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Asthma, COPD

Prof. Dr. Johann Christian Virchow, Leiter des Zentrums für Innere Medizin, Abteilung für Pneumologie an der Universitätsmedizin der Universität Rostock

Asthma oder COPD – was ist der Unterschied?

Mit COPD (chronic obstructive pulmonary disease) bezeichnet man eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, die mit Symptomen wie Atemnot, Husten und Auswurf einhergehen kann. Ähnliche Symptome können auch bei Asthma auftreten. Deshalb besteht bei den beiden Krankheitsbildern eine gewisse Verwechslungsgefahr. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Johann Christian Virchow, Leiter des Zentrums für Innere Medizin, Abteilung für Pneumologie an der Universitätsmedizin der Universität Rostock über Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Asthma und COPD.

Herr Prof. Virchow, wie unterscheiden sich Asthma-Symptome von den Symptomen bei COPD bzw. wo sind sie sich ähnlich?

In schlimmen Fällen können sich die Symptome von Asthma und COPD sehr stark ähneln - beide Erkrankungen sind hauptsächlich von Atemnot geprägt.

Während die asthmatische Atemnot aber klassischerweise eher anfallsartig auftritt und auf eine Asthmatherapie sehr gut anspricht, ist dies bei der COPD nicht der Fall. Die COPD-Atemnot ist meist dauerhaft, d.h. sie ist immer vorhanden. Im Gegensatz dazu tritt die Atemnot beim Asthma häufig in Reaktion auf Triggerfaktoren auf. Zu diesen Triggerfaktoren gehören z.B. Allergenkontakt, kalte Luft, Zigarettenrauch oder körperliche Anstrengung.

Asthma ist eigentlich eine Erkrankung, die vornehmlich bei jungen Menschen auftritt. Dagegen ist COPD bei uns eine Erkrankung des langjährigen Rauchers.  

Gibt es, abgesehen vom Rauchen, noch andere Ursachen für COPD und wie entsteht Asthma?

Das Rauchen ist in westlichen Ländern die einzige Ursache für COPD. In weniger entwickelten Ländern, wie z.B. China, Indien, Albanien, Afrika etc. findet man hauptsächlich bei Frauen, die am offenen Feuer kochen und permanenter Rauchentwicklung ausgesetzt sind, COPD, obwohl sie nie geraucht haben. Auslöser von COPD ist hier also die Exposition gegenüber Verbrennungsabgasen, die bei uns keine Rolle mehr spielt.

Die Ursachen von Asthma sind unklar. Es gibt eine Hypothese, die Hygiene-Hypothese, die davon ausgeht, dass der Rückgang von Infektionskrankheiten und ein Mangel an bakterienhaltigem Schmutz und Staub eine Ursache für das allergische Asthma sein kann. Dadurch, dass unser Immunsystem nicht mehr durch die genannten "echten Feinde" gefordert ist, ist es möglicherweise "gelangweilt".  Das Immunsystem sucht sich deshalb "neue Feinde", wie z.B. Allergene, obwohl diese normalerweise harmlos sind. An Stelle der Bakterien etc. werden Bestandteile von Pollen, Tierhaaren etc., d.h. Fremdproteine angegriffen, das Immunsystem bildet eine Abwehrreaktion gegen diese Proteine aus und ein allergisches Asthma ist die Folge.


Welche Diagnosemethoden stehen zur Diagnose von Asthma zur Verfügung und wie diagnostiziert der Arzt COPD?

Das Wichtigste - und dies gilt für beide Erkrankungen – ist die Anamnese. Dabei ist es wichtig, dass der Arzt den Patienten genau befragt, wann die Beschwerden auftreten und wie die Symptome aussehen.

Ebenfalls wichtig für beide Erkrankungen ist die Durchführung einer Lungenfunktionsmessung, ohne Lungenfunktionsmessung sollte man keine Diagnose stellen.

Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist der Reversibilitätstest. Mit dem Reversibilitätstest wird untersucht,  ob sich die bei der Lungenfunktionsmessung festgestellte Verengung der Atemwege durch eine Behandlung mit bronchialerweiternden Stoffen deutlich verbessert. Ein Asthma spricht typischerweise positiv auf bronchialerweiternde Stoffe an, bei der COPD ist dies nicht der Fall. Anhand des Reversibilitätstests muss eine Therapie für den Patienten entwickelt werden, die ihm dauerhaft hilft.

Wer kann solche Lungenfunktionsmessungen durchführen?

Es gibt eine einfache Lungenfunktionsmessung, die sogenannte Spirometrie, die von jedem Allgemeinmediziner durchgeführt werden können sollte. Weiter gibt es eine komplexere Messung der Lungenfunktion, die häufig eine Ganzkörperplethysmographie einschließt und die vom Pneumologen, d.h. vom Lungenfacharzt, durchgeführt wird.

Asthma und COPD werden manchmal verwechselt. Woran liegt das? Was sollten Nicht-Pneumologen beachten, was der Patient?

Die Differenzierung von Asthma und COPD ist nicht immer ganz einfach. Insbesondere bei älteren Patienten mit schwerem Asthma, die schlecht auf die Therapie ansprechen, kann der Eindruck entstehen, es handele sich um eine COPD. Dann gibt es auch Patienten mit Asthma, die trotz der Erkrankung stark rauchen. Dadurch kann es schwierig werden zu unterscheiden, ob die Beschwerden von Asthma, von COPD oder vom Rauchen verursacht werden. Dennoch ist es wichtig eine Differenzialdiagnose zu stellen, auch wenn dies therapeutisch nicht unbedingt maßgebliche Konsequenzen hat. Eine Differenzierung ist insbesondere im Hinblick auf die Prognose wichtig. Während es mit Asthma durchaus möglich ist, ein hohes Alter zu erreichen, ist die Lebenserwartung von COPD-Patienten deutlich niedriger.


Wie unterscheidet sich die Behandlung von Asthma von der Behandlung einer COPD?

Es gibt Gemeinsamkeiten bei der Therapie von Asthma und COPD. So ist z.B. die Inhalationstherapie bei Asthma und COPD durchaus ähnlich, in beiden Fällen setzt man bronchialerweiternde Substanzen ein. Man therapiert auch mit inhalativen Kortikosteroiden, d.h. mit inhalierbarem Kortison, wobei dieses bei Asthma einen wesentlich höheren Stellenwert hat als bei der COPD.

Unterschiede in der Therapie von Asthma und COPD liegen z.B. darin, dass Patienten mit COPD eher mit Anticholinergika zu behandeln sind, einem Wirkstoff, der die Kontraktion der glatten Muskulatur dämpft. Auch sind COPD-Patienten besser mit dem Wirkstoff Roflumilast  zu therapieren, der für die Behandlung von Asthma nicht zugelassen ist. Patienten mit COPD benötigen auch häufiger Sauerstoff und aufgrund der oft sehr starken Lungenüberblähung kann eine Volumenreduktionsoperation oder ein sogar eine Lungentransplantation erforderlich sein.

Welche Auswirkungen kann es haben, wenn COPD und Asthma verwechselt werden und dadurch auch jeweils falsch behandelt?

Wie gesagt darf bei der Behandlung von Asthma ein inhalatives Kortison nicht fehlen. Wenn das Asthma als COPD behandelt wird und lediglich bronchialerweiternde Medikamente verabreicht werden, kann dies den Patienten erheblich schädigen.

Herr Prof. Virchow, herzlichen Dank für dieses Gespräch!