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Asthma Schweinegrippe-Viren Schutz

PD Dr. Chrysanthi Skevaki zum Thema "Asthma: Könnten Schweinegrippe-Viren schützen?"

Asthma: Könnten Schweinegrippe-Viren schützen?

Nach der allgemein anerkannten Hygiene Hypothese kann ein wenig Schmutz nicht schaden. Schließlich konnte man nachweisen, dass Kinder, die intensiven Kontakt mit den Bakterien im Kuhstall hatten, seltener an Asthma erkrankten. Weniger Aufmerksamkeit erfuhr die Frage, ob auch Virusinfektionen eine Asthma-protektive Rolle spielen könnten. Ein internationales Forscherteam um PD Dr. Chrysanthi Skevaki, FÄ für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, FÄ für Laboratoriumsmedizin, AG Leiterin , Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie, Molekular Diagnostik, Philipps Universität Marburg untersuchte dies nun anhand eines Mausmodells. Im Zentrum der Studie stand der Effekt früher Influenza Infektionen auf die Entwicklung eines allergischen Asthmas.1) MeinAllergiePortal sprach mit der Studienleiterin Dr. Skevaki darüber, ob Schweinegrippe-Viren vor Asthma schützen könnten.

Dr. Skevaki, wie sind sie bei Ihrer Studie zur Frage, ob Schweinegrippe-Viren vor Asthma schützen können, vorgegangen?

In unserer Studie haben wir Mäuse auf zwei unterschiedliche Arten untersucht. Zum einen haben wir sie mit dem aus dem Jahr 2009 bekannten Schweinegrippe-Virus, Influenzapandemie A (H1N1) infiziert. Nach Abklingen der Virus- und Entzündungsreaktion wurde ein experimentelles Protokoll für allergisches Asthma aufgesetzt und die Reaktion beobachtet. In einem weiteren Modell haben wir T-Gedächtniszellen von Mäusen, die mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert waren, auf sensibilisierte Mäuse übertragen. T-Gedächtniszellen bilden sich als Reaktion auf diese Infektion. Danach haben wir diese Mäuse erneut mit dem Allergen konfrontiert und auch hier die Reaktion festgehalten.

Zu welchen Ergebnissen kamen Sie im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Grippeviren und der Entstehung von Asthma?

In Bezug auf experimentelles Asthma konnten wir sehen, dass die Infektion mit dem Grippevirus bei den Mäusen tatsächlich zu einem dauerhaften präventiven Effekt führte. Wir haben diesen Effekt auf eine Kreuzreaktion zwischen Allergen- und Virusepitopen auf Ebene von T-Gedächtniszellen zurückgeführt. Epitope sind Teile eines Antigens, die eine Immunantwort auslösen können.

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Wie sind die Ergebnisse Ihrer Studie im Hinblick auf die Hygiene Hypothese zu beurteilen?

Die Studien, auf die sich die Hygiene-Hypothese stützt, haben in der Regel die Rolle der Bakterien untersucht. Mit unserer Studie konnten wir die Hygiene-Hypothese nun um den Einfluss der Virusinfektionen der Atemwege auf das allergische Asthma ergänzen. Angesichts der Tatsache, dass virale Atemwegsinfektionen bei Kindern gerade in den ersten Lebensjahren sehr häufig auftreten, ist dies eine relevante Erkenntnis.

Wie erklärt sich dann andererseits, dass frühe Infektionen mit dem Rhinovirus (RV) mit einem höheren Risiko für Asthma einhergehen?

Dies erklärt sich damit, dass Virus nicht gleich Virus ist. Wir wissen, dass der Virustyp auch die Art der Entzündung beeinflusst. Der Rhinovirus kann zum Beispiel eine klinische Bronchiolitis mit einer Asthma-artigen Entzündung hervorrufen und Asthma-fördernd wirken. Der respiratorische Synzytial-Virus (RSV) wiederum kann eine schwerere Infektion der unteren Atemwege mit vermehrter Schleimproduktion hervorrufen. Es gibt jedoch noch weitere Einflussfaktoren.

Welche weiteren Faktoren beeinflussen es, ob eine Virusinfektion vor Asthma schützt oder Asthma fördert?

Dafür, ob sich die Virusinfektion Asthma-protektiv oder fördernd auswirkt, ist offenbar auch ausschlaggebend, wo genau die Infektion stattfindet, ob an den oberen oder den unteren Atemwegen. Außerdem spielen die Ausprägung der Infektion und die Symptomstärke eine Rolle. Schließlich ist auch die individuelle Immunantwort des Patienten ein wichtiger Faktor. Die Immunantwort wiederum wird vom Alter, dem Geschlecht und der genetischen Prädisposition bestimmt. Hierfür ist es zum Beispiel auch relevant, ob eine Allergie oder eine Immunschwäche besteht.

Wie könnte sich Ihre Erkenntnis, dass bestimmte Virusinfektionen vor Asthma schützen können, auf die Therapie auswirken?

Vorstellbar wäre es, bestehende Grippe-Impfstoffe entsprechend mit Peptiden, für die eine Asthma-protektive Wirkung nachgewiesen wurde, anzureichern. Darüber hinaus könnte unsere Forschung die Basis für neue Peptid-basierte Impfstoffe sein.

Dr. Skevaki, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Quellen:

1) Skevaki C, Hudemann C, Matrosovich M, Möbs C, Paul S, Wachtendorf A, Alashkar Alhamwe B, Potaczek DP, Hagner S, Gemsa D, Garn H, Sette A, Renz H, Influenza-derived peptides cross-react with allergens and provide asthma protection., J Allergy Clin Immunol. 2018 Sep;142(3):804-814. doi: 10.1016/j.jaci.2017.07.056. Epub 2017 Nov 10, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29132960

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