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Feuchtinhalation Asthma Kinder

Dr. Claudia Schweighart zu „Feuchtinhalation bei Kindern“ beim Frankfurter Pädiatrietag 2015

Richtig inhalieren: Was ist bei Kindern zu beachten? Was sollte man wissen?

Feuchtinhalation bei Kindern“ lautete der Titel des Vortrags, den Dr. med Claudia Schweighart am 28. November 2015 im Rahmen des Frankfurter Pädiatrietages hielt. Dabei ging es zum einen um einen Vergleich von Feucht- und Trockeninhalation. Zum anderen wurde durch die Beschreibung der biophysikalischen Vorgänge beim Inhalieren deutlich, wie wichtig es ist, die dem Therapieziel entsprechende „richtige Inhaliertechnik“ auszuwählen. Frau Dr. Schweighart ist Kinder- und Jugendärztin mit den Schwerpunkten pädiatrische Pneumologie und Allergologie an den Waldburg-Zeil Kliniken, Wangen.

Inhalieren – was soll es bewirken?

Die Inhalationstherapie ist ein wichtiger Baustein in der Lungentherapie. Durch die Inhalation kann der jeweilige Wirkstoff an den unmittelbaren Ort des Geschehens gelangen. Im Vergleich zur systemischen Therapie bietet die Inhalationstherapie eine gute Wirksamkeit bei geringeren Nebenwirkungen.

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Inhalationstherapie ist die richtige Wirkstoffdosierung. Bei Patienten mit instabilem Asthma ist zu beachten, dass die antientzündliche Steroidwirkung bei  einer Steigerung einer Sättigung unterliegt, dann also keine bessere Wirkung erzielt wird, dafür aber mehr Nebenwirkungen auftreten. An Stelle der weiteren Hochdosierung kann es sinnvoll sein, die Inhalationstechnik oder letztendlich die Diagnose zu überprüfen.

Inhalationstherapie: Auf die Technik kommt es an!     

Um sicher zu stellen, dass die Wirkstoffpartikel des Medikamentes an den „richtigen Stellen“ der Lunge ankommen, müssen einige Faktoren beachtet werden. Ausschlaggebend sind z.B. Faktoren wie die Partikelgröße des Wirkstoffs, die Beschaffenheit der Atemwege, die Atemfrequenz und die Inhalationstiefe. Ebenso spielt das Alter des Patienten eine Rolle. All diese Faktoren sind bei der Wahl des Inhalationsgerätes und bei den Inhalieranweisungen für den Patienten zu beachten. Selbst bei perfekter Inhalationstechnik kommt nur ein Teil  des Wirkstoffs in den Bronchien an. Insbesondere bei der Feuchtinhalation geht durch die Verneblung viel „auf dem Weg“ verloren.


Wirkstoffpartikel: Welche Rolle spielen sie für den Therapieerfolg?    

Die Wirkstoffpartikel werden beim Inhaliervorgang von drei biophysikalischen Mechanismen bestimmt.

  1. Der Impaktion, d.h. der Massenträgheit. Dies bedeutet, dass beim kräftigen schnellen Einatmen, die etwas größeren, trägeren Partikel an den Krümmungen der Atemwege hängen bleiben.
  2. Der Sedimentation - bei weniger kraftvollem Einatmen wirkt die Schwerkraft und die Partikel sinken nach unten.
  3. Der Diffusion, die bei kleinen Partikeln und ruhiger Atmung auftritt. Hierbei prallen die Wirkstoffpartikel aufeinander und voneinander ab und gelangen so besser in die Peripherie.

Für die Praxis  heißt dies, dass man Inhaliergerät und –methode entsprechend des Therapieziels auswählen sollte, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Für die Behandlung der Nase sind z.B. große Partikel geeignet, die beim kräftigen schnellen Atmen hauptsächlich in die großen Atemwege und den oberen Hals-Nasen-Ohren-Bereich gelangen. Für die Behandlung der Bronchien sind eher kleine Partikel geeignet, die mit einer ruhigen Atmung inhaliert werden sollten.

Ist ein kleines Kind bei der Feuchtinhalation aufgebracht und schreit, werden die Wirkstoffpartikel des Aerosols nicht in die Bronchien gelangen. Sinnvoller wäre es in diesem Fall, den Inhaliervorgang abzubrechen und beim schlafenden Kind erneut zu versuchen.

Das richtige Inhaliergerät – Auswahlkriterien

Für die Auswahl des richtigen Inhalationsgerätes ist es wichtig, die Tröpchengröße des Aerosols zu kennen. Bei Kindern geht man generell von einer Tröpfchengröße von unter 5 µm aus. Bei der Trockeninhalation ist die Wahl des Device entscheidend.

Beim Aerosol ist zu beachten, dass der den benötigten Qualitätskriterien entsprechende Partikelanteil möglichst hoch sein sollte. Außerdem sollte ein gewisser Aerosolmassenausstoß vorhanden sein, um den Wirkstoff an die richtige Stelle zu bringen.


Feuchtinhalation: Was sollte man wissen?

Feuchtvernebler werden überwiegend bei chronischen Lungenerkrankungen eingesetzt, wenn es um die Lösung von zähflüssigem Sekret in den Bronchien geht und eine Dauertherapie angezeigt ist. Ein Vorteil der Feuchtinhalation ist, dass sie in Kombination mit physiotherapeutischen Maßnahmen eingesetzt werden kann, allerdings ist die Therapie zeitintensiv.

