Asthma und Osteopathie

Dr. med. Ulrike Aussem, ProMotus, Kronberg

Asthma: Wie kann die Osteopathie Beschwerden lindern?

Viele  denken bei "Osteopathie" an die Behandlung von Erkrankungen der Knochen, denn das altgriechische "osteo" steht für "Knochen" und Probleme des Bewegungsapparates sind in der Tat häufig der Grund für den Besuch bei einem Osteopathen. Weniger bekannt ist, dass die Osteopathie ein Diagnose- und Therapiekonzept ist, dass auch die inneren Organe und das Nervensystem betrachtet. Mit osteopathischen Techniken wird versucht, generell die Selbstheilungskräfte des Körpers zu mobilisieren und Blockaden zu lösen. Auch Begleiterscheinungen, die mit Asthma einhergehen, gehören zu den Beschwerden bei denen die Osteopathie helfen kann. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Ulrike Aussem, ProMotus, Kronberg.

Frau Dr. Aussem, mit welchen Beschwerden kommen Patienten zu Ihnen, die an der Grunderkrankung "Asthma" leiden?

Die meisten Patienten klagen über Beschwerden im Bereich des Brustkorbes, eine verspannte Schulter- oder Nackenmuskulatur, manchen fällt das Atmen einfach schwer und sie fragen, ob Osteopathie da helfen kann. Aber auch Schmerzen im Oberbauch oder Sodbrennen gehören zu den häufiger angeführten Beschwerden der Asthma-Patienten.

Bringen die Patienten ihre Beschwerden mit der Asthmaerkrankung in Verbindung?

Wenn die Beschwerden direkt mit der Atmung zu tun haben, dann sehen die Patienten sofort einen Zusammenhang zu der Grunderkrankung. Bei Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich oder Blockierungen der Hals- und Brustwirbelsäule jedoch nur bedingt.

Wie erfolgt die Diagnose in der Osteopathie?

Der Patient wird sehr gründlich von Kopf bis Fuß untersucht – in der Osteopathie gehen wir davon aus, das alle Strukturen des menschlichen Körpers miteinander funktionell verbunden sind und sich so Funktionsstörungen an einem Organ oder einer Struktur auch an anderen Körperregionen bemerkbar machen können. Wir machen uns also erst einmal ein Bild des gesamten Körpers.

Wenn wir Auffälligkeiten gefunden haben, untersuchen wir diese dann noch genauer – Hilfsmittel benötigt ein Osteopath keine, alle Untersuchungen werden mit den Händen durchgeführt, da Fehlfunktionen und Spannungsveränderungen für den Geübten über die Hände gut zu spüren sind.

Welche körperlichen Veränderungen stellen Sie bei den Asthma-Patienten fest? Wie kann ein Asthma diese Veränderungen auslösen?

Bei sehr vielen der Asthma Patienten hat das Zwerchfell, das ist der große Muskel, der Brust und Bauchraum voneinander trennt und der für die Einatmung essentiell wichtig ist, eine vermehrte Spannung, auch wenn beim Asthma ja eher die Ausatmung das Problem darstellt.

Besonders betroffen ist auch die sogenannte Atemhilfsmuskulatur, die am Brustkorb zwischen und über den Rippen, am Bauch und am Rücken, sowie an der Halswirbelsäule und ihrer Verbindung zum Rumpf sitzt. Diese Muskeln müssen beim Asthma eine vermehrte Arbeit leisten und weisen sehr häufig, teils erhebliche, Verspannungen auf. Aufgrund dieser Verspannungen kann es auch zu Fehlfunktionen von Skelettanteilen, z.B. der Wirbelkörper und des Schulterblattes kommen, da einige dieser Muskeln dort ansetzen.


Welche Möglichkeiten bietet die Osteopathie zur Therapie dieser Beschwerden bei Asthma? 

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen osteopathischen Techniken, mit denen man diese Spannungsänderungen im Körpersystem wieder lösen, bzw. deutlich reduzieren kann. Ziel ist es, zu versuchen, wieder ein ausbalanciertes System herzustellen, aus dem heraus der Körper dann mit deutlich mehr Kraft und Leistung seinen Anforderungen gerecht werden kann.

Die Behandlung erfolgt über manuelle Techniken, d.h. es werden auch zur Therapie nur die Hände des Therapeuten eingesetzt. Die meisten dieser Techniken sind sehr sanft, oft spürt der Patient nur an der eintretenden Entspannung, dass überhaupt behandelt wird. Es gibt allerdings auch einige Techniken, insbesondere an den inneren Organen und dem Zwerchfell, die im ersten Moment, bis sich die Spannung gelöst hat, ein wenig unangenehm sein können.

Was passiert bei einer osteopathischen Sitzung, wie lange dauert sie und wieviele Sitzungen benötigt man?

Eine Osteopathische Sitzung dauert in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten, je nachdem, wieviele unterschiedliche Techniken eingesetzt werden, wie schnell sich die Spannungen lösen und wieviel dem Patienten zugemutet werden kann. Denn obwohl diese Techniken so sanft sind, sind sie doch sehr effektiv und der Patient ist sehr oft müde und manchmal sogar ein wenig erschöpft nach der Therapie, obwohl er häufig nur sehr wenig selbst aktiv war.

In der Osteopathie versuchen wir, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Auch Selbstheilung ist Arbeit für den Körper – nach den osteopathischen Sitzungen sollte man also keine anstrengenden Arbeiten oder Unternehmungen planen, sondern sich am besten die Zeit für ein wenig Ruhe einplanen.

In der Regel werden 2 bis 3 Sitzungen im Abstand jeweils von 3 bis 4 Wochen benötigt, bis eine deutliche Verbesserung des Befundes eingetreten ist. Manchmal behandelt man dann nach 3 und 6 Monaten noch einmal nach. Bei ganz akuten Prozessen kann der Abstand zwischen den Behandlungen auch einmal kürzer sein.

Wie lange hält die Wirkung der Behandlung in der Osteopathie an?

Die Dauer des Erfolges ist sehr abhängig von der zugrunde liegenden "Störung" im Körpersystem. Manchmal treten Beschwerden nie wieder auf, manchmal sind 2 bis 3 osteopathische Sitzungen im Jahr notwendig, um den Behandlungserfolg zu erhalten.

Es muss jedoch auch festgehalten werden, das Osteopathie keine Wunder bewirken kann und nicht alle Beschwerden von Patienten einer osteopathischen Behandlung zugängig sind.

Nach der ersten gründlichen Untersuchung wird der Osteopath in einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten die Befunde und die Therapiemöglichkeiten erörtern.

Wie wirkt sich die Osteopathie-Therapie auf die Grunderkrankung "Asthma" aus?

Osteopathie kann ein Asthma nicht heilen. Sie vermag aber, den Körper und seine ihm innewohnenden Selbstheilungskräfte bestmöglichst einzustellen, um die Grundvoraussetzung für "Gesundung" zu optimieren und die Auswirkungen des Asthmas auf die verschiedenen Körpersystem so gering wie möglich zu halten.

Frau Dr. Aussem, herzlichen Dank für dieses Interview!

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