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Allergisches Asthma bronchiale Forschung neue Therapieoptionen

Dr. Hendrik Beckert zum Thema: Allergisches Asthma bronchiale - Forschung an neuen Therapien!

Allergisches Asthma bronchiale: Forschung an neuen Therapien!

Die Lungenerkrankung „allergisches Asthma bronchiale“ ist eine Volkskrankheit. In Deutschland sind rund 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen und circa 5 Prozent aller Erwachsenen von der Erkrankung betroffen. Therapien zur Behandlung des allergischen Asthma bronchiale stehen zwar zur Verfügung, aber nicht alle Patienten werden dadurch symptomfrei. In der Forschung arbeitet man deshalb mit Hochdruck an neuen Therapien. Mit Dr. rer. nat. Hendrik Beckert, Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen, Ruhrlandklinik und stellvertretender Sektionssprecher der DGAKI-Junior Members, sprach MeinAllergiePortal beim DAK 2019 über seine Forschung an neuen Therapien. Für seine Doktorarbeit zum Thema „Auf der Suche nach neuen Medikamenten gegen Allergisches Asthma bronchiale“ erhielt er den Förderpreis der Deutschen Lungenstiftung für die beste experimentelle pneumologische Doktorarbeit 2018.

Herr Dr. Beckert, welche Symptome sind typisch für allergisches Asthma bronchiale?

Beim allergischen Asthma bronchiale kommt es immer wieder zu Entzündungsreaktionen in der Lunge und anfallsartiger Luftnot. Kommt es zu einer Exazerbation, das heißt, zu einem Asthmaanfall, kommt es zu einer akuten Verengung der Atemwege und zu einer erhöhten Schleimproduktion. Der Patient leidet dann unter Symptomen wie Husten, Brustenge und Atemnot.

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Wie kommt es zu einem allergischen Asthma bronchiale?

Grund für das allergische Asthma bronchiale ist in den meisten Fällen eine Reaktion des Immunsystems gegen ein Allergen. Allerdings sind Allergene eigentlich nicht gefährlich, sodass es sich hierbei um eine Überreaktion des Immunsystems handelt. Abgesehen von den Allergenen, können jedoch auch andere Faktoren einen Asthmaanfall auslösen. Dazu gehören zum Beispiel Infektionen, Zigarettenrauch, Luftverschmutzung oder eine körperliche Belastung.

Was genau passiert im Körper, wenn man allergisches Asthma bronchiale hat?

Wenn es zu der erwähnten Überreaktion des Immunsystems kommt, werden diverse Botenstoffe ausgeschüttet und Immunzellen in die Lunge gelockt. Diese Botenstoffe dienen normalerweise dazu, Krankheitserreger wie Viren und Bakterien zu bekämpfen. Im Falle eines allergischen Asthmas bekämpfen sie dann allerdings die harmlosen Allergene und schädigen das eigene Gewebe.

Welche Therapien stehen zur Behandlung von allergischem Asthma bronchiale zur Verfügung?

Allergisches Asthma bronchiale wird durch bronchienerweiternde Medikamente wie schnellwirkende Beta-2-Sympathomimetika und inhalatives Kortison therapiert. Dadurch will man erreichen, dass die Kontraktion der Atemwege aufgelöst und die Entzündungsreaktion verhindert wird. Für schwerere Formen des Asthmas stehen mittlerweile Biologika in Form von monoklonalen Antikörpern zur Verfügung.

Aber: Ein Teil der Patienten reagiert nicht ausreichend auf die uns zur Verfügung stehenden Medikamente, auch wenn die Verordnung korrekt und regelmäßig umgesetzt wird. Auch Patienten mit milderen Formen des Asthmas sind häufig lebenslang auf eine Therapie angewiesen.

Deshalb beschäftigen sich Forschungsgruppen auf dem Feld der Pneumologie sehr intensiv mit der Entwicklung neuer Medikamente. Die Voraussetzung dafür ist ein besseres Verständnis für die zugrunde liegenden Ursachen, die zur Entstehung und dem Voranschreiten des Asthma bronchiale führen. Ziel ist es, bessere Therapien anbieten zu können und irgendwann eine Heilung möglich zu machen.


Im Rahmen Ihrer Doktorarbeit haben Sie sich mit den Mechanismen des allergischen Asthma bronchiale beschäftigt, welche Fragestellung haben Sie untersucht?

Wie bereits besprochen, spielt beim Asthma die Überreaktion des Immunsystems eine zentrale Rolle und dieses in der Lunge wieder ins Gleichgewicht zu bringen ist ein wichtiges Forschungsfeld. Im Zentrum meiner Forschungsarbeit stand speziell die Funktion des Wnt-Signalwegs. In verschiedenen Zellkultur und Mausmodellen habe ich die Wirkung der Signalwege im allergischen Asthma untersucht.

Die Aktivierung der Signalwege erfolgt durch Botenstoffe, in diesem Falle der Wnt-Liganden, die auf Zellen oder Geweben an spezifische Rezeptoren binden und dadurch Signale ins Zellinnere leiten. Die Zellen reagieren darauf, indem sie zum Beispiel Proteine bilden, ihren Stoffwechsel ändern oder sich teilen. Von den Wnt-Signalwegen ist unter anderem bekannt, dass sie die Funktion von Immunzellen modulieren, das heißt „abwandeln“, können.

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Und zu welchen Erkenntnissen sind Sie im Hinblick auf die Rolle der Wnt-Signalwege beim allergischen Asthma bronchiale gekommen?

Durch die Behandlung der Tiere mit Wnt-Liganden und Aktivierung der Signalwege konnte die Lungenfunktion verbessert und die Entzündung in der Lunge deutlich reduziert werden. Hierdurch bestätigte sich, dass die Signalwege auf das Immunsystem wirken und therapeutisch eingesetzt werden könnten. Darüber hinaus wurde auch der Wirkmechanismus analysiert. Es zeigte sich, dass die Wnt-Liganden vor allem auf dendritische Zellen wirken, einen Immunzelltyp der für die Einleitung von Entzündungsreaktionen relevant ist.

Was bedeutet es für das allergische Asthma bronchiale, dass die Wnt-Liganden vor allem auf dendritische Zellen wirken?

Die dendritischen Zellen bilden das Bindeglied zwischen angeborenem und erworbenem Immunsystem und steuern die Aktivierung von Lymphozyten. Kommt es bei einem Patienten mit allergischem Asthma bronchiale zum Kontakt mit Allergenen, nehmen dendritische Zellen diese in der Lunge auf und aktivieren Lymphozyten. Dies führt im weiteren Verlauf zu der Entzündungssituation.

Sie haben die Untersuchungen zum allergischen Asthma bronchiale am Mausmodell durchgeführt, aber sind die Untersuchungsergebnisse auch übertragbar auf Menschen?

Die Frage, ob die beobachteten Effekte mausspezifisch sind, oder auch auf den Menschen übertragen werden können, ist natürlich entscheidend für die Entwicklung neuer Therapien. Dies ist aktuell Gegenstand unserer Forschung an der Ruhrlandklinik. Tatsächlich konnten wir bereits mit Zellen von allergischen Patienten in Zellkulturen zeigen, dass die Wnt-Liganden die Immunantwort ebenfalls reduzieren können und der vermutete Wirkmechanismus in Maus und Mensch vergleichbar ist. Damit konnten die Wnt-Signalwege als potenzielle Zielstrukturen für neue Therapien identifiziert und das Verständnis für die Entwicklung des allergischen Asthma bronchiale erweitert werden.

Herr Dr. Beckert, herzlichen Dank für dieses Interview!

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