Mit der Feuchtinhalation verfolgt man das Therapieziel, den Hydrierungszustand der Bronchialschleimhaut zu verbessern. Dafür wird eine hypertonische Kochsalzlösung, die einen höheren Salzgehalt von bis zu 6 Prozent hat, eingesetzt. Hypertones Kochsalz kann die Bronchien von Kindern mit  empfindlichen Bronchien  auch reizen. Hier kann präventiv inhaliertes Betamimetikum helfen.

Weitere Indikationen der Feuchtinhalation sind die Inhalation von Antibiotika und Pulmozymen, z.B. für Mukoviszidose-Patienten.

Bei der Feuchtinhalation sollte die Inhaliermaske perfekt sitzen, damit das Medikament nicht an den Seiten ausströmt. Gerade bei Kindern kommt es durch schlecht sitzende Inhaliermasken häufig, durch die Wirkstofflösung, zu Ausschlägen im Mund- und Augenbereich. Wichtig ist eine regelmäßige, gründliche Reinigung des Inhaliergerätes.

Spielerisch inhalieren mit dem JORDI STICK – computeranimiert!

Eine Möglichkeit, die Motivation von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, bietet ein neues computeranimiertes Trainingsspiel, das mit allen auf dem Markt befindlichen Feuchtinhalationsgeräten kombiniert werden kann. Die Animation läuft nur dann reibungslos, wenn das Kind „richtig“ inhaliert. Was „richtig“ ist, kann entsprechend der individuellen Anforderungen des Kindes einprogrammiert werden. So werden z.B. Atemfrequenz, Atemstärke und Atemtiefe des Kindes optimal eingestellt und die Inhalationsqualität erhöht.


Trockeninhalation – die schnellere Variante

Geht es um eine bronchienerweiternde und antientzündliche Therapie mit ß-Mimetika und Steroiden steht die Trockeninhalation im Vordergrund. Bei guter Inhalationstechnik ist die Deposition des Wirkstoffs am Zielort besser, als bei der Feuchtinhalation, bzw. der Verlust auf dem Weg in die Bronchien geringer. Dies erleichtert die Dosierung. Zudem sind Trockeninhaliergeräte deutlich preiswerter, leichter zu bedienen und der Inhaliervorgang geht schneller als bei den Feuchtinhaliergeräten.

Wichtig ist aber die altersadaptierte Auswahl des passenden Devices. So sollte man bei jüngeren Kindern Dosieraerosole mit vorgesetzter Atemhilfe wählen, ab dem Grundschulalter bieten Pulverinhalatoren Vorteile.
Dosieraerosole müssen vor der Anwendung geschüttelt werden, beim Atemmanöver ist es wichtig, gleichzeitig zu drücken und lang und tief einzuatmen. Kleine Kinder können dies nicht koordinieren.

Mit einer Vorschaltkammer, die auf das Trockeninhaliergerät aufgesetzt wird, wird dieser Vorgang auf zwei Schritte aufgeteilt und optimiert. Da sich Vorschaltkammern aus Plastik elektrostatisch aufladen, kann es vorkommen, dass die Wirkstoffpartikel an den Innenwänden kleben bleiben. Um die elektrostatische Aufladung der Vorschaltkammern zu verhindern, sollten sie einmal wöchentlich mit Spülmittel gewaschen und nicht trockengerieben, sondern an der Luft getrocknet werden.

Eine Atemmaske, die an der Vorschaltkammer angebracht werden kann, erleichtert den Inhaliervorgang bei kleinen Kindern, ist jedoch auch mit einem unerwünschten Wirkstoffkontakt verbunden. So kann es am Mund oder an den Augen zu Ausschlägen kommen.  

Ab einem Alter von ca. 1½ bis 2 Jahren, sind die meisten Kinder in der Lage, ohne Maske zu inhalieren. Der Wirkstoff gelangt dann direkt in den Mund und wird nicht noch zusätzlich über die Nase appliziert. Übergangsweise kann es hilfreich sein, den Kindern zunächst kurz die Nase zuzuhalten, zumindest so lange, bis sie dies selbst tun können.
Für Schulkinder gibt es ein zweiphasig inspirationsgetriggertes  Dosieraerosol:  Die Abgabe des Aerosols wird erst durch den Einatemzug des Patienten ausgelöst. So müssen Schulkinder nicht mehr eine extra Atemhilfe vorhalten.

Pulverinhalation – eher für ältere Kinder geeignet

Bei der Pulverinhalation befindet sich das zu inhalierende Pulver in einzelnen Kapseln. Durch das Laden des Geräts werden die Kapseln angestochen und das Pulver entlädt sich, ausgelöst durch einen schnellen Atemzug.

Ab ca. 7 Jahren können Kinder meist mit Pulverinhalern umgehen, die Anwendung ist jedoch etwas schwieriger, denn anders als beim Dosieraerosol, muss bei den Pulverinhalern sehr schnell und tief eingeatmet werden. Vorteilhaft ist bei den Pulverinhalern das eingebaute Zählwerk, an dem man erkennen kann, wann die Gerätefüllung zur Neige geht und dass man keine extra vorgeschaltete Atemhilfe benötigt.

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