Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

E-Zigaretten gesünder Tabakrauchen

Dr. Christian Denne zum Thema: E-Zigaretten - ist Dampfen gesünder als Tabakrauchen?

E-Zigaretten: Ist Dampfen gesünder als Tabakrauchen?

Hat man auch einen Zusammenhang zwischen E-Zigaretten-Konsum und der Entstehung von Lungenkrebs festgestellt?

Zum Zusammenhang zwischen E-Zigaretten-Konsum und der Entstehung von Lungenkrebs kann man noch keine Aussage treffen. Natürlich wissen wir heute noch nicht, welche Folgen beim Rauchen von E-Zigaretten in zehn Jahren auftreten könnten. Das ist ähnlich wie beim Asbest, dessen lungenschädigende Wirkung auch erst nach Jahren offenbar wurde: Asbest wurde ja bis 1989 beispielsweise in Fertighäusern verwendet und Asbest hatte viele Vorteile: Es dämmte gut und daher musste man nicht so viel heizen. Erst seit den 2000ern sieht man in den Lungenkliniken mehr und mehr Patienten mit Asbestosen – mit Lungenkrebs und anderen schweren Lungenerkrankungen, die auf Asbest zurückzuführen sind. Und die Häufigkeit nimmt zunächst auch weiter zu.

 

Dann kann man wohl sagen, dass der Konsum von E-Zigaretten für Asthmatiker ähnlich ungesund ist wie der Konsum normaler Zigaretten?

Absolut. Die Lunge wird durch das Rauchen von E-Shishas und E-Zigaretten ja gereizt. Und bei einigen Kindern wurden Umbauvorgänge im Lungengewebe beobachtet – alles verursacht durch die Inhaltsstoffe der E-Zigaretten. Nikotin selbst ist zwar nicht krebserregend. Aber eine Tabak-Zigarette enthält bis zu 1000 andere Inhaltsstoffe, die dem Raucher schaden können. Bei einer E-Zigarette sind es zwar weniger Schadstoffe, aber auch hier sind Chemikalien wie Propylenglycol enthalten. Man hat im Dampf von E-Zigaretten auch krebserregende Stoffe wie zum Beispiel Formaldehyd nachgewiesen. Formaldehyd ist ja ebenfalls krebserregend.

Was hinzukommt: Wenn die E-Zigaretten-Raucher Liquids im Internet kaufen, zum Beispiel hergestellt in China, dann ist nicht nachvollziehbar, ob in diesen Nachahmerprodukten schädliche Acrylate oder andere Aromen enthalten sind, die dem Konsumenten schaden könnten und die möglicherweise sogar krebserregend sind. Das ist eine große Gefahr, denn gerade junge Leute kaufen ja gerne im Internet.

Aber grundsätzlich muss man sagen: Für die E-Zigaretten gibt es noch keine so belastbaren Daten wie bei den Tabak-Zigaretten, bei denen man weiß, dass das Risiko für Lungenkrebs je nach Menge des konsumierten Zigaretten um das x-fache steigt.

Vom Rauchen weiß man ja, dass es bei werdenden Müttern das Allergierisiko beim Kind steigern kann, was weiß man hierzu in Bezug auf die E-Zigaretten?

Für eine Aussage hierzu ist es ebenfalls noch zu früh. Es gibt noch keine verlässlichen Daten oder Studien. Schwierig wird die Untersuchung dieser Fragestellung auch dadurch, dass viele werdende Mütter, die E-Zigaretten rauchen, auch normale Zigaretten konsumieren. Die ganz klare Präventionsempfehlung der Allergologen und Kinderallergologen, die auch in der S3-Leitline enthalten ist, lautet: Generell nicht Rauchen während der Schwangerschaft!

Die Einschätzung vieler Jugendlicher, die E-Zigaretten als „Rauchen light“ betrachten, ist somit ja falsch …

Definitiv! Ich möchte nochmal betonen, dass die E-Zigarette häufig einen Einstieg in die Abhängigkeit darstellt, und zwar vor allem durch ihre psychologische Wirkung. Wenn man glaubt: „E-Zigaretten sind ja nicht so schlimm“ wird man mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann zu Tabak-Zigaretten übergehen oder andere Süchte entwickeln. Und gerade, wenn Kinder und Jugendliche „dampfen“, sind den E-Zigaretten oft Hanfpräparate, also Cannabis, beigemischt. Deren Wirkung kann man aufgrund dieser speziellen Darreichungsform noch gar nicht richtig einschätzen.

Mit der Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes hatten wir seit 2009 schon ganz viel erreicht. In Anbetracht der „Konsumwelle“ der E-Zigaretten und E-Shishas sehe ich die große Gefahr, dass wir das „Rad“ damit ein bisschen „zurückdrehen“. Stattdessen müssten wir eigentlich noch mehr für den Nichtraucherschutz tun. Deutschland ist ja eines der wenigen Länder, in denen Tabakwerbung an den Litfaßsäulen oder an den normalen Werbetafeln noch erlaubt ist. Das sollte sich ändern. Oft wird ja mit den Einnahmen, die der Staat durch die Tabaksteuern erzielt, argumentiert. Ich halte das aber für eine „Milchmädchenrechnung“. Zwar erhält der Staat Gelder durch Tabaksteuer, Tabak-Werbeflächen und so weiter. Auf der anderen Seite ist die Behandlung von Folgeerkrankungen wie Lungenkrebs immens teuer. Die Bestrahlung, die Operation, moderne Chemotherapeutika,… von den volkswirtschaftlichen Schäden durch den Ausfall der Arbeitszeit, Frühverrentung, Frühversterben gar nicht zu sprechen.

Herr Dr. Denne, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Jennifer E. Layden, M.D., Ph.D., Isaac Ghinai, M.B., B.S., Ian Pray, Ph.D., Anne Kimball, M.D., Mark Layer, M.D., Mark Tenforde, M.D., Ph.D., Livia Navon, M.S., Brooke Hoots, Ph.D., Phillip P. Salvatore, Ph.D., Megan Elderbrook, M.P.H., Thomas Haupt, M.S., Jeffrey Kanne, M.D., et al., Pulmonary Illness Related to E-Cigarette Use in Illinois and Wisconsin — Preliminary Report, NEJM, September 6, 2019

DOI: 10.1056/NEJMoa1911614 https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1911614

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.