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Helicobacter pylori Magenkeim Nachwuchs Allergien schützen

Prof. Dr. med. Christian Taube zum Thema: Helicobacter pylori - schützt ein Magenkeim den Nachwuchs vor Allergie?

Helicobacter pylori: Schützt ein Magenkeim den Nachwuchs vor Allergie?

Helicobacter pylori ist ein Keim, der den Magen besiedeln und Beschwerden verursachen kann. Weil es zudem auch zu Folgeerkrankungen kommen kann, wird Helicobacter pylori umgehend behandelt. Nun gab eine Studie 1) jedoch Hinweise auf einen positiven Effekt des Magenkeims. So könnte eine Infektion der Mütter mit Helicobacter pylori den Nachwuchs vor Allergien schützen. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik über seine Forschung und die Frage, ob Helicobacter pylori den Nachwuchs vor Allergien schützt.

Herr Prof. Taube, was weiß man über Helicobacter pylori?

Helicobacter pylori begleitet den Menschen schon seit langem. Er ist ein obligater Keim, der im Magen vorkommt und dort seine Nische gefunden hat. Da es keine anderen Konkurrenzkeime gibt, die im Magen existieren können, hat sich der Keim entsprechend angepasst. Er hat Mechanismen entwickelt, die sein Überleben in der eigentlich feindlichen Umgebung des Magens sichern.

Ist der Helicobacter pylori ein häufig auftretender Kein?

Der Keim trat früher sehr häufig auf und war bei 80 Prozent der Kinder nachweisbar. Bei Kindern findet man Helicobacter pylori heutzutage nur noch bei 10 bis 15 Prozent der Untersuchten.

Weiß man, warum Helicobacter pylori heutzutage seltener auftritt?

Das könnte daran liegen, dass sowohl Antibiotika-Therapien als auch Sectio-Entbindungen vermehrt durchgeführt werden. Außerdem haben sich die hygienischen Bedingungen deutlich verbessert.

Wie wirkt sich die Besiedlung mit dem Magenkeim Helicobacter pylori auf die Gesundheit aus?

Die Besiedlung mit dem Magenkeim Helicobacter pylori ist nicht zwangsläufig mit Beschwerden verbunden. Eine Infektion im Kindesalter scheint häufig zu einer Entwicklung von Toleranz gegenüber dem Bakterium geführt zu haben. Krankmachende Effekte treten dann offensichtlich deutlich seltener auf. Allerdings kann Helicobacter pylori auch krank machen.

Welche Erkrankungen können durch Helicobacter pylori ausgelöst werden?

Wenn der Magenkeim nicht behandelt wird, kann dies zu Magenschleimhautentzündung, Magengeschwüren oder gar zu Magenkrebs führen.

Unsere Studien haben aber gezeigt, dass Helicobacter pylori auch positive Effekte hat. Der Keim scheint auch einen gewissen Schutz vor der Entstehung von Allergien und Asthma zu geben.

Wie haben Sie den Zusammenhang von Allergien und einer Infektion mit Helicobacter pylori untersucht?

In früheren Untersuchungen am Mausmodell, konnten wir sehen, dass gerade die Infektion mit Helicobacter pylori im sehr frühen Alter vor der späteren Entstehung einer Allergie oder eines allergischen Asthmas zu schützten scheint.

In unserer neuen Studie haben wir untersucht, ob die Infektion der Mutter den Nachwuchs vor Allergien schützen kann, also eine protektive Rolle spielt. Hier zeigte sich: Beim Nachwuchs der Mütter, die in der Schwangerschaft eine Helicobacter pylori-Infektion hatten, war die Neigung zur Entwicklung einer Allergie deutlich geringer, als beim Nachwuchs der nicht infizierten Mütter.

Aber: Daraus sollte man keinesfalls den Schluss ziehen, eine Helicobacter pylori-Infektion unbehandelt zu lassen, um einer Allergie vorzubeugen. Ein Magenkeim verursacht in der Regel Beschwerden und birgt, wie gesagt, die Gefahr, bösartige Erkrankungen zu entwickeln. Eine Helicobacter pylori-Infektion muss deshalb immer therapiert werden.

Welche therapeutischen Konsequenzen könnten sich in Zukunft aus Ihrer Studie zum Helicobacter pylori ergeben?

Als erstes müsste man in weiteren Studien ermitteln, welche Komponenten des Keims den protektiven Effekt hervorrufen. Dann stellt sich die Frage, inwieweit man diese Komponenten zu einem immunmodulierenden Therapeutikum weiterentwickeln könnte. Dazu sind aufwändige Studien nötig, sodass hier mittelfristig noch nicht mit einer Anwendung in der Praxis zu rechnen ist.

Herr Prof. Taube, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1) Kyburz A, Fallegger A, Zhang X, Altobelli A, Artola-Boran M, Borbet T, Urban S, Paul P, Münz C, Floess S, Huehn J, Cover TL, Blaser MJ, Taube C, Müller A, Transmaternal Helicobacter pylori exposure reduces allergic airway inflammation in offspring through regulatory T cells, J Allergy Clin Immunol. 2019 Apr;143(4):1496-1512.e11. doi: 10.1016/j.jaci.2018.07.046. Epub 2018 Sep 19, (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30240703)

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