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Husten Kind

Priv.-Doz. Dr. Ernst Rietschel, Leiter des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln

Husten beim Kind: Was kann dahinter stecken, wenn das Kind hustet?

Wenn das Kind hustet, ist das für viele Eltern besorgniserregend. Ein kindlicher Husten bedeutet jedoch nicht immer, dass ein ernsthaftes Problem besteht. Für die Eltern ist es oft schwer zu unterscheiden, wann ein Husten normal ist und wann er ein Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein könnte. Wann ist ein Husten „normal“? Welche Alarmzeichen weisen auf eine zugrundeliegende Erkrankung hin? Was hilft bei harmlosem Husten und wie behandelt man Asthma? Mein AllergiePortal sprach mit Priv.-Doz. Dr. Ernst Rietschel, Leiter des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln über harmlose und gefährliche Forman des Hustens bei Kindern.

Herr Priv.-Doz. Dr. Rietschel, eigentlich dient der Husten ja der Reinigung der Lunge, wann ist der Husten „normal“?

Der Husten ist ein Schutzreflex der Atemwege und der Lunge, und in diesem Zusammenhang „normal“. Wenn man sich z.B. verschluckt, werden Hustenrezeptoren gereizt und der Hustenreiz bringt alles, was nicht in die Atemwege gehört, wieder nach oben.

Jeder von uns hat schon erlebt, dass Fremdkörper wieder herausgehustet werden, selbst wenn sie bis in die Luftröhre geraten sind. Innerhalb der Atemwege findet man die Hustenrezeptoren jedoch auch schon im Bereich des Kehlkopfs. Dadurch kann alles, was die Lunge nicht erreichen soll, bereits weiter oben abgefangen werden.

„Normal“ ist der Husten auch bei Kindern in den ersten Lebensjahren, die sich mit der Umwelt bzw. mit Erregern in der Umwelt, insbesondere mit den Viren, auseinandersetzen. Im Zuge dieser Auseinandersetzung, d.h. bei einem meist eine Woche dauernden Virusinfekt, erkranken die Kinder in der Regel an einem Schnupfen. Die Niesrezeptoren in der Nase sorgen dafür, dass überschüssiges Nasensekret durch Niesen aus der Nase hinausbefördert wird. Ein Schnupfen wird bei Kindern aber häufig auch von Husten begleitet. Das liegt daran, dass das Nasensekret, das nicht über den Niesreiz entfernt werden kann, in den hinteren Rachenraum läuft. Das Sekret trifft dort auf den Kehlkopf, wo es die dort befindlichen Hustenrezeptoren mechanisch reizt und den Hustenreflex auslöst.

Es gibt jedoch auch Kinder, die einen Virusinfekt nicht nur über die Nase, sondern auch über die Bronchien durchmachen. Hier kommt es durch den Virusinfekt zu einer Entzündung der Bronchien. Solch ein Husten kann bei Kindern alle vier bis sechs Wochen auftreten.

Wichtig ist: Ganz gleich, ob die Kinder auf die Infekte eher mit einem Schnupfen oder mit einem Husten reagieren, acht bis zehn solcher Episoden pro Jahr sind in den ersten drei bis vier Lebensjahren eines Kindes durchaus normal und diese gehören zum Training des Immunsystems. Die Frage ist allerdings, welche Alarmzeichen darauf hinweisen, dass ein Husten das normale Maß übersteigt.

Sollte man diese „normale“ Art von Virusinfekten bei Kindern überhaupt behandeln?

Diese Art von Infekten sollte man nicht behandeln, denn sie heilen von ganz alleine aus. Es reicht völlig aus, dem Kind viel zu trinken zu geben.

Allerdings: Wenn das Kind fiebert, sollte man fiebersenkende Maßnahmen ergreifen. Medizinisch notwendig ist dies zwar nicht, denn durch ein leichtes Fieber wird das Kind keinen Schaden nehmen. Dem Körper geht jedoch viel Flüssigkeit verloren und das Kind leidet - besser ist es, man senkt das Fieber. Dazu gibt es etablierte, wirksame und fast nebenwirkungsfreie Präparate, die man Kindern unbedenklich geben kann. Pflanzliche Präparate oder homöopathische Mittel sind in der Regel nicht so wirksam.


Sie erwähnten „Alarmzeichen“: Bei welchen Symptomen sollten die Eltern einen Kinderarzt aufsuchen?

