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Blasinstrumente und Asthma bronchiale

Privatdozent Dr. Michael Kreuter, Oberarzt in der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin an der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg

Hilft das Spielen von Blasinstrumenten bei Asthma bronchiale?

In früheren Zeiten wurde Asthmapatienten geraten, jede Anstrengung zu meiden. Mittlerweile weiß man, dass es für die Patienten durchaus hilfreich sein kann, die Atemmuskulatur zu trainieren. So kann sich z.B. körperliche Anstrengung, insbesondere beim Ausdauersport bei Asthmatikern positiv auf die Lungenfunktion auswirken. Die Frage, warum auch das Spielen von Blasinstrumenten bei Asthma eine positive Wirkung entfalten kann, beantwortete Privatdozent Dr. Michael Kreuter, Oberarzt in der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin an der  Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg für MeinAllergiePortal.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Privatdozent Dr. Michael Kreuter

Herr Privatdozent Kreuter, das Spielen von Blasinstrumenten soll sich bei Kindern mit Asthma bronchiale positiv auswirken - was bewirkt das Musizieren?

Zunächst muss man wissen: Kinder, die ein Asthma bronchiale haben, leiden unter einer Atemwegsobstruktion, d.h. unter einer Verengung der Atemwege und einer Überblähung der Lunge, d.h. die Lunge enthält zu viel Luft. Man ging deshalb lange davon aus, dass das Spielen von Blasinstrumenten für diese Kinder schädlich sei.

Studien haben jetzt jedoch gezeigt, dass das Spielen von Blasinstrumenten bei Kindern mit Asthma bronchiale die Lungenfunktion signifikant verbessert. Auch zeigte sich bei asthmaerkrankten Kindern, die Blasinstrumente spielen, seltener eine Verschlechterung des Krankheitsbildes.

Eine weitere Studie konnte zudem bei Kindern mit Asthma, die unter einer Deformation des Brustbeines litten, einen positiven Effekt nachweisen. Dabei handelt es sich um eine Folgeerkrankung, die mit Asthma bronchiale einhergehen kann. In der Untersuchung ging die sogenannte Hühnerbrust (ausgewölbte Brust) oder Trichterbrust (eingesunkene Brust) bei diesen Kindern nach mehrjährigem Spielen von Blasinstrumenten zurück, d.h. sie hat sich "geglättet".

Durch das Musizieren steigert sich, laut Studien, auch die physische und psychische Leistungsfähigkeit der Kinder. Dies wirkt sich positiv auf die Lebensqualität der Kinder aus - Asthma ist ja eine sehr variable Erkrankung, bei der die Psyche eine große Rolle spielt. Das Erfolgserlebnis, das Musizieren in der Gruppe, die Emotionalität, die mit der Musik einhergeht – und mit Blasinstrumenten ist ja jede Musikrichtung möglich – all diese Faktoren tragen bei Kindern mit Asthma ganz erheblich zur Steigerung der Lebensqualität bei.

Dieser letztgenannte Aspekt gilt allerdings nicht allein für Asthma. Nicht umsonst wird die Musik seit längerem in der Psychologie und der Psychiatrie therapeutisch eingesetzt. Aber auch als therapieunterstützende Maßnahme bei der Behandlung von Herzerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Krebserkrankungen und in der Intensivmedizin wird Musik zunehmend genutzt.

Insgesamt betrachtet führen all diese Erkenntnisse dazu, dass das Spielen von bestimmten Blasinstrumenten den Kindern mit chronisch obstruktiven Atemerkrankungen empfohlen werden kann.

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Gelten diese Erkenntnisse über die positiven Effekte des Spielens von Blasinstrumenten auch für das Allergische Asthma bzw. auch für Erwachsene?

Für welche Formen des Asthmas diese Erkenntnisse gelten, ist schwer zu sagen, da dies in den Studien nicht differenziert wurde. Allerdings sind die Studien an Kindern durchgeführt worden und Kinder haben meist ein Allergisches Asthma. Deshalb kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Studienerkenntnisse auch für das Allergische Asthma gelten, bzw. für alle Formen des Asthmas.

Die erwähnten Studien wurden vor allem an Kindern untersucht. Es gibt jedoch für andere Atemwegserkrankungen auch Untersuchungen über die Wirkung des Spielens von Blasinstrumenten auf Erwachsene. Die Ergebnisse dieser Studien gehen in eine ähnliche Richtung, z.B. die Didgeridoo-Studie an Schlafapnoe-Patienten. Bei Schlafapnoe kommt es im Schlaf wiederholt zu Atemstillstand, die Patienten schnarchen und die Traumschlafphase wird unmöglich. In der Studie hat man festgestellt, dass das regelmäßige Spielen des Didgeridoo ein Verbesserung der Symptome mit sich bringt. Ähnliche Studien gibt es für Erwachsene, die an COPD leiden. Hier hat sich gezeigt, dass das Spielen eines Blasinstruments Symptome wie Ängstlichkeit und Luftnot optimiert. Man kann deshalb davon ausgehen, dass Erwachsene vom Spielen von Blasinstrumenten genauso profitieren, wie die Kinder.

