Asthma Entzündungen

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderzentrum Bethel, Evangelisches Krankenhaus Bielefeld

Asthma bronchiale und Entzündungen: Was weiß man über Zusammenhänge?

Entzündungen spielen bei allergischen eine große Rolle, auch beim Asthma ist dies der Fall. Ist die Art der Entzündung bei allen Asthmatikern gleich? Wo finden sich die Entzündungszellen? Sagt die Anzahl der Entzündungszellen etwas aus über den Grad der Entzündung? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderzentrum Bethel, Evangelisches Krankenhaus Bielefeld über den aktuellen Kenntnisstand der Medizin zu den Zusammenhängen zwischen Asthma bronchiale und Entzündungen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Asthma und Entzündung?

Es ist in der Tat mittlerweile allgemein akzeptiert, das Asthma eine chronische Entzündung der kleinen Atemwege ist. Das zeigt sich sowohl bei histologischen Untersuchungen von Bronchialbiopsaten, also Gewebeentnahmen aus der bronchialen Schleimhaut, wo sich vermehrt Entzündungszellen finden, als auch bei der Untersuchung der sogenannten bronchialen Lavage, also einer Flüssigkeitsentnahme aus dem Bronchialraum, wo sich ebenfalls vermehrt Entzündungszellen bei Asthmatikern nachweisen lassen.

Gibt es eine Korrelation zwischen dem Grad der Entzündung und dem Schweregrad der Asthmasymptome?

Die Art der Entzündung ist nicht immer gleich für alle Asthmatiker, es gibt Formen einer überwiegend eosinophilen (allergischen) Entzündung, einer überwiegend neutrophilen (vor allem infekt – getriggerten) Form und auch Entzündungstypen nur sehr geringer Zellzahlerhöhung. Entsprechend kann nicht immer von der Zellzahl auf die Schwere der Erkrankung zurück geschlossen werden.

Für die klinische Praxis wird versucht, den Grad der Entzündung durch die Messung des sogenannten „fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxid (FeNO)“ zu bestimmen. Dies gelingt nicht invasiv über die Ausatemluft. Im individuellen Fall kann ein Ansteigen von FeNO durchaus mit einer Exazerbation korrelieren, für die Gesamtzahl der Asthmatiker ist es jedoch schwer, einen absoluten Grenzwert fest zu legen. Sehr hohe FeNO-Werte sprechen jedoch zu meist für ein allergisches Asthma mit akuter Entzündungsreaktion.

Gibt es solche Zusammenhänge auch für andere allergische Erkrankungen?

Auch andere allergische Erkrankungen zeigen typische Zeichen einer chronischen Entzündung. Bei der atopischen Dermatitis, d.h. beim atopischen Ekzem zeigt sich initial ebenfalls eine eher allergische Entzündungsreaktion. Im Verlauf der chronischen Dermatitis finden sich ebenfalls vermehrt Entzündungszellen in den entsprechenden Hautschichten und Entzündungsmediatoren, die von diesen Zellen ausgestoßen werden.

Gleiches gilt für die allergische Rhinitis, den Heuschnupfen: auch hier finden sich in Gewebeentnahmen aus der Nasenschleimhaut vermehrt Entzündungszellen, bei diesem sehr allergischen Krankheitsbild wieder hauptsächlich eosinophile Zellen und Lymphozyten vom sogenannten Th2-Typ, der klassischen allergischen Form der weißen Blutkörperchen. Im nasalen Sekret finden sich bei Rhinitikern typische Entzündungsmarker und Mediatoren.


Wie sieht eine anti-entzündliche Therapie aus?

Aufgrund der Erkenntnis, das Asthma eine chronische entzündliche Erkrankung ist, stellt die antientzündliche Therapie die wesentliche Basis für die Behandlung von Asthma bronchiale dar.

Die Basistherapie bei allen Formen von Asthma, die nicht nur sehr selten oder ausschließlich infekt-getriggert oder bei körperlicher Anstrengung auftreten, stellen auch weiterhin die inhalativen Corticosteroide (ICS), also Asthmasprays mit Cortison, dar. Hier ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Cortisonmenge bei weitem nicht der üblichen Dosis einer oralen oder intravenösen Applikation entspricht, sondern nur ein Minimum dessen darstellt. Die modernen Formen der Applikation durch Trockenpulver oder Dosier-Aerosole per Spacer ermöglichen zudem die Verabreichung direkt am Ort der Entzündung, so dass systemische Nebenwirkungen nur sehr gering auftreten. Dennoch sollte zur Vorbeugung von Pilz- und Virusinfektionen bei antientzündlicher Therapie nach Applikation des Steroids regelmäßig der Mund ausgewaschen bzw. etwas getrunken werden.

Neue Formen der Asthmatherapie zielen auf eine direkte Beeinflussung der entzündlichen Kaskade. Etabliert ist bislang von diesen neuen Therapieformen nur das sogenannte Anti-IgE, der Wirkstoff Omailzumab. Dieser Wirkstoff ist vorbehalten für schwere allergische Asthmatiker, die mit der Standardmedikation nicht ausreichend kontrolliert werden können.

In den letzten Jahren konnten in weiteren Studien neue Produkte zeigen, dass insbesondere für schlecht kontrollierbare, schwere Asthmatiker in der nächsten Zeit neue Produkte auf den Markt kommen, die ganz gezielt gegen bestimmte Zelltypen oder Mediatoren der allergischen Entzündung des Asthmas wirken.

Man liest immer wieder von „anti-entzündlichen Diäten“ mit antientzündlich wirkenden Nahrungsmitteln, wie sind diese therapeutisch zu bewerten?

Vor dem Hintergrund der entzündlichen Genese des Asthmas liegt es nahe, weiter antientzündliche Therapieformen für das Management zu suchen. Entsprechend werden teilweise Diäten oder Zusatzstoffe angeboten, die vorgeben, den „oxidativen Stress“ zu vermindern und Radikale etc. abzubauen. Hier fehlen bislang die Nachweise aus Studien, dass mit entsprechenden Behandlungsformen tatsächlich dem Patienten mit Asthma geholfen werden kann. Entsprechend kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine solche Therapie nicht empfohlen werden, sie ist auch in der Leitlinie nicht aufgenommen. Hier müssten also erst Studien abgewartet werden, die den klaren Nachweis einer sicheren und effektiven Therapie liefern können.

Herr Prof. Hamelmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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