Blasinstrumente und Asthma bronchiale

Privatdozent Dr. Michael Kreuter, Oberarzt in der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin an der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg

Hilft das Spielen von Blasinstrumenten bei Asthma bronchiale?

Wie entsteht beim Spielen von Blasinstrumenten dieser positive Effekt auf die Lungenfunktion?

Der Effekt entsteht dadurch, dass das Spielen von Blasinstrumenten bestimmte Abläufe im Bereich der Atemwege trainiert, die den normalen Abläufen einer gesunden Atmung entsprechen.

Wenn ein Musiker ein Blechblasinstrument spielt, laufen im Körper ganz bestimmte Prozesse ab. Beim Luftholen werden das Zwerchfell und die Rippenmuskulatur beansprucht. Beginnt der  Musiker zu spielen, versucht er einen gleichmäßigen Luftstrom zu erzeugen. Dabei sind dann nicht allein Zwerchfell und Rippenmuskulatur, sondern auch die Bauchmuskulatur beteiligt. Hinzu kommt, dass die Lippen, die ja mit dem Mundstück in Berührung kommen, durch den Blasvorgang in Schwingungen versetzt werden, wodurch im Instrument eine sogenannte Luftsäule entsteht. Letztendlich entsteht so der Ton, der durch das Bedienen der für das jeweilige Instrument typischen "Tasten" variiert werden kann - bei der Posaune ist das z.B. der Zug, bei der Trompete sind es die Ventile. Je höher und je lauter der Ton ist, desto mehr steigen der Druck und die Luftflussrate in der Mundhöhle, aber diese Faktoren sind, je nach Blasinstrument, sehr unterschiedlich.

Zusammengefasst heißt das, dass man mit dem Spielen von Blasinstrumenten den "richtigen" Luftfluss trainiert. Man trainiert es quasi, mit seinem Atem zu hauszuhalten und trainiert gleichzeitig die Atemmuskeln.

Sie erwähnten, das Spielen "bestimmter" Blasinstrumente sei empfehlenswert, welche Instrumente sind empfehlenswert und welche nicht?

Die zur Unterstützung asthmatischer Erkrankungen am besten geeignetsten Instrumente könnten die Trompete und die Klarinette sein. Hier wird die sogenannte "Stütze" angestrebt, d.h. ein Training des Zwerchfells, das einen kontinuierlichen Luftfluss ermöglicht. Und, ohne die Tubisten und Flötenspieler enttäuschen zu wollen, das Spielen der Tuba oder der Flöte ist für Asthmatiker wahrscheinlich eher nicht hilfreich. Hier kommt es nicht zu den erwähnten Luftflüssen und es wird nicht genügend Druck erzeugt. Prinzipiell ist aber sicher das Spielen jedes Blasinstrumentes bei Asthma förderlich. 

Welche "Dosis" ist für das Musizieren empfehlenswert?

Wenn ein Kind ein Blasinstrument erlernt, sollte es grundsätzlich täglich üben. Viele meiner Patienten, die begeisterte Laienmusiker sind, spielen täglich ca. eine halbe bis eine Stunde. Ein Asthmatiker wird hier sicher ein höheres Pensum bewältigen können als ein Patient mit einer schweren Lungenfibrose oder einer schweren COPD. Die richtige Dosis bemisst sich sicher daran, was dem Patienten selbst gut tut.

Gilt diese positive Wirkung für alle Patienten oder gibt es auch Fälle, in denen das Spielen von Blasinstrumenten nicht angeraten ist?

Prinzipiell gilt die positive Wirkung des Spielens von Blasinstrumenten auf das Asthma Bronchiale sicher für alle Patienten. Wichtig ist jedoch eine regelmäßige Reinigung des Instrumentes, damit keine Verunreinigungen ins Atemsystem gelangen können.

Gegen das Spielen von Blasinstrumenten spräche lediglich, wenn der Patient bemerkt, dass das Musizieren ihm nicht gut tut. Dann sollte er Rücksprache mit seinem Arzt nehmen.  

Gilt die positive Wirkung auch für das Singen?

Hierzu gibt es nur wenige Untersuchungen. Ich kenne sehr viele Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen persönlich, die sich durch das Singen gestärkt führen. Mit Sicherheit ist das Singen bei Asthma förderlich, allerdings wurde diese Wirkung  in Studien nicht mit der Wirkung des Spielens von Blasinstrumenten verglichen.

Herr Privatdozent Kreuter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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