Wie entsteht beim Spielen von Blasinstrumenten dieser positive Effekt auf die Lungenfunktion?

Der Effekt entsteht dadurch, dass das Spielen von Blasinstrumenten bestimmte Abläufe im Bereich der Atemwege trainiert, die den normalen Abläufen einer gesunden Atmung entsprechen.

Wenn ein Musiker ein Blechblasinstrument spielt, laufen im Körper ganz bestimmte Prozesse ab. Beim Luftholen werden das Zwerchfell und die Rippenmuskulatur beansprucht. Beginnt der  Musiker zu spielen, versucht er einen gleichmäßigen Luftstrom zu erzeugen. Dabei sind dann nicht allein Zwerchfell und Rippenmuskulatur, sondern auch die Bauchmuskulatur beteiligt. Hinzu kommt, dass die Lippen, die ja mit dem Mundstück in Berührung kommen, durch den Blasvorgang in Schwingungen versetzt werden, wodurch im Instrument eine sogenannte Luftsäule entsteht. Letztendlich entsteht so der Ton, der durch das Bedienen der für das jeweilige Instrument typischen "Tasten" variiert werden kann - bei der Posaune ist das z.B. der Zug, bei der Trompete sind es die Ventile. Je höher und je lauter der Ton ist, desto mehr steigen der Druck und die Luftflussrate in der Mundhöhle, aber diese Faktoren sind, je nach Blasinstrument, sehr unterschiedlich.

Zusammengefasst heißt das, dass man mit dem Spielen von Blasinstrumenten den "richtigen" Luftfluss trainiert. Man trainiert es quasi, mit seinem Atem zu hauszuhalten und trainiert gleichzeitig die Atemmuskeln.

Sie erwähnten, das Spielen "bestimmter" Blasinstrumente sei empfehlenswert, welche Instrumente sind empfehlenswert und welche nicht?

Die zur Unterstützung asthmatischer Erkrankungen am besten geeignetsten Instrumente könnten die Trompete und die Klarinette sein. Hier wird die sogenannte "Stütze" angestrebt, d.h. ein Training des Zwerchfells, das einen kontinuierlichen Luftfluss ermöglicht. Und, ohne die Tubisten und Flötenspieler enttäuschen zu wollen, das Spielen der Tuba oder der Flöte ist für Asthmatiker wahrscheinlich eher nicht hilfreich. Hier kommt es nicht zu den erwähnten Luftflüssen und es wird nicht genügend Druck erzeugt. Prinzipiell ist aber sicher das Spielen jedes Blasinstrumentes bei Asthma förderlich. 

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Welche "Dosis" ist für das Musizieren empfehlenswert?

Wenn ein Kind ein Blasinstrument erlernt, sollte es grundsätzlich täglich üben. Viele meiner Patienten, die begeisterte Laienmusiker sind, spielen täglich ca. eine halbe bis eine Stunde. Ein Asthmatiker wird hier sicher ein höheres Pensum bewältigen können als ein Patient mit einer schweren Lungenfibrose oder einer schweren COPD. Die richtige Dosis bemisst sich sicher daran, was dem Patienten selbst gut tut.

Gilt diese positive Wirkung für alle Patienten oder gibt es auch Fälle, in denen das Spielen von Blasinstrumenten nicht angeraten ist?

Prinzipiell gilt die positive Wirkung des Spielens von Blasinstrumenten auf das Asthma Bronchiale sicher für alle Patienten. Wichtig ist jedoch eine regelmäßige Reinigung des Instrumentes, damit keine Verunreinigungen ins Atemsystem gelangen können.

Gegen das Spielen von Blasinstrumenten spräche lediglich, wenn der Patient bemerkt, dass das Musizieren ihm nicht gut tut. Dann sollte er Rücksprache mit seinem Arzt nehmen.  

Gilt die positive Wirkung auch für das Singen?

Hierzu gibt es nur wenige Untersuchungen. Ich kenne sehr viele Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen persönlich, die sich durch das Singen gestärkt führen. Mit Sicherheit ist das Singen bei Asthma förderlich, allerdings wurde diese Wirkung  in Studien nicht mit der Wirkung des Spielens von Blasinstrumenten verglichen.

Herr Privatdozent Kreuter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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