In der Tat gibt es Alarmzeichen, deren Auftreten die Eltern zum Handeln veranlassen sollten. Wenn z.B. der Husten mit Fieber einhergeht und wenn dieses Fieber länger als drei Tage anhält, sollten die Eltern einen Kinderarzt aufsuchen. Hier gilt es zu prüfen, ob eventuell eine Lungenentzündung vorliegt oder ob sich hinter den Symptomen eine Mittelohrentzündung verbirgt. Mittelohrentzündungen sind bei Infekten der oberen Atemwege bei kleinen Kindern nicht selten.

Ein weiteres Alarmzeichen ist, wenn der Husten des Kindes mit Atemnot einhergeht. Die Kinder atmen dann schneller als normal, man nennt das medizinisch „Tachypnoe“ für „zu schnelles Atmen“. Auch in diesem Fall ist ein Artbesuch unbedingt notwendig.

Auch ein Husten, der länger als vier Wochen dauert, ist ein Anlass, den Arzt zu konsultieren, auch wenn dabei das Fieber nicht länger als drei Tage anhält. Zu einer so langen Hustenperiode kann es kommen, wenn Kinder quasi von einem Infekt in den anderen „fallen“ und die Infekte regelrecht ineinander übergehen.  

Fängt ein ca. ein bis drei Jahre altes Kind ganz plötzlich an zu husten, obwohl es keinen Infekt hat, dann muss man an eine Fremdkörperaspiration denken. Das bedeutet es könnte ein Fremdkörper in die Atemwege gelangt sein und den Husten ausgelöst haben. Kinder in diesem Alter nehmen alles in den Mund. Die häufigsten Fremdkörper sind Erdnüsse und Kinderspielzeug, das Kleinteile enthält. In diesem Fall muss man sofort einen Arzt aufsuchen, denn es besteht Erstickungsgefahr.

Ein Husten kann bei Kindern auch eine allergische Ursache haben, gibt es hierfür Anzeichen?    

Bedenklich ist ein Husten, der von pfeifenden Atemgeräuschen begleitet wird. Damit ist ein Atemgeräusch gemeint, das in den Husten-Pausen und vor allem beim Ausatmen auftritt. Dieses pfeifende Atemgeräusch nennt man medizinisch „Giemen“, und es kann ein Hinweis auf Asthma sein. Auf jeden Fall wäre ein solches Atemgeräusch ein Grund, zur Abklärung zum Arzt zu gehen.

Im Gegensatz dazu gibt es auch ein Geräusch, das bei der Einatmung auftritt, medizinisch als „inspratorischer Stridor“ bezeichnet und das mit einem bellenden Husten einhergeht. Dabei handelt es sich um den sogenannten „Pseudokrupp“, der aber nur selten allergisch bedingt ist.

Wenn der Husten bei Kontakt mit Allergenen besonders stark auftritt, ist dies auch ein Anlass, an eine allergische Ursache zu denken. Typische Situationen sind: „Das Kind hustet immer, wenn wir die Oma besuchen, die eine Katze hat.“ oder „Immer wenn wir am Reitstall vorbei laufen, hustet das Kind.“ Oder „Das Kind hustet dann, wenn die Tante mit dem Hund zu Besuch kommt.“ oder „Immer wenn im Februar die Birkenpollen fliegen, hustet mein Kind, sonst nie.“

Über die Anamnese versucht der Arzt herauszufinden, ob es einen solchen Zusammenhang zwischen dem Husten und dem Trigger, dem Allergen gibt. Z.B. haben die Kinder, wenn sie älter werden, häufig einen Heuschnupfen, der oft auch mit Augenjucken und Nießattacken einhergeht. Wenn diese Kinder dann während der Pollenflugzeit noch einen Husten entwickeln, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein zusätzliches Asthma.

Ein spezieller Fall kann vorliegen, wenn ein etwa 13-jähriges Kind, das zuvor nie Probleme hatte, plötzlich anfängt zu husten. Oft sind hier die ersten Rauchversuche die Ursache und das verraten die Kinder den Eltern häufig nicht.

Im gleichen Alter, d.h. in der Pubertät, kann auch ein psychogener Husten auftreten. Bei psychogenem Husten haben die Kinder ausschließlich in der Schule Symptome und stören damit den Unterricht ungemein. Der psychogene Husten ist häufig ein Zeichen von zu hohem Druck durch Schule und Elternhaus und tritt immer häufiger auf. Ein sicherer Hinweis für diese Form des Hustens ist es, wenn der Husten nachts nie auftritt und die Kinder friedlich durchschlafen. Um den psychogenem Husten in den Griff zu bekommen benötigt man die Hilfe eines Psychologen und manchmal auch eines Atemtherapeuten. Außerdem müssen die Eltern die übervollen Terminkalender ihres Kindes deutlich ausdünnen.

