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Psychischer Stress Zusammenhang Allergien

Dr. med. Pascal Werminghaus zum Thema: Psychischer Stress - gibt es einen Zusammenhang mit Allergien?

Psychischer Stress: Gibt es einen Zusammenhang mit Allergien?

Wie können - umgekehrt - allergische Erkrankungen psychischen Stress erzeugen?

Wir wissen, dass Entzündungsmediatoren, die bei einer Allergie ausgeschüttet werden und ins Blut gelangen, auch die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Im Gehirn angekommen, können sie zur Veränderung des Gemüts führen und Symptome hervorrufen, die einer Depression sehr ähneln. Allerdings basieren Studien hierzu meist auf Selbstauskunft der Patienten mittels Fragebögen. Dadurch ist es schwierig zu entscheiden, ob die beobachteten Symptome tatsächlich ausschließlich auf die allergische Erkrankung zurückzuführen sind.

Wenn allergische Erkrankungen durch psychischen Stress verstärkt werden können, wäre dann nicht eine Psychotherapie eine geeignete Maßnahme, um dies zu verhindern?

Es gibt nur relativ wenige Studien zur Symptomkontrolle durch Stressreduzierung. Das liegt daran, dass psychische Beschwerden nicht ursächlich krankheitsbildend sind, sondern als Begleitsymptom der zu behandelnden Allergie eingestuft werden. Für das Ziel, die Symptome einer allergischen Erkrankung alleinig zu kontrollieren, würde sich eine Psychotherapie also nicht eignen.

 

Könnte der Einsatz von Psychopharmaka zur besseren Symptomkontrolle bei allergischen Erkrankungen beitragen?

Nur im Rahmen von Studien wurden Patienten mit allergischen Erkrankungen mit Psychopharmaka therapiert, allerdings fielen die festgestellten Effekte sehr gering aus. Zudem waren die besagten Studien auch nicht placebokontrolliert, eine Kontrollgruppe fehlte, also wissenschaftlich nicht hochwertig genug, sodass ich vom gezielten Einsatz von Psychopharmaka zur Therapie allergischer Erkrankungen abraten würde.

Inwiefern könnten Arzt und Patient von der Erkenntnis profitieren, dass sich psychischer Stress auf die Schwere der allergischen Erkrankung auswirken kann?

Die wissenschaftliche Datenlage ist relativ dünn, alleine deshalb, weil die Auswirkungen von Stress auf eine Behandlung oder Erkrankung mechanistisch extrem schwer wissenschaftlich zu untersuchen ist. Konkrete Konsequenzen für die allgemeine Behandlung von Allergien aus diesen Mechanismen abzuleiten ist daher sicher nicht gerechtfertig, doch allein von der Entwicklung eines Bewusstseins für die Wechselwirkungen von Stress und allergischer Erkrankung profitieren Arzt und Patient: Wie erwähnt hat ja eine Studie gezeigt, dass die allergenspezifische Immuntherapie bei Patienten, die vermehrtem Stress ausgesetzt waren, weniger erfolgreich war. Das Wissen hierüber ist für eine zielführende Behandlung also sehr hilfreich, denn sowohl Arzt, als auch Patient können im Einzelfall den eventuellen Misserfolg einer Behandlung differenzierter beurteilen.

Aber nicht nur bei der allergenspezifischen Immuntherapie ist das von Belang. Die molekularen Auswirkungen von psychischem Stress können das Therapieansprechen auch auf anderen Ebenen beeinflussen, so ist die Ausbildung einer Kortisonresistenz im Gewebe beschrieben. Bei Patienten, die nicht auf Kortisonspray reagieren, müssen dann ggf. andere Therapieansätze gefunden werden. Diese Zusammenhänge sollte der Arzt im Hinterkopf haben, wenn seine Behandlungspfad nicht wie erwartet funktioniert.

Herr Dr. Werminghaus, herzlichen Dank für dieses Interview!

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