen, ob eine solche Knochenbrüchigkeit vorliegt, zumal diese ein grundsätzlich höheres Osteoporose-Risiko tragen“ empfiehlt Prof. Worth.  


Normalgewicht halten  und regelmäßig bewegen – der Patient kann mithelfen

Abgesehen von der Einnahme der verordneten Medikamente kann der Patient selbst dabei mithelfen, seinen Gesundheitszustand zu verbessern Bei COPD ist es wichtig, das Normalgewicht zu halten. Übergewicht sollte bei COPD vermieden werden, denn dann muss das Zwerchfell gegen einen größeren Widerstand arbeiten. Untergewicht hingegen gefährdet die Lebenserwartung. Es ist deshalb unerlässlich für COPD-Patienten, ihr Gewicht regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls gegenzuarbeiten, auch mit regelmäßiger Bewegung.

Ebenso wichtig ist es „in Bewegung“ zu bleiben.  Durch Bewegung verbessert sich die Muskulatur, die Beweglichkeit nimmt zu und die Alltagstauglichkeit steigt.

Mehr und mehr zeigt sich auch, dass Bewegung für COPD-Patienten eine Möglichkeit ist, ihren Stoffwechsel positiv zu beeinflussen. Dazu gehört auch, dass weißes Fettgewebe wieder in das günstigere braune Fettgewebe umgebaut wird. Gleichzeitig wird die Entzündung zurückgedrängt.
Inaktivität, Entzündung und akute Verschlechterungen beeinflussen  auch die Muskulatur. Insbesondere mit zunehmendem Schweregrad der COPD wird die Muskulatur von Armen und Beinen messbar schlechter. Die Folge sind Atemnot, der Hang zu körperlicher Schonung und Konditionsverlust, was wiederum zu zunehmender Atemnot führt. Oft pendelt der Patient dann nur noch zwischen Bett und Fernsehsessel und die Lebensqualität wird mehr und mehr eingeschränkt.

Nur ein regelmäßiges körperliches Training kann den Patienten dann wieder aus diesem Teufelskreis herausholen und steigert sogar die Lebenserwartung. Dafür reicht es aus, nur zwei  bis drei Mal in der Woche eine Bewegungstherapie durchzuführen und z.B. regelmäßig bei einer ambulanten Lungensportgruppe mitzumachen. Dieser Rat gilt ganz besonders für Patienten, die zusätzlich zur COPD von Diabetes mellitus betroffen sind.

COPD und Ängste und Depressionen

Dass Ängste und Depressionen bei COPD-Patienten häufiger sind, als bei gleichaltrigen lungengesunden Menschen, hängt auch damit zusammen, dass sie sich durch ihre Atemnot mehr und mehr isolieren. Oft fehlt die Kraft zu Treffen oder Veranstaltungen zu gehen, und so kommt es zu Immobilität und einem gesteigerten Risiko für Angst und Depressionen. „Die Verbesserung der Mobilität des Patienten ist deshalb eine Maßnahme, die auch das Risiko für psychische Beeinträchtigungen senkt“ betonte Prof. Worth.

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