 

Wann kann Husten bei Kindern ein Alarmzeichen sein?
  • Fieber, das länger als drei Tage anhält
  • Husten, der mit Atemnot einhergeht
  • Husten, der länger als vier Wochen anhält
  • Plötzlicher Husten, der nicht auf einen Infekt zurückzuführen ist
  • In den Pausen zwischen dem Husten tritt beim Ausatmen ein pfeifendes Atemgeräusch auf
  • Bellender Husten, der beim Einatmen von einem Atemgeräusch begleitet wird
  • Husten, der stets bei Allergenkontakt auftritt
  • Andauernder Husten bei Kindern, die bereits Allergien haben oder hatten
  • Husten, der ausschließlich während des Schulunterrichts auftritt
© Priv.-Doz. Dr. Ernst Rietschel, Personaloberarzt und Leiter des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Uniklinik Köln

Wie klärt der Arzt ab, ob beim Kind ein Asthma vorliegt?

Bei Kindern ab sechs  Jahren kann ein Lungenfunktionstest durchgeführt werden. Damit sieht man, ob die Atemwege „eng gestellt“ sind, und dies wäre ein Zeichen für Asthma.

Bei Kindern unter sechs Jahren ist ein Lungenfunktionstest  nicht möglich. In diesem Fall muss man sich über die Krankheitsgeschichte und die Familienanamnese der Diagnose „Asthma“ nähern. Liegen alle Faktoren vor, die mit einem Asthma in Zusammenhang stehen, ist auch bei kleinen Kindern eine Diagnose möglich. Da Asthma vererbt werden kann, gehört zu diesen Faktoren  z.B. dass die Mutter Asthma hat. Ein weiterer Faktor ist, dass das Kind bereits eine allergische Erkrankung hat oder hatte, z.B. eine Neurodermitis oder eine Nahrungsmittelallergie. Kommen diese Faktoren zusammen, spricht man von einem „atopischen Kind“ und wenn ein solches Kind dauerhaft hustet und ein pfeifendes Atemgeräusch entwickelt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Asthma handelt, sehr groß.

Ein wichtiger Punkt bei der Diagnose ist die Allergiediagnostik. Dafür kann man beim Kind in jedem Alter einen Hauttest, den Prick-Test durchführen, um mögliche Sensibilisierungen zu erkennen. Ebenso ist ein Bluttest möglich, der IgE-Test, mit dem man im Blutserum Antikörper gegen die Allergene nachweisen kann. 

Ist ein Asthma bei Kindern immer allergisch bedingt?

Ein nicht-allergisches Asthma ist bei Kindern eher selten. Fast immerbesteht bei asthmatischen Kindern eine Überempfindlichkeit der Atemwege, die angeboren ist. Die Allergie agiert dann als Triggerfaktor, der das Asthma auslöst.

Auch Virusinfekte oder Schadstoffe, wie z.B. Zigarettenrauch, wirken als Triggerfaktoren und können ein Asthma auslösen. Kommen mehrere Faktoren zusammen, spricht man von einem „gemischten Asthma“.

Es gibt auch Menschen, die keine Allergien haben, sondern nur auf Faktoren wie Virusinfekte, Zigarettenrauch oder Anstrengung  reagieren, aber wie gesagt, kommt dies bei Kindern eher selten vor. Bei Kindern überwiegt das „gemischte Asthma“

Welche Therapie würde man durchführen, wenn das Kind tatsächlich Asthma hat?

Liegt eine allergisch bedingte Entzündung der Atemwege, d.h. ein allergisches Asthma  vor, wäre es am besten, das Allergen zu meiden. Allerdings sind z.B. bei einer Tierhaarallergie, die meisten Familien nicht bereit, auf ihr Haustier zu verzichten.

Kausal behandeln würde man die dem Asthma zugrunde liegende Entzündung mit lokalem Kortison. Das bedeutet, das Kind würde ein gering dosiertes, kortisonhaltiges, nebenwirkungsarmes Präparat inhalieren.

Stellt man dann fest, dass immer höhere Dosen nötig sind, um eine Symptomfreiheit zu erreichen, würde man an eine spezifische Immuntherapie denken. Die spezifische Immuntherapie ist für Kinder ab fünf Jahren zugelassen und hat sich bei Pollenallergien sehr gut bewährt.

Bei Tierhaarallergien ist die spezifische Immuntherapie allerdings nicht unproblematisch, denn die Therapie wird in diesem Fall meist nicht gut vertragen. Außerdem weiß man noch nicht, wie gut die Wirksamkeit ist, denn die Studienlage ist bei Tierhaarallergien nicht sehr gut.  

Herr Priv.- Doz. Dr. Rietschel, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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